Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2011

17:37 Uhr

Christine Lagarde

Die Französin macht sich bereit für den IWF-Chefsessel

VonHolger Alich

Christine Lagarde ist Anwältin. Mit Gesetzen kennt sich Frankreichs Finanzministerin und Favoritin für den IWF-Spitzenjob also aus. Dennoch scheint sie ein lockeres Verhältnis zu Regelwerken zu haben.

Ihre Nationalität ist ihr Handicap: Christine Lagarde. Quelle: Reuters

Ihre Nationalität ist ihr Handicap: Christine Lagarde.

ParisSo gab Christine Lagarde im vergangenen Dezember gegenüber dem „Wall Street Journal“ unumwunden zu, dass bei der Rettung Griechenlands die Euro-Zonen-Staaten ganz bewusst ihr eigenes Regelwerk missachtet hätten. „Wir verletzten alle Regeln, weil wir einig auftreten und wirklich die Euro-Zone retten wollten", sagte sie damals. „Der Vertrag von Lissabon war eindeutig. Keine Rettungsaktionen“. Aber zu der „Übertretung“ des Lissabon-Vertrages habe es keine Alternative gegeben. Rund sechs Monate später steht Griechenland wieder vor dem finanziellen Abgrund. Und trotz ihrer bemerkenswerten Äußerungen scheint die Französin nach wie vor beste Chancen zu haben, die nächste Chefin des Internationalen Währungsfonds zu werden. Vermutlich lösten ihre Äußerungen im Dezember deshalb kein größeres Medienecho aus, weil sie in die Weihnachtszeit fielen.

Heute scheinen die Äußerungen vergessen. Und glaubt man Frankreichs Noch-Finanzministerin, dann glich ihre Werbetour für ihre Kandidatur einer Serie von Besuchen bei lieben Bekannten. In Indien zum Beispiel traf sie mit Finanzminister Pranab Mukherjee einen „Freund“, in China hatte sie mit dem dortigen Notenbank-Chef Zhou Xiaochuan eine „einvernehmliche und tiefgehende“ Debatte.

Dennoch haben sich weder Indien noch China dazu durchgerungen, ihre Kandidatur offen zu unterstützen. Die hochgewachsene Politikerin weiß: Ihr größtes Handicap sind nicht ihre Äußerungen zum bewussten Vertragsbruch bei der Eurorettung, sondern ihre Nationalität. In Zeiten, in denen Länder wie Brasilien oder China die Weltwirtschaft am laufen halten, ist es in der Tat kaum mehr zu rechtfertigen, dass eine Europäerin den IWF-Top-Job bekommt, wie es seit rund 50 Jahren üblich ist. Die Bewerbungsfrist für den Posten endet am Freitag um Mitternacht. Der Verwaltungsrat des IWF muss über den neuen Chef bis spätestens 30. Juni entscheiden.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ausnahmeregeln

10.06.2011, 17:47 Uhr

Ausgerechnet Christine Lagarde ins Visier zu nehmen, das wäre früher als Chuzpe durchgegangen.

Inzwischen gehts im IWF darum, ob überhaupt ein Europäer dort die Geschäftsleitung übernimmt.

Steuerzahler

10.06.2011, 18:48 Uhr

Wer bewusst Gesetze bricht und das auch noch öffentlich zugibt (Lagarde zum §125 No-Bailout Klausel) wird belohnt. Nun ja, schon früher hieß es: die Kleinen hängt man auf, die Großen lässt man laufen!

Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Auch mal lesen:
http://www.mmnews.de/index.php/politik/7987-schaeffler-auf-dem-weg-in-die-knechtschaft

Trauriger

10.06.2011, 18:54 Uhr

Ob Legarde, Sarkotz...i, Merkel oder wer auch immer......
Alle korrupt und verlogen......
Und die Menschen ??????????
Schlafen.......schlafen.....schlafen......
Wenn es nicht so traurig wäre........so ein Kino und Schmierenkomödie findet man selten.....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×