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27.02.2015

08:09 Uhr

Contra Verlängerung der Griechenland-Hilfen

Die größte Insolvenzverschleppung der Geschichte

VonMarc Friedrich, Matthias Weik

Der Wahnsinn geht weiter: Die EU-Staaten werden Griechenland vor der Pleite retten – wieder einmal. Europa droht damit eine Armutswelle und das Scheitern ihrer Volkswirtschaften, glauben Matthias Weik und Marc Friedrich.

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro. PR

Die Ökonomen Friedrich und Weik

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik sehen keine Zukunft für Griechenland im Euro.

Oops, they did it again: Ein weiteres Mal wird das eigentlich schon bankrotte Griechenland vor der Pleite „gerettet“. In Anbetracht der desolaten wirtschaftlichen Lage ist mittlerweile auch dem Letzten klar, dass wir nicht die Griechen gerettet haben, und nun abermals retten, sondern unsere Banken, welche leichtfertig Geld an Griechenland verliehen haben.

Hätten die Politik und die Bevölkerung in den besagten Ländern der so genannten Rettungspolitik nicht zugestimmt, sähe die unsrige, aber auch die Bankenlandschaft bei unseren Nachbarn in Frankreich, etwas anders aus. Bis dato hat Griechenland von den Euro-Mitgliedsländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 226 Milliarden Euro erhalten.

Jedoch flossen davon lediglich 15 Milliarden in den unmittelbaren Betrieb des Staates, wie beispielsweise in die Gehälter von Staatsangestellten und in Renten. Addiert man die indirekten Staatsausgaben hinzu, kommt man auf 27 Milliarden Euro – ungefähr elf Prozent der Gesamtsumme. 40 Milliarden Euro wurden für Zinszahlungen, 81 Milliarden Euro zur Ablösung fälliger Kredite verwendet und neun Milliarden Euro gingen an den IWF – summa summarum flossen 132 Milliarden Euro allein in den Schuldendienst. Das ist mehr als die Hälfte der Griechenland-Hilfen.

Der Schuldenschnitt 2012 schlug mit knapp 35 Milliarden Euro zu Buche. Weitere 48 Milliarden Euro benötigte das Land, um seine maroden Banken am Leben zu halten. Wie wir sehen, ist das Geld also keinesfalls weg – es hat nur jemand anderes.

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit. Vor der Einführung des Euro wurde uns allen weisgemacht, dass niemand für die Schulden der anderen haften muss. Die CDU hat dies selbst noch auf einen Flyer gedruckt.

Dort stand: „Was Kostet uns der Euro? Muss Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? Ein ganz klares Nein! Der Maastrichter Vertrag verbietet ausdrücklich, dass die EU oder die anderen EU-Partner für Schulden eines Mitgliedstaats haften. Mit dem Stabilitätspakt wird von vorneherein sichergestellt, dass die Nettoneuverschuldung auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt wird. Die Euro-Teilnehmer werden daher auf Dauer ohne Probleme ihren Schuldendienst leisten können. Eine Überschuldung eines Euro-Teilnehmerstaats kann daher von vornherein ausgeschlossen werden.“

Dummerweise brachen ausgerechnet Deutschland und Frankreich als erste die Regeln des Stabilitätspakts, und heute kümmert sich niemand mehr darum. Wofür Regeln, wenn sich keiner daran hält?

Im Juni 2010 musste dann, aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage einiger europäischer Länder, der sogenannte Rettungsschirm EFSF implementiert werden. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bot Finanzminister Wolfgang Schäuble die Wette an, dass der erste Euro-Rettungsschirm (EFSF) verlängert wird.

Kommentare (61)

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Herr Manfred Zimmer

27.02.2015, 08:38 Uhr

Was passiert eigentlich in einem Kreditausschuss, dem der Kreditantrag vorgelegt wird, bei dem der Schuldner erklärt, dass er nicht bereit ist den Kredit wieder vollends zurückzubezahlen? Wer dann noch für die Auszahlung stimmt, macht sich der Untreue schuldig. Es ist nicht nur das Beispiel für den deutschen Bundestag zu dessen heutiger "alternativloser"Abstimmung, sondern es ist auch das Beispiel für die Schuldner Griechenland und die EZB.

Account gelöscht!

27.02.2015, 08:49 Uhr

Es kommt noch sehr viel düsterer für die EU-Deutsche Wirtschaftslage/Standort. Der ESM ist das eine Vernichtungsgesetz unserer EU-Deutschen Volkswirtschaft, das andere viel stärker wirkende Vernichtungsgesetz gegen die EU-Deutsche Volkswirtschaft heißt EEG/Energiewenden/Energieeinsparzwang/Produktionsverbot durch CO2 Klimaglauben. EU-Deutschland wird von linken Gedankengut regiert und der ist gegen jeden Wohlstand, Wertschöpfung und Fortschritt. Das ist das eigentliche Problem. Und Merkel ist bereits zur Ober-Sozialistin/Kommuninstin mutiert mit ihrer EURO und Energiepolitik!

Herr Rudolf Riedl

27.02.2015, 08:57 Uhr

Ein sehr guter ungeschminkter Hb Artikel. Endlich mal einer der die Sache auf den Punkt bringt. Nichts Neues, die AFD sagt dies bereits seit 2 Jahren > nur ein
Grexit über Abwertung und Drachme rettet Griechenland langfristig und bringt das Land wieder auf die Beine.

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