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09.12.2016

09:32 Uhr

Cryan, Ma, Weber gegen Globalisierungskritik

Top-Manager in Alarmstimmung

Die wachsende Globalisierungskritik schockiert führende Wirtschaftsbosse. In einem Brief an die G20-Vertreter bringen sie ihre Sorge zum Ausdruck. Darin plädieren der Deutsche-Bank-Chef & Co. für internationale Lösungen.

Der Chef der Deutschen Bank und weitere Wirtschaftsbosse sind schockiert von der stark wachsenden Globalisierungskritik. dpa

John Cryan

Der Chef der Deutschen Bank und weitere Wirtschaftsbosse sind schockiert von der stark wachsenden Globalisierungskritik.

BerlinDie wachsende Globalisierungskritik rund um den Erdball versetzt die Wirtschaft in den führenden Industrie- und Schwellenländern in Alarmstimmung. „Wir sind zutiefst besorgt über die aktuelle Anti-Globalisierungs-Stimmung, die in vielen Ländern der Welt festzustellen ist“, heißt es in einem Brief von fast vier Dutzend prominenten Wirtschaftsführern aus aller Welt an die Chefvorbereiter (Sherpas) des G20-Gipfels in Hamburg, der Reuters am Freitag vorlag.

Der Widerstand gegen den Abbau von weltweiten Handelshürden und gegen internationale Investitionen werde immer größer. „Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen“, mahnten die Spitzenmanager, die das G20-Wirtschaftsdialogforum Business 20 (B20) repräsentieren. Sie forderten die G20-Regierungen auf, keine neuen Hürden für Handel und Investitionen zu errichten.

Der Brief ist unter anderem unterzeichnet von Deutsche-Bank -Chef John Cryan, dem Chef der Alibaba Group Jack Ma, dem indischen Unternehmer Sunil Bharti Mittal, UBS-Chairman Axel Weber, Nokia-Chef Rajeev Suri und dem deutschen Unternehmer Jürgen Heraeus, der der B20 derzeit vorsitzt.

Anfang kommender Woche treffen sich die G20-Sherpas zu ihrer ersten Sitzung unter deutscher Präsidentschaft in Berlin zusammen. Die G20-Gruppe gilt als das zentrale Abstimmungsforum für die internationale Finanz- und Wirtschaftspolitik.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

In ihrem Brief gestehen die B20-Wirtschaftsführer ein: „Die Globalisierung ist auch verbunden mit großen Herausforderungen.“ Eine wachende Zahl von Menschen und gesellschaftlichen Gruppen empfänden sich als Verlierer des schärferen globalen Wettbewerbs. „Immer mehr Menschen finden es schwierig, mit der sich schnell verändernden Welt klarzukommen.“ Daher müssten die Geschäftswelt und die Regierungen gemeinsam nach Wegen suchen, dem zu begegnen. Im Kern gehe es um mehr Transparenz, Gerechtigkeit und Fairness.

Kommentare (9)

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Herr Caro Schmidt

09.12.2016, 10:41 Uhr

Als eingefleischter Marktwirtschaftler kann ich sagen, dass für mich diese "Kapitalisten" jedes Mitspracherecht in dieser Frage verloren haben! Die "Flüchtlinge" holen, viel versprechen und dann keine einstellen. Die sozialen Kosten auf das Volk abwälzen und selbst nur die Profite kassieren. Inzwischen verstehe ich die Querfront!

Checker- Joe

09.12.2016, 10:53 Uhr

Wir alle haben gelernt, dass "Globalisierung" oder auch "Entbürokratisierung" positive Begriffe sein sollen. Inzwischen haben aber die Menschen die Beobachtung gewonnen, dass damit in erster Linie eine Reduzierung bzw. im Kern Abschaffung von Staatsmacht ist - in Demokratien also Abschaffung von Volksherrschaft.

Dieses Macht-Vakuum wird jedoch umgehend von der "Marktmacht" der - zunehmend im Großkapital zentralisierten - Wirtschaft übernommen. Zu Ende gedacht stünde am Ende dieser Entwicklung eine Konzern-Diktatur.

Wenn man sich die Frechheit von dem Komissions-Anspruch nach Geheim-verhandelten TTIP-Konditionen anschaut, dann erkennt man, wie a) weit diese Entstaatlichung schon gewachsen ist und b) wie eigensüchtig das Kapital hier Regeln zum eigenen Vorteil verfolgt - zum Leidwesen der Menschen.

Gott sei Dank beginnen immer mehr Menschen, hier langsam bewusst zu werden, zu hinterfragen und eine eigene Meinung zu entwickeln.

Ein Staat ist für das Wohl seiner gesamten Gesellschaft - also Bürger und Wirtschaft - hin orientiert. Ein Konzern verfolgt in erster Kinie das Wohl seiner Eigentümer.

Herr Max Marx

09.12.2016, 10:53 Uhr

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