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10.04.2006

12:02 Uhr

Christliche Zeitung im Irak

Prügel gegen die Pressefreiheit

VonErwin Decker

Sein Bild hängt als Steckbrief in den Moscheen. Sein Name steht auf Todeslisten der Islamisten. Der stille, kleine Mann ist weder Politiker noch Soldat, noch überhaupt ein wichtiger Mann im Irak. Ramsi Hormus Jakob ist nur Journalist – und Christ.

MOSSUL. Ramsi Hormus Jakob gibt monatlich die einzige unabhängige christliche Zeitung des Landes heraus, „Ninavah Al Hurra“, „Freies Ninive“. Der tägliche Kampf des Chefredakteurs zeigt, wie weit der Irak noch entfernt ist davon, eine freie, multiethnische Gesellschaft zu schaffen.

Wenn Ramsi zur Druckerei fährt, näht er die CD mit den Texten und Fotos für sein Blatt in sein Hemd ein. 20 Kilometer sind es von seinem Dorf in Hamdaniya bis Mossul, der Hauptstadt des kurdischen Nordiraks.

Würde ihn ein islamischer Extremist erkennen, könnte das Ramsis Tod sein. In Zigarettenkartons versteckt, werden die Zeitungen per Taxi aus der Druckerei zu den Verteilstellen gebracht. Einen Karton nimmt der Journalist mit nach Hause.

Wer von den Christen im Irak ein Exemplar der „Ninavah Al Hurra“ in die Hände bekommst, liest es bis auf die letzte Seite. Ramsis Kapital ist seine Glaubwürdigkeit: Er hängt von keinem Geldgeber ab, dessen Sprachrohr er sein muss. Im Irak sind fast alle Zeitungen Propagandamittel für Parteien, Islamisten oder auch die USA. Ramsi hat 20 freie Mitarbeiter, die über den ganzen Irak verteilt leben. Sie arbeiten ohne Honorar.

Auf der ersten Seite der zwölfseitigen Märzausgabe geht es um Attentate und Bombenanschläge gegen die christliche Minderheit im Irak. Darunter steht ein Artikel über die Bildungschancen für Jugendliche. Seite drei berichtet über die Vogelgrippe. Zwei Seiten sind von Frauen für Frauen geschrieben. Im Sport geht es um die Mühen junger Fußballclubs im Nordirak. Kreuzworträtsel und Leserbriefe füllen die letzte Seite.

Nirgendwo wird abfällig über Moslems geschrieben. „Bis vor zwei Jahren“, sagt Chefredakteur Ramsi, „haben wir friedlich mit ihnen zusammengelebt. Es ist für mich unverständlich, dass wir plötzlich als verhasste Ungläubige gelten und man nach unserem Leben trachtet und wir vertrieben werden. Wir wollen nicht mit gleicher Münze zurückzahlen, denn ich bin nach wie vor sicher, dass die meisten Moslems friedliche Menschen sind.“

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