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28.03.2014

06:26 Uhr

Chinas Staatschef in Deutschland

Besuch vom reichen Onkel Xi

VonFinn Mayer-Kuckuk

Xi Jinping bereist Europa. Heute kommt Chinas Staatschef nach Berlin, trifft dort Bundespräsident Gauck und Kanzlerin Merkel – am größten ist die Freude aber wohl in Frankfurt. Denn Xi hat ein schönes Mitbringsel dabei.

Präsident Xi Jinping prostet bei seinem Besuch in den Niederlanden Königin Maxima zu. dpa

Präsident Xi Jinping prostet bei seinem Besuch in den Niederlanden Königin Maxima zu.

PekingDie chinesische Öffentlichkeit interessiert sich bisher hauptsächlich für die Anzüge, die ihr Präsident auf seiner Reise durch das ferne, ferne Europa trägt. Zu einem Dinner mit dem niederländischen König trug Genosse Xi Jinping ein traditionelles Outfit mit chinesischem Stehkragen. Das gilt als völlige Neuerung, denn bisher haben sich die kommunistischen Größen ausschließlich in schwarzen Anzügen gezeigt.

„Die Kleidung zeigt die neue Selbstsicherheit und Offenheit der neuen Führung“, sagte ein ehemaliger Leiter der Protokollabteilung im chinesischen Außenministerium. Die Frage ist nun, wie der Präsident sich an diesem Freitag für seine Termine mit Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel kleiden will.

Es handelt sich um Xis erste Europareise als Präsident. Bisher läuft alles prächtig: Wo er hinkommt, wird er umworben. Schließlich ist er der Staatschef der größten Wachstumswirtschaft auf diesem Planeten. China ist zudem auf der Weltbühne ein diplomatisches Schwergewicht geworden – an den Positionen der Atommacht mit der Milliardenbevölkerung kommt keiner vorbei.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Das chinesische Outfit des Präsidenten verrät dabei schon etwas über sein Programm. Er tritt selbstbewusster auf als seine Vorgänger und vertritt eine ausgeprägt machtpolitische Agenda. Zugleich bringt er aber auch Geschenke mit: Wirtschaftsabkommen sowie die Aussicht auf vertiefte Partnerschaft und Zusammenarbeit.

Die französische Regierung – am Mittwoch war Xi in Paris zu Gast – hat bereits ausgerechnet, dass das eigene Handelsdefizit um zehn Prozent sinken würde, wenn jährlich fünf Millionen chinesische Touristen nach Frankreich kommen. Sie wünscht sich zudem deutlich höhere Exporte nach China.

Kein Wunder, dass Xis französischer Kollege François Hollande alles tat, um einen guten Eindruck zu machen. Um so größer war die Freude, als China einen Großauftrag bei dem europäischen Flugzeugbauer Airbus aufgab.

Doch Kern des Besuchsprogramms sind die Gespräche in Deutschland, das China aufgrund enger Verflechtung der Wirtschaft näher steht als die anderen EU-Mitglieder. „Die Beziehungen sind die besten in der Geschichte“, sagt Ding Chun vom Zentrum für Europastudien an der Fudan-Universität in Shanghai. Beide Länder teilten politische Prioritäten: Die Förderung von Realwirtschaft, Außenhandel und freien Märkten bei möglichst großer Stabilität und Berechenbarkeit.

Kommentare (8)

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28.03.2014, 10:02 Uhr

O Gott, die Etikette. Der Maxima muß dringend gezeigt werden, wie man ein Glas anfasst. Das ist ja unfassbar!

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28.03.2014, 10:51 Uhr

Wir sollten da endlich mal ne Transitstrecke von Europa nach China legen, durch Russland und über Arabien nach Indien. Dann verschmutzen wir nicht mir Transport die Weltmeere, Piraten wären keine Gefahr mehr und der Handel wird kostengünstiger, umweltfreundlicher und schneller. Außerdem profitieren ein Haufen Länder davon, da würde Zuzug kommen entlang der Strecke und alle profitieren. Außerdem können dann entlang der Strecken auch Energieversorgungen stattfinden ohne Tankerunglücke etc.

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28.03.2014, 11:40 Uhr

Herzlich Willkommen, kann ich da nur sagen.

Ich war selbst gerade ein paar Tage in Peking. Hat mir da sehr gefallen und wir haben uns diese schöne und sehr große Stadt angesehen.

Gegenüber meinem letzten Besuch vor 7 Jahren hat sich dort sehr viel getan. aber der immer wieder angesprochene Smog war kaum zu erkennen. Entweder hat sich das alles gebessert, ober wir hatten eine Periode der schönen Tage. Auch von dem (angeblichen) Polizeit-Staat haben wir fast nichts mitbekommen. Polizei war kaum da und wenn, dann nie so mit MP und Pistolen bewaffnet, wie in Deutschland üblich.

Generell freu es mich, wenn nun der Chef der Chinesen zu einem „Gegenbesuch“ hier ist.

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