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30.03.2014

11:59 Uhr

Chinas Präsident

Xi macht deutschen Unternehmen Hoffnung

Chinas Präsident Xi Jinping hat auf seinem Deutschlandbesuch beteuert, sein Land wolle umweltverträglich wachsen – mit Hilfe deutscher Technologien. NRW-Ministerpräsidentin Kraft machte ihm „made in Germany“ schmackhaft.

Xi Jinping mit Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel in Duisburg: „Enormer Konsum- und Investitionsbedarf.“ dpa

Xi Jinping mit Hannelore Kraft und Sigmar Gabriel in Duisburg: „Enormer Konsum- und Investitionsbedarf.“

DüsseldorfChinas Präsident Xi Jinping hat zum Abschluss seines Deutschland-Besuchs vor den Folgen eines unkontrollierten Wachstums nach dem Modell der alten Industriestaaten gewarnt. „Wenn wir eine Modernisierung für 1,3 Milliarden Chinesen wollen, dann kann man den alten Weg der Industrienationen nicht weitergehen, weil dieser alte Weg nicht nur China, sondern den ganzen Planeten an seine Grenzen bringen würde“, sagte Xi am Samstagabend in Düsseldorf.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wies darauf hin, dass auch Deutschland sich mit Energiewende und Klimaschutz sehr ehrgeizige Aufgaben gestellt habe. „Damit liegt auf der Hand, dass wir in vielen Bereichen wie Umwelttechnik, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Ökologische Stadtentwicklung gleichsam natürliche Partner sind“, sagte Kraft in ihrer Tischrede beim Bankett für Xi.

Der Staatspräsident beendete am Sonntagmorgen seinen Deutschland-Besuch und flog vom Düsseldorfer Flughafen weiter nach Brüssel. Zuvor hatte Xi klargemacht, dass er zwar weiter auf Wachstum setzt - China müsse aber „einen Weg der nachhaltigen Entwicklung einschlagen, auch wenn dabei ein etwas langsameres Wachstumstempo in Kauf genommen werden muss“.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Bei Xis Besuch in Berlin hatten Deutschland und China am Freitag eine engere Zusammenarbeit bei der Lösung internationaler Konflikte wie der Ukraine-Krise vereinbart. Beide Seiten seien bereit, „ihre strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Außenpolitik und Sicherheit zu vertiefen und ihr Engagement zur Lösung regionaler und globaler Konflikte zu verstärken“, hieß es in einer Erklärung. Xi wurde in NRW von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet.

Bis 2020 wolle sein Land durch weiteres Wachstum bescheidenen Wohlstand für alle erreichen, sagte Xi am Samstagabend. Dabei wachse die Zahl der Menschen, die in Städten leben, jährlich um ein Prozent. „Erhöht sich Chinas Urbanisierungsquote um einen Prozentpunkt, dann werden mehr als zehn Millionen Bauern Städter, was einen enormen Konsum- und Investitionsbedarf mit sich bringt“, sagte Xi.

Potenzial für Maschinenbau, Bergbau und Chemie

Das bedeute auch für Deutschland Chancen auf dem chinesischen Markt. Umgekehrt wies Xi auch auf die chinesischen Exporterfolge hin: „Für einen deutschen Haushalt wäre es schwer vorstellbar, ein ganzes Jahr keine Produkte „Made in China“ zu kaufen.“ Kraft sagte, Potenzial für weiteren Handel gebe es bei Maschinenbau, Bergbautechnik und Chemieindustrie. „Wir setzen darauf, dass beide Seiten diese Zusammenarbeit im Geiste der Offenheit, der Kreativität und der Zuverlässigkeit, aber insbesondere auch im Geiste der Freundschaft weiter gestalten und vertiefen.“

In Düsseldorf traf Xi außer Kraft auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Gabriel betonte, der Weg chinesischer Unternehmen nach Deutschland und Europa müsse leichter werden. „Unser Ziel ist eine wirtschaftliche Partnerschaft auf Augenhöhe.“ Aber es gehe nicht nur um die Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch um Kultur und wissenschaftliche Zusammenarbeit.

Xi besuchte auch den Duisburger Hafen. Auf dem Terminalgelände war er bei der Ankunft eines Güterzuges dabei, der Zentralchina mit Europa verbindet. Auf der Yuxinou-Strecke werden bis zu drei Mal pro Woche Waren zwischen der chinesischen Millionenmetropole Chongqing und Duisburg transportiert.

Von

dpa

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