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17.01.2011

17:11 Uhr

Chinas Militäretat

Pekings Liebesgrüße aus dem Kampfjet

VonFinn Mayer-Kuckuk, Rüdiger Scheidges , Matthias Brüggmann

Hu Jintao kommt diese Woche nicht als demütiger Abgesandter eines Schwellenlandes nach Washington, sondern als Präsident eines Volkes, das an die Weltspitze strebt. China provoziert jetzt sogar in einem Bereich, in dem sich die USA noch als klare Nummer eins sehen: dem Militär.

Das chinesische Militär soll modernisiert werden. DAPD

Das chinesische Militär soll modernisiert werden.

BERLIN/PEKING. Chinas Präsident Hu Jintao wird bei seinem Besuch in Washington wieder viel lächeln. Er wird gegenüber US-Präsident Barack Obama die verbesserten Beziehungen zwischen beiden Ländern betonen. Doch hinter dem aufgesetzten Lächeln verbirgt sich ein Machtpolitiker, der sein Land an der Schwelle zu ungeahntem globalem Einfluss weiß. Mehr noch: China beginnt, der letzten Supermacht auf der Nase herumzutanzen. Das zeigte sich beim ersten Testflug des Tarnkappenbombers J-20 exakt zum Zeitpunkt des Besuchs von US-Verteidigungsminister Robert Gates in Peking.

Selbst wenn Hu und Obama diese Provokation bei ihrem Treffen am Mittwoch weglächeln: Das militärische Muskelspiel zeigt eine neue Qualität im Verhältnis der beiden Rivalen. Bisher hielt sich China mit der Demonstration militärischer Stärke zurück. Es galt die Devise, die Staatsmann Deng Xiaoping Anfang der 80er-Jahre vorgegeben hatte: „Haltet Euch bedeckt und strebt keine globale Führungsrolle an.“ Doch die neue Führungsgeneration scheint den Rat Dengs an seine Nachfolger nicht mehr zu brauchen.

Der Harvard-Professor und frühere stellvertretende US-Verteidigungsminister Joseph Nye spricht bereits von „Selbstüberschätzung und Vermessenheit“ der Chinesen. Auch ein deutscher Manager vor Ort beobachtet zunehmende „Arroganz“ der Chinesen im Umgang mit dem Westen. Das Erbe der Weisheit Deng Xiaopings zeigt sich allein noch in der verhaltenen Art, mit der China seine Durchbrüche kommuniziert: Statt Gates offen zu informieren, gestattete Peking die Verbreitung unscharfer Fotos im Internet.

Dabei kommt der Jungfernflug des Tarnkappenbombers vorerst beiden Seiten zupass: China kann militärische Innovation demonstrieren, während die US-Rüstungsindustrie neue Legitimation für Bedrohungsszenarien findet. China habe im Stillen die Modernisierung seiner Streitkräfte beschleunigt, heißt es in einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums. Berechnungen des Stockholmer Friedensinstituts (Sipri) zufolge ist der chinesische Rüstungsetat mit umgerechnet 99 Milliarden Dollar zwar noch gut sechseinhalb Mal kleiner als der amerikanische. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass Pekings tatsächliche Militärausgaben deutlich höher liegen. Schätzungen gehen vom Zwei- bis Dreifachen der offiziell verfügbaren Zahlen aus. So ist Peking nach den USA bereits der zweitgrößte Waffenkäufer auf dem Weltmarkt. Die einzelnen Budgets für das Militär veröffentlicht die Regierung aber nicht.

Chinesische Experten feiern den erfolgreichen Testflug der J-20 als Meilenstein. Die J-20 sei ein notwendiges Produkt für den Ausbau der militärischen Fähigkeiten, sagt Li Li, Professorin an der Universität für Landesverteidigung der Volksbefreiungsarmee. Es wird allerdings dauern, bis der Kampfjet einsatzfähig ist: „Die J-20 ist technisch sehr komplex. Es dürfte noch acht bis zehn Jahre dauern, bis man die Armee damit ausrüstet“, sagt Li.

Kommentare (4)

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H. J. Henseler

17.01.2011, 20:17 Uhr

Kann der Autor mir erklaeren, worin die Provokation
besteht, wenn China auf die bevoelkerungszahl bezogen einen weniger als 20 x kleineren Militaeretat hat. 240 Atomsprengkoerper gegen mehr
als 9.000 amerikanische? Mit welchem Mass wird da
gemessen? Und sagen Sie bitte nicht, dass die Ameri-
kaner ihr Arsenal nicht einsetzen!

G.G.

17.01.2011, 20:29 Uhr

Sun Tzu sagt: ".... Wenn dein Feind an Kräften überlegen ist, dann weiche ihm aus. Wenn dein Gegner ein cholerisches Temperament hat, dann versuche ihn zu reizen. Gib vor, schwach zu sein, damit er überheblich wird."

Kräftemangel

17.01.2011, 20:55 Uhr

Wieder Nebelkerzen und Propaganda. Kriege werden von Amerika geführt. Einen schönen Tag.

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