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10.09.2015

15:52 Uhr

Chinas Absturz

Das hilflose Winken gegen das Misstrauen

VonStephan Scheuer

Börsencrash, Yuan-Abwertung, lahmende Binnenkonjunktur: Mit nicht mehr als Gesten wirbt Chinas Premier Li Keqiang um das verlorengegangene Vertrauen von Unternehmen und Märkten. Doch Taten Pekings fehlen bislang.

Weltwirtschaftsforum in Dalian

“Es wird keine harte Landung in China geben“

Weltwirtschaftsforum in Dalian: “Es wird keine harte Landung in China geben“

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DalianChinas Premier Li Keqiang lächelt und winkt. Es ist eine Geste, die Zuversicht ausstrahlen soll. „Es wird keine harte Landung in China geben“, bekräftigt Li am Donnerstag in seiner Eröffnungsrede vor rund 1700 Teilnehmern des „Sommer-Davos“ genannten Weltwirtschaftsforum in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian. „Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um die Märkte zu stabilisieren, und die Ausbreitung von Risiken einzudämmen“, sagte der Ministerpräsident.

Li will gegen das Misstrauen anreden, das sich in den vergangenen Monaten unter vielen Geschäftsleuten und Politikern breit gemacht hat. Schwache Wirtschaftsdaten, der Crash an Chinas Börsen und die überraschende Abwertung der chinesischen Währung hatten Schockwellen an die internationalen Märkte gesendet. Die Kurse an Chinas Aktienmärkten waren um rund 40 Prozent im Vergleich zu ihrem Höchststand im Juni eingebrochen. Analysten hatten daran gezweifelt, dass China das gesetzte Ziel von etwa sieben Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr erreichen wird.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Viele internationale Unternehmer sind verunsichert. Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, sprach am Dienstag von einer verlorenem Vertrauen und widersprüchlichen Signalen der Führung in Peking. „Es ist für uns noch nicht das Ende aller Zeiten. Aber es sind andere Zeiten“, sagte Wuttke. Die 2013 angekündigten Wirtschaftsreformen würden nur schleppend umgesetzt. Zudem brachen im August die Importe überraschend stark um 13,8 Prozent ein – ein deutlicher Hinweis auf eine lahmende Binnenkonjunktur.

„China steht unter Abwärtsdruck“, räumte Li ein. Aber die Regierung sei in der Lage, alle Herausforderungen zu meistern. „Insgesamt ist die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft von einem großen Maß von Stabilität gekennzeichnet.“ Es gebe derzeit noch keine Notwendigkeit für großangelegte Konjunkturprogramme oder Geldspritzen für die Finanzmärkte. China werde seine Wirtschaftsziele für dieses Jahr erreichen.

Das Finanzministerium in Peking hatte am Mittwoch angekündigt, dass es die Umsetzung von geplanten Infrastrukturprogrammen beschleunigen werde. Gleichzeitig hatte die Behörde eine weitere Reform des Steuersystems in Aussicht gestellt, die neue Wachstumsimpulse liefern soll.

Kommentare (2)

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Herr Werner Wilhelm

10.09.2015, 16:12 Uhr

China ist kein Ursprung für Wachstum in der Weltwirtschaft, sondern mit dem Leistungsbilanzüberschuss genau das Gegenteil davon.

Es wird Zeit, dass sich das auch mal bei den HB-Autoren herumspricht. ;-)

Wenn die Währungsreserven Chinas tatsächlich abgenommen haben, dann deutet das auf ein Eingreifen der chinesischen Zentralbank hin. Das ist richtig. Es wird dabei auch tatsächlich gestützt, das heisst, der Yuan teurer gemacht. In Wirklichkeit wurde der Renminbi jedoch abgewertet. Das ist ein Widerspruch der der Aufklärung harrt.

Oder hat sich Herr Scheuer, wie in letzter Zeit hier auf HB online leider zu oft, einfach in der Formulierung vergriffen?

Schließlich: Was heißt, wir werden den Renminbi stabil halten? Sollen die Leistungsbilanzüberschüsse stabilisiert werden?

Fragen über Fragen? ;-)

Frau Margrit Steer

10.09.2015, 17:26 Uhr

Sollte ein Börsencrash kommen, dann ist aber hier die Hölle los

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