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20.01.2011

20:31 Uhr

CO2 Zertifikate

Der Emissionshandel hat ein Leck

VonJürgen Flauger, Thomas Ludwig

Sicherheitslücken beim Handel mit Emissionsrechten: Hackern ist es gelungen, sich CO2-Zertifikate zu ergaunern und diese weiterzuverkaufen. Die EU-Kommission ist alarmiert - und hat den Emissionshandel, ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen den Klimawandel, bis Ende Januar eingestellt.

Die EU-Kommission fordert 14 Staaten auf, ihre Sicherheitslücken beim Handel mit Emissionsrechten zu beheben. Quelle: ap

Die EU-Kommission fordert 14 Staaten auf, ihre Sicherheitslücken beim Handel mit Emissionsrechten zu beheben.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Die Sicherheitsstandards im Handel mit Emissionsrechten genügen in 14 EU-Staaten nicht den Erfordernissen. Deshalb hat die Brüsseler Kommission den europäischen Emissionsrechtehandel (ETS) nach eigenen Angaben bis zum 26. Januar ausgesetzt. Ob er dann wieder starten kann, ist offen: "Es kommt darauf an, wann die Staaten die von Brüssel geforderten Sicherheitsstandards erfüllen", sagte die Sprecherin von Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Hintergrund für das Vorgehen der EU sind Sicherheitslücken bei den nationalen Registrierstellen in den vergangenen zwei Monaten. So haben sich in der jüngsten Zeit Cyber-Attacken gehäuft. Kriminellen ist es dabei gelungen, Verschmutzungsrechte zu ergaunern und sie weiterzuverkaufen. Laut Kommission könnte sich die Zahl der gestohlenen Zertifikate, die pro Stück rund 14 Euro wert sind, auf bis zu zwei Millionen belaufen. Sicher sei, dass in Tschechien europäische Emissionsberechtigungen im Wert von 6,7 Millionen Euro gestohlen worden seien. Auch die ETS-Börsen in Griechenland, Estland, Polen und Österreich hatten den Handel eingestellt.

"Natürlich ist das ein junger Markt, der noch eine Lernkurve durchlebt", sagte ein Sprecher der für den Handel mit Emissionsrechten zuständigen RWE-Tochtergesellschaft. "Aber schwarze Schafe gibt es in jedem Markt. Es kommt darauf an, die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend zu erhöhen." RWE zählt zu Europas größten CO2-Emittenten und ist an den Börsen, an denen die Zertifikate gehandelt werden, aktiv. Neben den betroffenen Unternehmen sind etwa auch Banken und Beratungsgesellschaften am Handel beteiligt. Es handele sich nicht um ein grundsätzliches Problem des Emissionshandels, sagte Tobias Federico von Energy Brainpool.

Deutschland gilt als sicher

Über weitere Länder, die von den Sicherheitslücken betroffen sind, schwieg sich die Kommission gestern aus. Man wolle Kriminellen keine Hinweise geben. Deutschland ist Informationen des Handelsblatts zufolge aber nicht unter den Staaten, denen die EU vorwirft, die Zugangskontrolle zum ETS-System nicht im Griff zu haben.

Kommentare (1)

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Leertasche

21.01.2011, 12:18 Uhr

CO2-ZERTiFiKATE-SCHWiNDEL
Dieser ausgemachte Schwindel der industrie um diese Zertifikate kommt mir eher vor wie der Einbruch in ein öffentlich abgelegenes Klo, um dort die gelagerten Produkte zu entwenden.
Wann hört dieser Politikertaschen füllende Schwindel endlich auf?
Wahrscheinlich in Deutschland erst am Ende einer langen Reihe schon längst aufgewachter Staaten.

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