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04.01.2007

20:54 Uhr

Chinesisch statt Kyrillisch

„Made in China“ erobert Zentralasien

VonAndreas Hoffbauer

Chinas Investoren umwerben die ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan und Kirgisien wie nie zuvor. Die Wirtschaftsvertreter aus dem Reich der Mitte bauen in den Nachbarstaaten Straßen, Eisenbahnen und Pipelines und sichern sich gleichzeitig wichtige Energiequellen – eine Reise entlang der alten Seidenstraße.

OSH. Auf dem Markt in Osh herrscht Hochbetrieb. Hupend verkeilen sich überladene Autos mit knatternden Dreirädern. „Weg, weg, weg“, brüllen die Lastenträger in den engen Gassen. Ein alter Mann schiebt eine Karre ins Gedränge, voll gepackt mit großen Ballen. „Stoff aus Zhejiang“, ist darauf in chinesischen Schriftzeichen gekritzelt. Mitten im Chaos steht Gulbarchin Salaimankulova und verkauft Socken und Unterwäsche. „Alle unsere Ware kommt aus China“, sagt die 27-jährige Frau.

Im bunten Markttreiben der kirgisischen Stadt Osh sind sie überall – chinesische Marken wie TCL, Haier, Lenovo. „Made in China“ erobert Zentralasien. Osh, schon vor 600 Jahren wichtigster Knotenpunkt an der alten Seidenstraße, ist auch heute größter Umschlagplatz in Asien. Wo früher Seide und Gewürze gehandelt wurden, wird nun um Computer, Bettzeug und Socken gefeilscht.

Aber nicht nur Massenware kommt aus China. Das Reich der Mitte hat in den vergangenen Jahren die Nachbarländer wie Kasachstan, Tadschikistan und Kirgisien immer enger an sich gebunden. Nicht zur Freude der alten „Mutter“ Russland baut China hier Straßen, Eisenbahnen, Wasserkraftwerke und Pipelines. Die zentralasiatischen Staaten haben eine wichtige Korridorfunktion bekommen – für die Energieversorgung, im Kampf gegen Terrorismus und beim Drogenschmuggel.

Dass auch andere Nationen ihren Einfluss geltend machen, zeigen die Flugzeuge der US-Armee, die am Flughafen der kirgisischen Hauptstadt Bishkek in der Abendsonne warten. Indien, Iran, die Türkei und Russland buhlen ebenso um die Kontrolle über die Region. Die EU will unter deutscher Präsidentschaft ebenfalls den Fokus stärker auf Zentralasien richten.

Vor allem das an Rohstoffen reiche Kasachstan wird umworben. In der Ölstadt Alma-Ata arbeitet Craig Steffenson als Regional-Chef der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Für ihn ist das Rennen um den politischen und wirtschaftlichen Einfluss längst gelaufen. „Die Chinesen sind hier überall“, sagt er. Auch in den Top-Hotels der Stadt gehören sie längst zum gewohnten Bild. „Kasachstan wird von chinesischen Investoren geradezu überflutet“, sagt Steffenson. Sie kaufen Tankstellen, Hotels, Restaurants und Ölfelder. Gerade hat sich die Regierung in Peking für 1,9 Milliarden Dollar das Ölfeld Karazhanbas gesichert. Chinas Ölriese CNPC hatte zuvor bereits für 2,4 Milliarden Dollar Petro Kasachstan gekauft.

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