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18.09.2012

14:29 Uhr

Copé oder Fillon?

Das Rennen um Sarkozys Erbe ist eröffnet

Bei Frankreichs Konservativen ist die Parteispitze neu zu besetzen. Wer das Erbe von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy antreten wird, entscheidet sich in einem Zweikampf zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kandidaten.

Jean-François Copé ist bisher UMP-Generalsekretär. Reuters

Jean-François Copé ist bisher UMP-Generalsekretär.

ParisDer Kampf um das Erbe von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist bei den französischen Konservativen voll im Gange. Nun kommt es auch zu dem befürchteten Duell um den Vorsitz der konservativen Partei UMP, über den die Parteibasis im November entscheidet: UMP-Generalsekretär Jean-François Copé und Ex-Premierminister François Fillon zeichneten sich zum Bewerbungsschluss am Dienstag als die einzigen verbliebenen Kandidaten ab. Die beiden liefern sich schon seit Monaten einen erbitterten Machtkampf.

Jean-François Copé: Der ehrgeizige 48-Jährige hat die Eroberung des Elysée-Palastes zu seinem eigentlichen Lebensziel erklärt. Zu dem abgewählten Ex-Präsidenten Sarkozy hat er ein zwiespältiges Verhältnis: Einerseits sind sich beide in ihrem Werdegang und in ihrer Persönlichkeit recht ähnlich, andererseits beargwöhnten und bekämpften sie sich wegen gleicher Ambitionen. Zuletzt schlug sich Copé, der vom rechten UMP-Flügel unterstützt wird, allerdings auf Sarkozys Seite, dem von gemäßigten Konservativen vorgeworfen wird, dass sein Rechtsruck im Wahlkampf die Niederlage verursacht habe.

Der am 5. Mai 1964 in Boulogne-Billancourt bei Paris geborene Copé wuchs in einem großbürgerlichen Umfeld auf. Wie Sarkozy stammt er aus einer jüdischen Einwandererfamilie, die Familie seines Vaters kommt aus Rumänien, die seiner Mutter aus Algerien. Nach Studien an den Elite-Unis Sciences-Po und ENA wurde der Finanzexperte 1995 schon in jungen Jahren Parlamentsabgeordneter und Bürgermeister der Stadt Meaux im Großraum Paris. Zuvor beriet er bereits Präsident Jacques Chirac in Wirtschaftsfragen, ab 2002 übernahm er Aufgaben in der konservativen Regierung unter anderem als Haushaltsminister.

Nach seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2007 versuchte Sarkozy, den aufstrebenden Rivalen kaltzustellen. Copé erhielt kein Ministeramt, sondern wurde als Fraktionschef ins Parlament verbannt. Von dort aus organisierte der für seine harten verbalen Attacken bekannte Vater von vier Kindern aber seine Gegenmacht. Dass der seit 2010 als Generalsekretär die UMP führende Copé nun mit dem bei den Parteianhängern immer noch hoch angesehenen Sarkozy eine Art Allianz gegen seinen Rivalen Fillon einging, dürfte daher eher Taktik sein. Denn den Parteivorsitz will Copé als Machtbasis nutzen, um von dort aus die Präsidentschaftskandidatur 2017 zu erringen.

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