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25.05.2012

07:07 Uhr

Chinas Olympia-Bilanz

Fackellauf unter Militärschutz

VonFinn Mayer-Kuckuk

Während der Olympiade in China kritisierten die Medien die Zensur oder die Unterdrückung im Tibet hart. Heute ist davon nichts mehr zu merken. Am Ende schadete die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mehr, als dass sie half.

Tibeter mit Fackel und Flagge. dpa

Tibeter mit Fackel und Flagge.

PekingChina hat die olympischen Spiele 2008 zur Leistungsschau gemacht: Die aufstrebende Wirtschaftsmacht hat die meisten Medaillen abgeräumt und die Welt mit perfekter Organisation beeindruckt. Die Architektur: aufsehenerregend. Die Show: nie dagewesen aufwendig. Schätzungen zufolge kostete das Spektakel knapp 35 Milliarden Euro. Vertreter aller wichtiger Regierungen nahmen teil – auch Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George Bush. Auch Spitzenpolitiker, die sonst streng auf Menschenrechte pochen, ließen sich den Sommerausflug nach Peking nicht nehmen.
Dennoch konnten die Organisatoren eine Medienkatastrophe nur knapp abwenden. Kurz vor den Spielen brachen in Tibet Proteste aus, die Peking in gewohnt brutaler Weise unterdrücken ließ. Aus Solidarität störten Menschenrechtskämpfer aus aller Welt den Fackellauf, der in chinesischer Rekordsucht der längste und prächtigste der Geschichte sein sollte. Die Fackelträger liefen fortan unter Polizeischutz, was längst nicht mehr dem Ideal eines fröhlichen Sommerfestes entsprach.

Auch während der Spiele lieferten Menschenrechtler den Behörden ein Katz- und Mausspiel in Peking. Sie bemalten beispielsweise ihre Hotelzimmerwand mit Forderungen nach einem freien Tibet und übertrugen die Aktion Live auf Youtube. Dann warteten sie, bis die Polizei sie fand.
Die wahren menschlichen Kosten zeigten sich jedoch erst nach den Spielen. Während sich Merkel und Bush im Stadion bei den sportlichen Darbietungen amüsierten, wurden landesweit tausende von Kindern krank, weil sie verseuchte Pulvermilch tranken. Hinweise auf Lebensmittelprobleme hatte es schon vor den Spielen gegeben. Doch der Staat hatte Presseberichte über Verdachtsfälle unterdrückt, um das moderne Image des Landes nicht zu gefährden.

Kommentare (1)

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justrecently

25.05.2012, 11:40 Uhr

<em>"Auch wenn der langfristige Trend in China vermutlich in Richtung größerer Freiheit geht"</em> ...

Welch schöner, begütigender Satz! Nett wäre es, wenn dazu ein weiterer Artikel erschiene, der diese Vermutung näher begründet.

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