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22.12.2013

19:18 Uhr

Chodorkowskis Pressekonferenz

Sanftmut statt Rachsucht

Michail Chodorkowski tritt nach zehn Jahren hinter Gittern vor die Weltpresse. Viele erwarten eine Abrechnung mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Doch es kommen ganz andere Töne.

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BerlinDa steht er nun, der Mann, der nach eigenem Gefühl eben noch auf einer Gefängnispritsche in einem russischen Straflager schlief, oben an der Grenze zu Finnland. Und jetzt Mauermuseum in Berlin: Blitzlichtgewitter, Geschrei, Kameras überall. Michail Chodorkowski sucht nach Worten, um seine Gefühle zu beschreiben. Nicht leicht, man merkt es ihm an. Hinter Gittern hat der einst reichste Mann Russlands nicht nur sein Ölimperium, sondern auch zehn Jahre seines Lebens verloren.

Dies könnte also der große Tag der Abrechnung mit Wladimir Putin sein, dem Kremlchef, der zu Hause in Russland inzwischen fast allmächtig ist. Viele ahnten Schlimmes, als bekannt wurde, wo Chodorkowskis erste große Pressekonferenz in der Freiheit stattfindet - im Mauermuseum am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie mit all seiner Symbolik, wo Ost und West 1961 kurz vor dem Krieg standen. Doch Worte wie Rache oder Hass kommen ihm nicht über die Lippen.

Stattdessen atmet der 50-Jährige tief durch, richtet sich auf und sagt: „Ich bin erfüllt von tiefer Dankbarkeit.“ Kein Satz, mit dem man hier gerechnet hätte. Dazu lächelt er zu seinen alten Eltern Marina und Boris hinüber, die inmitten der Aufregung still in der ersten Reihe sitzen. Die Krebserkrankung der Mutter war einer der Gründe, warum Putin erlaubte, dass Chodorkowski sein Straflager ein halbes Jahr vor Ende der Haftzeit verlassen durfte.

Nur wenige Stunden ist es her, dass er seine Eltern erstmals in Freiheit wiedersah. Der russische Fernsehsender „Doschd“ zeigte, wie sich Mutter und Sohn mitten im Berliner Vorweihnachtstrubel auf dem Bürgersteig minutenlang umarmen. Immer wieder streichelt er ihr den Rücken. Am Sonntag ist sie es, der Chodorkowski den Blumenstrauß in die Hand drückt, der für ihn vorgesehen war.

Nach dem Straflager wohnt er nun im „Adlon“, dem Luxushotel am Brandenburger Tor, wo er auch früher schon zu Gast war - zuletzt im Herbst 2003, kurz vor seiner Verhaftung. Standardpreis für eine Nacht in seiner Suite namens „Pariser Platz“: 2925 Euro. Nach zehn Jahren Haft und den Prozessen ist er kein Milliardär mehr, aber immer noch schwer reich. Im „Adlon“ trifft er auch seinen ältesten Sohn Pawel wieder, der heute in New York lebt. Seine jetzige Ehefrau Inna und die drei weiteren Kinder sind noch in der Schweiz.

Kommentare (8)

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GuenterCGN

23.12.2013, 08:26 Uhr


Was für ein Trubel!!

Würde dieser Mensch nicht, inzwischen ja nur noch "schwerreich", statt "Milliardär" sein, würden sich die Politiker und auch die Medien nicht im geringsten für "Chodorkowski" interessieren!!!

Chodorkowski ist menschlich dabei geblieben und hat an die Politiker appelliert, dass sie auch an die vielen zu Unrecht inhaftierten Strafgefangenen in Russland denken sollen, was wahrscheinlich von unseren Politikern eher überhört wird!!

Der Bericht hier im HB macht deutlich, wo bei es bei der Person ankommt:

Neuer Anzug
Hotel Adlon "Suite 2.595 EUR" pro Nacht
"Chodorkowski" sieht gut aus, trotz 10 Jahre Haft

Ziemlich armselig!!

Account gelöscht!

23.12.2013, 10:20 Uhr


Zitat : Sanftmut statt Rachsucht

- welche Rachsucht wird in der Situation von den ahnungslosen Mainstreams hier aufgebauscht ?

Chodorkowski ist vom Putin begnadigt und aus dem Land verbannt worden !

Außerdem wird sich Chodorkowski bei seiner "Begnadigung" mit Sicherheit verpflichtet haben, keinerlei "Politische Aktivtäten " zu unternehmen.

Wie der Man selbst gesagt hat, hat man ihn nachts geweckt und gesagt, es geht Heim. Als er vom Hubschrauber in die Deutsche Cesna gewechselt hat, hat man ihm gesagt, dass seine Heimat jetzt Berlin sei.

Die Hilfe von Genscher und Konsorten beschränkte sich auf die Beschaffung von Visums für die Deutsche Cessna-Crew in Russland ( die duften OHNE Visum nach Russland einfliegen ),

für Chodorkowski in Deutschland ( der musste das Land sofort verlassen und hatte seinen Reisepass erst im Hubschrauber erhalten )

und für die Organisation des Transportes selbst.

Chodorkowski wird jetzt im Exil leben und unsere dämliche Politklasse wird sich damit rühmen,
wie sie einen kriminellen Oligarchen aus Putins Klauen befreit hat. Lachnummer !

RumpelstilzchenA

23.12.2013, 10:26 Uhr

Chodorkowski ist ein Wirtschaftsverbrecher mit Beziehungen zur westlichen politischen Mafiabande. Genscher begrüßt Cho..(?). Ich bin froh, dass die FDP nicht gewählt worden ist.
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