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09.01.2015

12:47 Uhr

Chodorkowski

Ex-Öl-Manager wirft Kreml Hetze vor

Der frühere russische Öl-Manager Michail Chodorkowski hat nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ dem Kreml Hetze gegen ihn vorgeworfen. Der tschetschenische Regierungschef hatte ihn zu seinem „persönlichen Feind“ erklärt.

Kremlkritiker Michail Chodorkowski wirft der russischen Regierung Hetze gegen ihn vor. dpa

Kremlkritiker Michail Chodorkowski wirft der russischen Regierung Hetze gegen ihn vor.

MoskauNach dem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat der frühere russische Öl-Manager Michail Chodorkowski dem Kreml Hetze gegen ihn vorgeworfen. Chodorkowski hatte nach dem vermutlich religiös motivierten Anschlag, bei dem mindestens zwölf Menschen getötet wurden, Medien weltweit aufgerufen, die religionskritischen Karikaturen von „Charlie Hebdo“ nachzudrucken, um ein Zeichen für die Redefreiheit zu setzen.

Daraufhin hatte der kremltreue Chef der muslimisch geprägten Nordkaukasusrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, Chodorkowski zu seinem „persönlichen Feind“ erklärt und indirekt dazu aufgerufen, diesen zu bestrafen. „Die Kreml-Propagandisten versuchen umsonst, Fanatiker auf mich zu hetzen“, schrieb Chodorkowski am Freitag im Internet. „Terroristen können drohen, sie können einem sogar das Leben nehmen. Aber sie können die Gesellschaft nicht der Stimme berauben“, meinte er.

Journalisten und Zeichner als Ziel von Anschlägen

Februar 2013

Der 70 Jahre alte dänische Journalist Lars Hedegaard übersteht in Kopenhagen ein Attentat unverletzt und kann den unbekannten Täter selbst in die Flucht schlagen. Zuvor hatte eine Pistolenkugel den Kopf des Islamkritikers knapp verfehlt.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden.

Mai 2011

Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung „Jyllands-Posten“ zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.

Mai 2010

Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Auf den Zeichner wurde bereits 2007 im Internet von einem El-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar (108.000 Euro) ausgesetzt.

Januar 2010

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, von dem die Mohammed-Karikaturen in „Jyllands-Posten“ stammen, entkommt nur knapp einem Attentat. Bereits 2008 hatten die dänischen Behörden Mordpläne gegen ihn aufgedeckt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

November 2004

Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer.

Chodorkowski gilt als Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Von 2003 bis 2013 saß er aufgrund einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis. Die Strafe war international als politisch motiviert kritisiert worden. Seit seiner überraschenden Begnadigung lebt der 51-Jährige in der Schweiz.

Von

dpa

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