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04.04.2013

04:41 Uhr

Connecticut nach Massaker

Schärfstes Waffengesetz der USA beschlossen

Nach einem Amoklauf in einer Grundschule hat der US-Bundesstaat Connecticut das strikteste Waffengesetz des Landes beschlossen. Eine Ausnahme: Andere Bundesstaaten gehen in eine andere Richtung.

Der Minderheitsführer des Senats John McKinney aus Fairfield, Connecticut, und der Senatspräsident Donald Williams aus Brooklyn nach der Annahme des striktesten Waffengesetzes des Landes. ap

Der Minderheitsführer des Senats John McKinney aus Fairfield, Connecticut, und der Senatspräsident Donald Williams aus Brooklyn nach der Annahme des striktesten Waffengesetzes des Landes.

Denver/New YorkKnapp vier Monate nach dem blutigen Amoklauf an einer Grundschule in Connecticut hat das Oberhaus des US-Bundesstaats das bisher schärfste Waffengesetz der Vereinigten Staaten beschlossen. Die Mitglieder des Senats stimmten am Mittwoch mit 26 zu 10 für das Gesetz.

Das Abgeordnetenhaus sollte anschließend darüber abstimmen. Gouverneur Dan Malloy wollte es noch am Donnerstag unterzeichnen. Das Gesetz verbietet unter anderem 100 weitere Sturmgewehr-Fabrikate und beschränkt die maximal zulässige Zahl von Patronen pro Magazin auf zehn.

Zudem wird das Mindestalter für Waffenkäufer von 18 auf 21 Jahre angehoben. Auch wird erstmals ein staatliches Register geschaffen, das Menschen mit Vorstrafen wegen Waffendelikten aufführt. Das Gesetz war eingebracht worden, nachdem in dem Ostküstenstaat am 14. Dezember ein 20-Jähriger in einer Grundschule in Newtown 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss, bevor er sich selbst das Leben nahm. Er verwendete dabei ein legal erwerbbares Sturmgewehr, wie es auch vom Militär benutzt wird.

Nach Newtown-Massaker: Neues US-Waffengesetz wird abgeschwächt

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Es sieht schlecht aus für das strengere Waffengesetz, das US-Präsident Barack Obama nach dem Attentat auf eine Grundschule in Connecticut gefordert hat. Das vorgeschlagene Sturmgewehrverbot hat nicht genug Befürworter.

Waffengegner haben seitdem laut für mehr Regulierung gekämpft. Doch in Realität ist dies nicht passiert: Zwar haben fünf Staaten haben im Jahr 2013 sieben Gesetze erlassen, die für mehr Kontrolle sorgen. Doch in der gleichen Zeit haben zehn Staaten siebzehn Gesetze erlassen, die Waffenrestriktionen lockern. Das schreibt das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf das „Law Center to Prevent Gun Violence“.

So sind in Arkansas Waffen in Kirchen und auf Universitätsgeländen neu zugelassen worden. South Dakota erlaubt es Schulvorstehern, Lehrer zu bewaffnen. Angestellten in Tennessee ist es neuerdings erlaubt, Waffen zur Arbeit zu bringen, auch wenn der Arbeitgeber dies untersagt. Kentucky hat den Lizenzierungsprozess für verdeckt getragene Waffen verkürzt.

Amokläufe an amerikanischen Schulen und Universitäten

20. April 1999 - Littleton

Zwei mit Sturmgewehren bewaffnete US-Schüler töten in der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschießen sich die Täter selbst.

21. März 2005 - Minnesota

Ein 16-Jähriger erschießt in einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota zunächst seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin. Anschließend tötet er in der Red Lake High School fünf Schüler, einen Sicherheitsbeamten und eine Lehrerin. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei tötet sich der Junge selbst. Der Teenager war ein Hitler-Bewunderer mit Kontakten zu einer Neonazi-Gruppe.

12. Oktober 2006 - Pennsylvania

Der Fahrer eines Milchwagens erschießt im Bundesstaat Pennsylvania fünf Mädchen in einer Amish-Schule. Der 32-Jährige tötet die Kinder mit Kopfschüssen. Als Polizisten die Schule stürmen, bringt er sich um.

16. April 2007 - Blacksburg

Ein Amokläufer erschießt in der Technischen Universität in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia 32 Studenten und Lehrkräfte. Beim Eintreffen der Polizei nimmt sich der 23 Jahre alte Englischstudent aus Südkorea das Leben.

10. Oktober 2007 - Cleveland

Ein 14-jähriger Schüler läuft in einer technischen Oberschule in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) mit zwei Revolvern Amok. Er verletzt zwei Lehrer und zwei Mitschüler und erschießt sich dann selbst. Der jugendliche Amokläufer habe offenbar aus Zorn über einen Schulverweis zur Waffe gegriffen.

14. Februar 2008 - Illinois

Mitten in einer Vorlesung an der Northern Illinois University rund 100 Kilometer westlich von Chicago erschießt ein 27 Jahre alter Amokläufer am Valentinstag fünf Menschen und tötet sich anschließend selbst. Bis zum Frühjahr 2007 hatte er dort Soziologie studiert. Der offensichtlich psychisch kranke Täter trug auf den Armen Tätowierungen mit Horror-Motiven.

3. April 2012 - Kalifornien

Ein Amokläufer erschießt an einem christlichen Privatcollege in Kalifornien sieben Menschen. Der 43-Jährige ist ein ehemaliger Student in Oakland. Fünf Opfer sterben am selben Tag im Kugelhagel, zwei weitere erliegen später ihren Verletzungen.

Auch national scheint der Kampf für neue Waffengesetze ins Stocken gekommen zu sein. Im US-Kongress wurden Pläne für ein Sturmwaffenverbot begraben, und neue Gesetze für lückenlose Überprüfung von Waffenkäufern stoßen auf Gegenwind. Angesichts dieses Umfelds hat sich US-Präsident Barack Obama erneut direkt an die Bevölkerung gewandt. Seit dem Amoklauf an der Grundschule von Newtown Mitte Dezember seien hunderte Menschen durch Schusswaffen getötet worden, sagte Obama am Mittwoch in einer Rede in Denver im Bundesstaat Colorado. "Jeden Tag, den wir warten, etwas dagegen tun, werden noch mehr Leben durch eine Kugel aus einer Waffe genommen."

Studie: Weniger US-Haushalte mit Waffen

Studie

Weniger US-Haushalte mit Waffen

Gut ein Drittel der US-amerikanischen Haushalte besitzt heute noch Waffen.

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