Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2011

15:17 Uhr

Commerzbank-Chef

Blessing will „Euro-Zone nicht wegen Griechenland riskieren“

Deutschlands Privatbanken können sich Finanzhilfen für Pleitekandidat Griechenland durchaus vorstellen. BdB-Geschäftsführer Kemmer erklärte Gesprächbereitschaft. Es gibt aber auch scharfe Kritik am deutschen Vorstoß.

Kritik an Gläubigerbeteiligung: Martin Blessing. Quelle: Reuters

Kritik an Gläubigerbeteiligung: Martin Blessing.

BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing beurteilt eine Beteiligung privater Gläubiger an einer Lösung der Schuldenprobleme Griechenlands skeptisch. „Wir haben es auch mit einer Vertrauensfrage zu tun. Zuletzt hieß es: Bis 2013 wird kein Gläubiger zur Sanierung Griechenlands herangezogen. Das soll nun nicht mehr gelten?“, sagte Blessing der „Welt am Sonntag“ in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview. „Das trägt nicht gerade dazu bei, Vertrauen an den Märkten aufzubauen.“

Der Commerzbank-Chef äußerte sich damit deutlich zurückhaltender als der Bankenverband BdB. Dessen Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer zeigte sich im Deutschlandfunk grundsätzlich offen für den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass die Gläubiger Griechenland durch verlängerte Laufzeiten von Staatsanleihen einen Zahlungsaufschub gewähren sollen. Im Jahr 2013 soll der dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM das Provisorium EFSF ablösen. Von diesem Zeitpunkt an ist eine Beteiligung privater Gläubiger an einer Rettung überschuldeter Länder bereits geplant.

Blessing warnte davor, wegen des verhältnismäßig kleinen Landes die Euro-Zone aufs Spiel zu setzen. „Griechenland macht 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Raums aus. Das relativiert vieles“, sagte der Commerzbank-Chef. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man deswegen den europäischen Integrationsprozess aufgibt. Das wäre eine fatale Entwicklung.“

Isoliert betrachtet, sei eine Umschuldung Griechenlands für ausländische Banken verkraftbar. Wichtig sei jedoch die Frage des Vertrauens an den Märkten. „Die Annahme, dass Staaten besonders sichere Schuldner sind, ist offensichtlich ins Wanken geraten“, sagte Blessing. Staaten könnten sich nur dann verschulden, wenn genug potenzielle Gläubiger das Vertrauen hätten, dass das Geld zurückgezahlt werde. „Dieses Vertrauen darf man nicht verspielen.“

Die Commerzbank hält griechische Staatsanleihen im Umfang von 2,9 Milliarden Euro und ist damit unter deutschen Banken der zweitgrößte Gläubiger Griechenlands nach der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate. Der Bund ist mit einem Anteil von 25 Prozent Hauptaktionär der Commerzbank.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Metro

11.06.2011, 11:40 Uhr

Wird schon. Alles für die Banken, von den Banken, mit den Banken ! Deutschland wird aber schrittweise seinen Schulden-Anteil erhöhen müssen, um nicht aus der Reihe zu tanzen :-)

Account gelöscht!

11.06.2011, 12:05 Uhr

Die Banken werden gern mitmachen, wenn sie 10 Euro hineinstecken und 100 Euro dafür zurückerhalten, das Spiel kann noch lange so weitergehen, man wird sich demnächst um die faulen Greichenbonds wieder schlagen.

Kauder redet von den Griechen und meint die Deutschen! "Solidarität" ist in dem Falle ein vollkommen irreführendes Wort, wer fordert, daß eine Gruppe mit sich selbst solidarisch sein soll, ist ein Demagoge, ein Ideologe, ein Lügner, Vernebeler!

Die Idee der Europäische Union ist an sich eine gute Idee, ein richtiger Ansatz für Frieden, Wohlstand und die Sicherung des Bestandes Europas in einer wirtschaftlich und politisch aggressiver werdenden Welt. Allerdings haben die Ideologen des "Einheitsstaates Europa" mit dem "Einheitsgeld" in ein konkret gefährliches Fahrwasser gebracht, das allen guten und rechtlich akzeptablen Intentionen zu Europa und hinsichtlich einer sinnvollen Einigung schadet:

Wer persönlich noch nie mit einer Ideologie und ihren negativen Folgen für sich selbst konfrontiert war, hat es in der Regel sehr schwer, das Wirken einer Ideologie zu erkennen und sich zu wehren. Daraus erklärt sich auch die "abwartende" Haltung der Mehrzahl der Deutschen, die auch eine des "nicht wirklich Verstehens" der Vorgänge ist! Für viele ist es "wie ein böser Traum"...

Daraus ergibt sich aber die zwangsläufige Erkenntnis: Es geht nicht primär um Zahlungen oder Nicht-Zahlungen für Griechenland bzw. die anderen Schldnerstaaten, bzw. um Transfers, die bei den Banken landen - das sind "nur" die Folgen, die Auswirkungen - sondern es muß um die Bekämpfung derer gehen, die die ideologische Marschrichtung vorgeben und durchpeitschen und die propagandistischen Inhalte vorgeben!

Account gelöscht!

11.06.2011, 12:21 Uhr

Ich möchte eine krasse These formulieren: Wenn die Politiker die Währungsunion nicht mit allen Mitteln durchgesetzt hätten, wäre das Rating Griechenlands niemals dorthin gekommen, wo es vor Ausbruch der Schuldenkrise noch war. Keine Bank der Welt hätte Milliarden in einen Staat gesteckt, der solche desaströse Risiken vorzuweisen hat. Der politische Einheitsgedanke innerhalb der Union sowie ein Wunsch nach wirtschaftlicher Gleichheit haben die Politiker m.E. die fragwürdigen Zahlen Griechenlands zu Beginn der Währungsunion übersehen lassen. DARAUF haben die Banken jedoch vertraut, was in einem politischen Prozess durchaus gerechtfertigt ist. Den Banken nun allein den schwarzen Peter zuschieben zu wollen, gelingt nur durch den Systemmakel amerikanischer CDO Praktiken, die das gesamte System in Verruf gebracht haben.

Und Herrn Schäffler von der FDP kann ich nur fragen, ob er die Grundzusammenhänge von Schuldenschnitt, CDS-Event und einer neuerlichen Finanzkrise überhaupt begreifen kann. Seit wann vertritt die FDP grüne Standpunkte?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×