Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2013

18:58 Uhr

Co-Chef der Deutschen Bank

Sparerabgabe in Zypern verschreckt Investoren

Anshu Jain warnt vor den aktuellen Entwicklungen in Zypern. Investoren fürchteten, dass mit den Rettungsmaßnahmen ein Präzedenzfall geschaffen werde. Eine Zerschlagung großer Banken sei nicht die Lösung in der Krise.

Der Co-Chef Deutschen Bank, Anshu Jain, bei der Finanzplatztagung Frankfurt. dpa

Der Co-Chef Deutschen Bank, Anshu Jain, bei der Finanzplatztagung Frankfurt.

FrankfurtDie Beteiligung von Sparern am Rettungspaket für Zypern birgt nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, Risiken. Das Modell sei zwar wahrscheinlich keine Blaupause für andere EU-Staaten, sagte Jain am Dienstag bei einer Finanzplatztagung in Frankfurt.

Doch es schaffe einen „Präzedenzfall“: Der Rahmen für die Beteiligung von Gläubigern an Rettungsmaßnahmen werde in einer Weise erweitert, „der die Stimmung von Investoren negativ beeinflussen könnte, sollten andere Peripheriestaaten in Schwierigkeiten geraten“. Erstmals in der Euro-Schuldenkrise sollen Sparer im Falle Zyperns per Zwangsabgabe direkt an den Milliardenkosten beteiligt werden.

Insgesamt hat sich das wirtschaftliche Umfeld nach Jains Einschätzung in den vergangenen Monaten spürbar verbessert. „Die im vergangenen Sommer vorherrschenden grundlegenden Zweifel über die Zukunft der Eurozone sind geschwunden“ - unter anderem dank der Zusage der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro um jeden Preis zu retten.

Die wichtigsten Frage und Antworten zu Zypern

Wie viel Geld wird Zypern erhalten?

Bis zu zehn Milliarden Euro will die Euro-Gruppe überweisen. Ursprünglich war eine Summe von 17,5 Milliarden Euro genannt worden.

Woher kommt das Geld?

Aus dem Euro-Krisenfonds ESM. Im Gegenzug muss Zypern Auflagen einhalten. Wie bei früheren Rettungsaktionen beteiligt sich auch der Internationale Währungsfonds IWF. „Der genaue Betrag steht noch nicht fest“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde bei dem Sondertreffen in Brüssel. Bislang hat der IWF meist ein Drittel gestemmt.

Welche Rolle spielt Russland?

Das Land macht erstmals bei einer internationalen Rettungsaktion für ein Euro-Land mit. Dabei geht es um einen Kredit von 2,5 Milliarden Euro, den Moskau Zypern 2011 gewährt hatte. „Die russische Regierung ist bereit, die Laufzeit des Darlehens zu verlängern und die Zinsen zu senken“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Über genaue Zahlen werde noch gesprochen. „Der Beitrag wird nicht sehr hoch sein, wir müssen realistisch sein, aber es wird ihn geben“, sagte Dijsselbloem. Der Grund für das russische Interesse: Die Insel im Mittelmeer ist bei reichen Russen beliebt. Russische Oligarchen haben Milliardensummen auf Konten im aufgeblähten Bankensektor Zyperns gebracht.

Welche Auflagen muss Zypern erfüllen?

Seit langem halten sich Vorwürfe, Zypern locke mit niedrigen Firmensteuern und einer lockeren Finanzaufsicht Schwarzgeld an. Zypern bestreitet dies. Doch die Bundesregierung hatte ihre Beteiligung an der Hilfe von Maßnahmen gegen Geldwäsche abhängig gemacht. Nun hat man sich geeinigt, dass ein privates Unternehmen die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Maßnahmen überprüft - dies ist bereits angelaufen. Außerdem hat sich Zypern zu Reformen verpflichtet: Die niedrige Körperschaftsteuer soll von 10 auf 12,5 Prozent steigen. Die zyprische Regierung muss Staatsfirmen privatisieren. Zudem muss der völlig überdimensionierte Bankensektor schrumpfen.

Werden auch private Kontoinhaber herangezogen?

Ja. „Wir fanden es gerechtfertigt, um die Lasten zu teilen“, sagt der Eurogruppen-Chef. EU-Kommissar Rehn betonte: „Diese Gebühr gilt für ansässige wie auch für ausländische Kontoinhaber.“ Nun sollen Sparer mit Einlagen von mehr als 100 000 Euro eine einmalige Abgabe von 9,9 Prozent zahlen. Unterhalb dieser Schwelle fallen 6,75 Prozent an. Insgesamt soll allein diese Abgabe nach Dijsselbloems Worten 5,8 Milliarden Euro einbringen. Die Forderung nach einer Abgabe auf große Sparguthaben kam vor allem aus Deutschland.

Wie wird das in der Praxis funktionieren?

Der Betrag der Abgabe werde ab sofort auf den Konten eingefroren, erläuterte Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Am Montag sind die Banken auf Zypern wegen eines Feiertages geschlossen. Bis Dienstag steht der Zahlungsverkehr weitgehend still. Noch an diesem Wochenende soll das zyprische Parlament ein Gesetz erlassen. „Ich nehme an, (..) dass die Abgabe aufgelegt werden kann, bevor die Banken am Dienstag normal wieder öffnen“, sagte Asmussen.

Was wird von der Regierung Zyperns erwartet?

Nikosia muss die Kredite zurückzahlen – der Zinssatz ist noch offen. Dieser dürfte ähnlich günstig sein wie für die anderen Hilfsempfänger Griechenland, Irland und Portugal sowie die spanischen Banken. Details werden im April festgelegt. Die Regierung trägt die Verantwortung dafür und muss eine Vereinbarung („Memorandum of Understanding“) unterzeichnen, die die Summe, Konditionen und Auflagen festlegt. Der Bundestag sowie mehrere andere nationale Parlamente müssen das Hilfspaket billigen.

Was bedeutet das für den deutschen Steuerzahler?

Erst einmal gar nichts. Zypern erhält keinen Zuschuss, sondern Kredite aus dem bestehen Krisenfonds ESM, die das Land zurückzahlen muss. Erst wenn Nikosia zahlungsunfähig würde und seine Kredite nicht mehr bedienen könnte, würden die deutschen Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Natürlich gebe es noch Risiken, stellte der Investmentbanker fest, der den Dax-Konzern seit Juni 2012 gemeinsam mit Jürgen Fitschen führt. „Aber insgesamt - für Europa und global gesehen - ist das Bild deutlich positiver als vor einem Jahr.“

Jain warnte erneut, eine Zerschlagung großer Banken sei nicht die richtige Antwort auf die Krise. „Wir sind fest davon überzeugt, dass Europas Universalbanken ihren Beitrag zu Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten können“, betonte Jain. Sollten die in Europa kursierenden Pläne zur Trennung von risikoreichem Kapitalmarktgeschäft und klassischem Einlagen-/Kreditgeschäft umgesetzt werden, könnte das nach Überzeugung des Managers hiesige Banken gegenüber der internationalen Konkurrenz benachteiligen.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Mazi

20.03.2013, 16:15 Uhr

Was hält die Euro-Finanzminister davon ab, die Enteignung von Gläubigern auch in anderen Ländern, z.B. In Deutschland vorzunehmen?

Was passiert mit Liquiditätspositionen von Fonds, Versicherungen, Banken etc.?

Die Kleinanleger in Zypern sind an dem Desaster so schuldig wie die Kleinsparer in Deutschland. Wann wird auch deren Altersversorgung beschlagnahmt?

Wahrscheinlich wird dies dann alternativlos sein, wenn der Staat nicht mehr genügend Geld, hat um die üppigen Politikerpensionen zu bezahlen.

Die zypriotischen Sparer dürfen nicht allein stehen, wir sind sonst die nächsten!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×