Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.05.2014

18:44 Uhr

Chinas Chance

Putin findet Freunde in Fernost

VonFinn Mayer-Kuckuk

Mit den westlichen Ländern hat es sich Wladimir Putin verscherzt – umso mehr umgarnt der Kremlchef seine Freunde in Asien. Er will Russland wirtschaftlich unabhängiger von der EU machen – der große Gewinner: China.

Stärkung der Beziehungen

Putin beginnt Chinabesuch

Stärkung der Beziehungen: Putin beginnt Chinabesuch

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ShanghaiNachdem Wladimir Putin es sich vorerst mit den westlichen Ländern verscherzt hat, setzt er umso mehr auf seine Freunde in Fernost. „Die chinesisch-russische Kooperation ist ein wichtiger Faktor für weltweite Stabilität geworden“, sagte der russische Präsident in Shanghai, wo er am Dienstag mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping zusammengetroffen ist.

Die beiden Länder haben am Dienstag auch eine Vereinbarung über Öl- und Gaslieferungen abgeschlossen, die Russland von der EU als Kunden unabhängiger machen könnten. Der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge konnten sich beide Seiten jedoch noch nicht abschließend auf den Preis einigen. Eines ist jedoch sicher: In den vergangenen Wochen ist Putins Bereitschaft gewachsen, hier Zugeständnisse zu machen.

Die Ukraine-Krise hat das Verhältnis von China zu Russland insgesamt in Bewegung gebracht. Putin besinnt sich bei der Suche nach Verbündeten verstärkt auf China. Beide Länder sehen sich als Gegengewichte zur weltpolitischen Vormachtstellung der USA. Der russische Präsident macht sich darüber hinaus Hoffnung, dass das autoritär regierten Land in Fernost seine Politik gegenüber der Ukraine unterstützen könnte.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Vor Ausbruch der Krise hatte Xi noch große Sympathie für eine verstärkte Kooperation mit dem Nachbarland gezeigt. Bisher hat es Xi jedoch vermieden, Stellung zu beziehen. „China hat genug eigene Probleme und will sich nicht in weitere Konflikte hineinziehen lassen“, sagt Politologe Wang Yiwei von der Renmin-Universität in Peking. Das Hauptinteresse gelte wirtschaftlicher Stabilität bei den Handelspartnern.

Daher ist es bisher vor allem Russland, das sich bewegt, während die chinesische Position im Wesentlichen gleich bleibt. Das zeigt sich augenfällig an den Abkommen zur Lieferung von Gas und Öl. „Die russische Seite steht unter Druck, alternative Abnehmer zu finden“, sagt Wang. Daher sei Putin erstmals bereit, chinesischen Forderungen nach Rabatten und langfristigen Fixpreisen entgegenzukommen. Bisher hatte Moskau darauf bestanden, den Weltmarktpreis zu berechnen.

Wirtschaftsspionage: USA klagen chinesische Militärhacker an

Wirtschaftsspionage

USA klagen chinesische Militärhacker an

Demonstrativ klagen die USA fünf Angehörige des chinesischen Militärs wegen Internetangriffen und Wirtschaftsspionage an. China kritisiert seinerseits US-Schnüffeleien. Zu den Opfern zählt auch ein deutsches Unternehmen.

Ein großes Gasgeschäft zwischen China und Russland ist seit einem runden Jahrzehnt in Vorbereitung. Bisher war ein Abschluss am Geschacher der beiden Nachbarländer über den Preis gescheitert. Jetzt scheint es zumindest etwas vorwärts zu gehen. Der Energiekonzern Gazprom hat bereits signalisiert, an den Nachbarn im Südosten 38 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr liefern zu können. Das würde einen Großteil des chinesischen Bedarfs decken.

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.05.2014, 18:53 Uhr

...Die harten Verhandlungen um den Gaspreis zeigen jedoch, dass die Regierung in Peking eher maximalen Profit aus der Lage Russlands schlagen will statt politisch motivierte Hilfe anzubieten. „China wird sich nicht eindeutig positionieren, sondern eine Schaukelpolitik zwischen Europa und Russland betreiben“, sagt Merics-Experte Rudolf.

Der Teilsatz sagt alles und das gemeinsame Foto spricht auch Bände. Der ein lächelt und der andere scheint doch sehr verunsichert zu sein.

Account gelöscht!

20.05.2014, 19:01 Uhr

Schade um die einstige Vertrautheit zwischen Deutschland und Russland. Dabei hätten doch diese beiden Staaten soviel von einander. Beim Freihandelsabkommen mit den USA sehe ich kein eindeutigen Mehrgewinn. Es kommt wahrscheinlich nur zur Kanalisierung des Mittelstandes in der EU und USA. In Russland hätten wir mit unseren Produkten ein ganzen Kontinent mitgestalten können.

Account gelöscht!

20.05.2014, 19:04 Uhr

Und das Schönste:
"This friendship had been sponsored by Washington, Berlin, the NATO and all the other Friends of Freedom all over the World; pls feel comfy".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×