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05.01.2012

10:10 Uhr

Clemens Fuest

„Die Regierung müsste Konten einfrieren“

VonDirk Heilmann

ExklusivTritt Griechenland tatsächlich aus dem Euro aus, würde dies das Land um Jahrzehnte zurückwerfen, warnt Ökonomie-Professor Clemens Fuest im Interview. Ein Austritt aus der EU könnte dann der nächste Schritt sein.

Clemens Fuest ist Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln. Pressefoto

Clemens Fuest ist Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln.

Handelsblatt: Herr Fuest, was würde passieren, wenn Griechenland aus der Währungsunion austräte?

Clemens Fuest: Die Krise in Griechenland würde sich weiter zuspitzen. Die Regierung müsste die Banken schließen und die Konten einfrieren, um die Umstellung auf eine neue Währung zu vollziehen. Die Umstellung könnte so aussehen, dass zunächst einmal Euro-Scheine mit einem Stempel versehen werden und als neue Währung dienen. Die Regierung müsste Kapitalverkehrskontrollen einführen, um zu verhindern, dass die Griechen ihre Ersparnisse außer Landes schaffen.

Was würde eine neue Währung dem Land bringen?

Diese Währung würde massiv gegen den Euro abwerten, sobald sie gehandelt werden dürfte. Damit würde das Land zwar wettbewerbsfähiger, weil die Löhne im Vergleich zum Ausland sänken – aber was helfen niedrigere Löhne, wenn die Institutionen des Landes korrupt und ineffizient bleiben? Die niedrigeren Kosten würden Exporte verbilligen, aber leider hat das Land nicht viele attraktive Exportwaren zu bieten. Die Kostensenkung würde wohl zusätzliche Touristen anlocken, aber kaum internationale Investoren. Ihnen würde Griechenland das fatale Signal geben, dass die Reformpolitik beendet ist. Der Austritt wäre ein halber Abschied aus der Europäischen Union und würde das Land womöglich auf den Stand der sechziger oder siebziger Jahre zurückwerfen.

Und was würde ein Ausstieg Griechenlands für den Rest der Währungsunion bedeuten?

Die große Gefahr ist, dass eine Kettenreaktion entstünde. Die Menschen in anderen Krisenländern könnten Angst bekommen, dass auch ihre Länder aus der Währungsunion austreten. Sie würden dann die Banken stürmen, um ihre Ersparnisse abzuheben. Es drohten Unruhen, gegen die die bisherigen Proteste ein Kinderspiel waren.

Wie ließe sich eine solche Kettenreaktion verhindern?

Die Politik müsste alles versuchen, den Menschen auf der Straße glaubhaft zu machen, dass Griechenland ein Sonderfall ist. Wie schwer das ist, haben wir ja gesehen, als ein Euro-Land nach dem anderen ein Hilfspaket beantragen musste. Die einzige Chance besteht darin, einen solchen Ausstieg in Verhandlungen zwischen Griechenland und den Euro-Partnern zu organisieren und zu klären, wer welche Verluste zu tragen hat. Für die Banken und die EZB wird das auf jeden Fall sehr teuer. Beide hätten hohe Abschreibungen vorzunehmen, und die EZB müsste außerdem klären, was mit den Außenständen Griechenlands im Target-2-Zahlungssystem geschehen soll, die sich auf rund 100 Milliarden Euro belaufen.

Kommentare (10)

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Knut34

05.01.2012, 15:07 Uhr

Dann werden die Griechen eben 20 Jahre zurück geworfen! Es kann doch nicht sein, dass wir jedes Jahr EUR 10.000 pro Griechen überweisen/bürgen!

Wer sich durch Schummeleien eine Verdopplung der Löhne in kurzer Zeit gönnt muß damit rechnen aufzufliegen und wieder dort zu landen wo er her kommt!

peer

05.01.2012, 15:21 Uhr

Gott, was habt Ihr (liebe Medien) uns mal wieder verarscht.

Die Griechen schwimmen in Öl

Das ist bekannt, seit Wehrmachtszeiten. von Deutschen entdeckt und danach von den freundlichen amerikaner abkopiert unhd sicher als Verschlusssache gehalten.

C.Meyer

05.01.2012, 16:40 Uhr

Rückfall in die siebziger Jahre? Ich habe in den siebziger Jahren oft und gerne Urlaub in Griechenland gemacht noch während der Militärdiktatur und ebenfalls danach. Unglückliche und verarmte Menschen habe ich nicht gesehen. Ich glaube nicht wenige Griechen wären zufrieden, wenn sie Verhältnisse hätten wie in den siebziger Jahre, womit selbstverständlich nicht die Militätdiktatur gemeint ist.

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