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01.12.2015

10:22 Uhr

Chinas Streitkräfte

Radikal-Kur für die größte Armee der Welt

VonStephan Scheuer

Die größte Armee der Welt soll eine schlagkräftige Truppe werden. Dazu will Staatschef Xi sie massiv umbauen: Das Kommando soll schlanker, die Zahl der Militärzonen verringert – und seine Macht gefestigt werden.

Chinas Präsident kündigte den umfassendsten Umbau der Volksbefreiungsarmee seit mehreren Jahrzehnten an. dpa

Xi Jinping

Chinas Präsident kündigte den umfassendsten Umbau der Volksbefreiungsarmee seit mehreren Jahrzehnten an.

PekingXi Jinping führt. Als Staatschef hat er viele Strukturen in der zweitgrößten Volkswirtschaft umgebaut. Cybersicherheit, Verteidigungspolitik, Finanzpolitik: Über kleine Führungsgruppen steuert er die Geschicke im Land und dehnt seinen Einfluss auf immer weitere Bereiche aus. Viele sehen ihn bereits als Chinas mächtigsten Führer seit Deng Xiaoping.

Nun knöpft sich Xi die größte Armee der Welt vor. Er kündigte den umfassendsten Umbau der Volksbefreiungsarmee seit mehreren Jahrzehnten an. Alle Bereiche der Streitkräfte sollen einer gemeinsamen Führung untergeordnet werden, kündigte Xi bei einem Treffen mit ranghohen Militärführern an.

Das Kommando soll schlanker werden und die Zahl der Militärzonen verringert werden. „Unter der Führung der Partei war unsere Armee zunächst klein, jetzt ist sie groß. Sie war schwach, jetzt ist sie stark. Und sie schreitet von Sieg zu Sieg“, sagte Xi laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua.

Chinas Volksbefreiungsarmee

Die größte Armee der Welt

Mit 2,11 Millionen Soldaten hat China zahlenmäßig die größten Streitkräfte der Welt. Im Notfall können zusätzlich 3,25 Millionen Reservisten mobilisiert werden. Das Oberkommando der Atommacht hat die zentrale Militärkommission und deren Vorsitzender, Staats- und Parteichef Xi Jinping. Seit zwei Jahrzehnten investiert China massiv in die Modernisierung der Streitkräfte. Ziel ist die Fähigkeit, kurzfristige regionale Konflikte gewinnen zu können.

Quelle: dpa

Taiwan im Fokus

Trotz der Entspannung in der Taiwanstraße stehen Vorbereitungen auf eine Rückeroberung der als Teil Chinas betrachteten demokratischen Insel Taiwan im Fokus. Zusätzlich hat die Sicherung umstrittener Inselgruppen und der Schifffahrtswege im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer an Bedeutung gewonnen. Dazu gehört die frühzeitige Störung oder Abwehr einer Intervention durch die USA.

Marine

Chinas Marine erweitert ihren Operationsradius im Pazifik und im Indischen Ozean. Mehr als 60 U-Boote sind im Einsatz. 2013 hat China seinen ersten Flugzeugträger in Betrieb genommen. Nach US-Angaben besitzt China mehr als 1000 Kurzstreckenraketen, eine wachsende Zahl von Mittelstreckenraketen und nuklear bestückbare Interkontinentalraketen, die auch die USA erreichen können.

Luftwaffe

Die Luftwaffe ist die größte in Asien. China entwickelt selber fortschrittliche Jets, die für Radar unsichtbar sein sollen, und modernisiert seine Bomber. Im Weltall weitet China das Netz von Aufklärungssatelliten aus. 2007 hat China auch erstmals als Test einen Satelliten mit einer Mittelstreckenrakete vom Boden aus abgeschossen.

Mit knapp 2,3 Millionen aktiven Soldaten verfügt Chinas Volksbefreiungsarmee über die personell größte Streitmacht der Welt. Die Armee wird von der Militärmission unter dem Vorsitz von Präsident Xi Jinping befehligt.
Jahr für Jahr steigert China seine Ausgaben für die Streitkräfte.

Zwischen 2004 und 2013 stiegen die Aufwendungen nach Schätzungen um 170 Prozent. Damit hat das Land das zweithöchste Militärbudget weltweit, liegt aber weit abgeschlagen hinter den USA.

Die Volksbefreiungsarmee verfügt über die größte Luftwaffe Asiens. Eigene Tarnkappenbomber werden entwickelt. China verfügt über mehr als 60 U-Boote. 2012 stellte die Volksbefreiungsarmee zudem ihren ersten Flugzeugträger in Dienst. Technologisch dürften Chinas Streitkräfte jedoch noch Jahrzehnte von den High-Tech-Streitkräften westlicher Staaten entfernt sein, schätzte das Pentagon in diesem Jahr in einer Analyse.

Noch sind viele Details von Xis Reformplänen für die Streitkräfte unklar. Xi Jinping hatte bei der größten Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik zum 70. Jahrestag über den Sieg gegen Japan im September schon eine Verringerung der Truppe bis Ende 2017 um 300.000 auf knapp zwei Millionen Soldaten angekündigt. Wie viele Militärzonen es künftig geben werde, oder wie die neuen Kommando-Strukturen künftig aussehen sollen, wurde jedoch auch in den neuen Ankündigungen nicht erwähnt.

Und es gibt Widerstände. In einer Serie von Artikeln hatte die Militärzeitung People's Liberation Army Daily davor gewarnt, sich öffentlich gegen die anstehende Reform zu äußern. Die Hongkonger „South China Morning Post“ zitierte jedoch Quellen, nach denen sich Widerstände gegen Xis Pläne formierten. Viele ranghohe Militärs könnten durch die neuen Strukturen an Macht verlieren.

China im Streit mit den Nachbarn

Streitpunkt Aufrüstung

Chinas Aufrüstung wird von den Nachbarländern kritisch verfolgt. Peking streitet über Territorien im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer. Zudem ist das Tauziehen um Nordkoreas Atomwaffenprogramm ein Dauerthema.

Quelle: dpa

Ostchinesisches Meer

Die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten Inseln 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan sind nur unbewohnte Felsen. Angesichts großer Fischbestände und vermuteter Gas- und Ölvorkommen sind sie aber von strategischer Bedeutung. China macht alte Ansprüche auf das heute von Japan verwaltete Territorium geltend. Der Streit flammte 2012 neu auf, als Japans Regierung drei Inseln von privater Hand kaufte. In China gab es heftige japanfeindliche Proteste. Die Fronten sind verhärtet.

Südchinesisches Meer

China streitet mit Vietnam um die Paracel genannten 130 Korallen-Inseln südöstlich von Hainan. Außerdem ringt China mit seinen Nachbarn um die Spratly-Inseln genannten 200 Korallenriffe und Sandbänke, die ganz oder teilweise von Vietnam, Taiwan, den Philippinen, Malaysia und Brunei beansprucht werden. In dem Gebiet an wichtigen Schifffahrtswegen werden Öl- und Gasvorkommen vermutet. Die Philippinen haben 2013 den Seegerichtshof in Den Haag angerufen. Doch erkennt China das Verfahren nicht an.

Nordkorea

Trotz diplomatischer Isolation und Armut im Lande baut Nordkorea eine Atomstreitmacht auf, die als große Bedrohung angesehen wird. Nordkorea hat seit 2006 drei Atomtests durchgeführt. Nach US-Einschätzung ist Nordkorea heute prinzipiell in der Lage, einen Atomsprengkopf für eine Interkontinentalrakete zu bauen. Die Sechser-Gespräche über ein Ende des Atomprogramms mit Nordkorea, China, den USA, Russland, Südkorea und Japan sind seit 2009 eingefroren. Pjöngjang unterstellt den USA eine feindselige Politik.

Chinas Nachbarn beobachten die Aufrüstung der Streitkräfte mit Sorgen. Viele Länder streiten mit der Volksrepublik um Grenzen. Auch die USA haben sich in den Konflikt eingeschaltet. Ende Oktober hatte Washington ein Kriegsschiff in das Südchinesische Meer geschickt.

Der Zerstörer „USS Lassen“ kreuzte in der Nähe mehrerer künstlicher Inseln, die China im Gebiet der von mehreren asiatischen Ländern beanspruchten Spratly-Inseln aufschüttet. Peking verurteilte das Vorgehen als Verletzung der chinesischen Grenzen.

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