Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2013

07:15 Uhr

Comeback von Sarkozy

Der Erlöser lässt seine Jünger zappeln

VonThomas Hanke

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist zurück in der politischen Arena. Als Heilsbringer der Konservativen sprach er vor der Führungsriege der UMP – dabei hätte die Partei allen Grund, sauer auf Sarkozy zu sein.

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat in Frankreich immer noch viele Fans. Reuters

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat in Frankreich immer noch viele Fans.

ParisEr hat soviel wie niemand sonst zum Machtverlust der französischen Konservativen beigetragen. Sein Premier François Fillon hätte die Wahl 2012 wohl gewonnen. Doch Nicolas Sarkozys Ego ist groß, größer noch als der Schuldenberg von elf Millionen Euro, den er seiner darbenden Partei UMP nun auch noch aufgehalst hat. Selbstzweifel sind dem Ex-Präsidenten so fremd, dass er bereits fest davon überzeugt ist: Nur er kann die Konservativen 2017 zum Sieg und wieder an die Fleischtöpfe der Regierung führen. Am Montagabend kam er, der noch am 6. Mai 2012 sagte, er werde sich aus der Politik verabschieden und künftig „eine andere Rolle“ spielen, zurück in die politische Arena, mit einer Rede vor dem erweiterten Parteivorstand der UMP.

Journalisten waren nicht zugelassen. Offiziell ging es „nur“ um die staatliche Wahlhilfe, die die UMP erstatten muss. Doch selbstverständlich lieferte der Profi eine knallharte politische Rede ab. Der Mann, der Frankreich allenfalls halbherzig reformierte, die Schulden steigen und die Wettbewerbsfähigkeit sacken ließ, gab sich sorgenvoll – ja, Sarko ist betrübt über die Finanz-, Wirtschafts- und Beschäftigungskrise, die Frankreich durchleidet, aber: „mich beunruhigt eine andere Krise viel mehr, nämlich die Krise der politischen Ideen.“

Im 21. Jahrhundert könne man „nicht mehr mit den Ideologien des 20. Jahrhunderts agieren“, eröffnete der selbsternannte Messias seinen Anhängern. Die müssen sich noch etwas gedulden, bis er wirklich wieder bei ihnen ist, denn gleich zum Anfang seiner Comeback-Rede stellte er klar: „Dies ist nicht mein politisches Comeback.“ Wenn er in die Politik zurückkehre, werde er „zu den Franzosen sprechen, über Frankreich.“ Sarkozys Taktik ist klar: Er stellt sich als Retter der Nation dar, der über den Parteien steht.


Sarko kann nicht ab von seinen alten Taktiken. Im Wahlkampf 2012 vertraute er seinen Getreuen einmal an, warum er sich soviel Zeit lasse, um offiziell seine erneute Kandidatur zu erklären: Er lasse die Wähler zappeln wie eine Braut, die sich nach ihrem Geliebten sehne. Erst wenn sie richtig scharf seien, werde er sich erklären. Nun geben nicht die Wähler, sondern die eigenen Anhänger seine Braut.

Dabei hätte der Mann dazulernen sollen. Denn gerade seine Hinhalte-Taktik hat ihm oder besser seiner Partei die Höchststrafe durch die Wahlkommission beschert: Volle Rückzahlung der elf Millionen an staatlicher Wahlkampfkosten-Erstattung. Sarko war vor wenigen Tagen von der Kommission und anschließend vom Verfassungsrat der Schummelei überführt worden. Er hatte seine Ausgaben für den Wahlkampf 2012 künstlich klein gerechnet.

Während er bereits kräftig durchs Land tourte und für seine Wiederwahl warb, gab er sich noch ganz enthaltsam und wollte partout nicht sagen, ob er denn wirklich wieder kandidiere. Die Wahlkommission und der Verfassungsrat fielen nicht auf den Braut-Trick rein. Die Wähler übrigens auch nicht, wie die Niederlage gegen Francois Hollande zeigte. Sie rechnen die Ausgaben vor seiner offiziellen Erklärung zu den Wahlkampfkosten, die Sarkozy damit fälschlicherweise zu niedrig angesetzt hat.

Nun fehlen elf Millionen Euro im Budget der Partei, die ohnehin schon völlig überschuldet ist. Seine engsten Anhänger – die, die noch zu jung sind, um 2017 selber kandidieren zu können – wollen aus der Not eine Tugend machen und rufen alle UMP-Anhänger zu einem „Sarkothon“ auf. Jeder soll spenden. Wieviel Geld Sarko selber beisteuert, der für jede Rede rund 100.000 Euro kassiert, hat er seinen Parteifreunden noch nicht eröffnet.

Hallo, da bin ich wieder: Nicolas Sarkozy verlässt das UMP-Hauptquartier. AFP

Hallo, da bin ich wieder: Nicolas Sarkozy verlässt das UMP-Hauptquartier.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tabu

09.07.2013, 09:14 Uhr

Er lasse die Wähler zappeln wie eine Braut, die sich nach ihrem Geliebten sehne. Erst wenn sie richtig scharf seien, werde er sich erklären
------------
Das ist Ludenspeak.
Berlusconi ist auch nicht anders..beides kleine
Westentaschen Napoleone.
Ich erwarte an den Spitzen ehrlich gelebte
Seriösität..Muß man leider mit der Lupe suchen
Bosbach ist so einer,der mir grad einfällt.

Account gelöscht!

09.07.2013, 10:40 Uhr

"Erlöser" und "Heilsbringer"? Zunächstmal hat er sich von seinen Wahlkampfschulden erlöst, indem er den Gläubiger Gaddafi überfallen und ermorden ließ. Ein überschätzter kleiner Mann, die nicht die Spur von Napoleons Brillanz hat.

Account gelöscht!

09.07.2013, 11:56 Uhr

Von einem Kriminellen zum Nächsten, ganz wie bei uns.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×