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31.08.2013

10:41 Uhr

Cyber-Attacken

US-Geheimdienst infiziert tausende Computer mit Trojanern

Dass auch westliche Geheimdienste zu Hackern werden können, überrascht Experten nicht. Doch jetzt zeigt ein Zeitungsbericht auf Basis der Unterlagen von Edward Snowden die Dimension der amerikanischen Cyber-Attacken.

Aktionen unter dem Code-Namen „Genie“ (Geist): Die Geheimdienst-Hacker brechen laut Bericht in Computer ein, um Daten abzuschöpfen. Bis Ende dieses Jahres solle im Rahmen von „Genie“ spezielle Software auf mindestens 85.000 strategisch ausgewählten Computern weltweit platziert werden, hieß es. dpa

Aktionen unter dem Code-Namen „Genie“ (Geist): Die Geheimdienst-Hacker brechen laut Bericht in Computer ein, um Daten abzuschöpfen. Bis Ende dieses Jahres solle im Rahmen von „Genie“ spezielle Software auf mindestens 85.000 strategisch ausgewählten Computern weltweit platziert werden, hieß es.

WashingtonDie US-Geheimdienste haben laut einem Bericht der „Washington Post“ Zehntausende Computer weltweit mit Software-Hintertüren versehen, über die sie Zugriff auf Daten oder ganz Netzwerke haben. Bis Ende dieses Jahres soll es demnach mindestens 85 000 solcher präparierten Rechner geben, schrieb die Zeitung am Samstag auf Basis von Unterlagen aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden.

Der Geheimdienst NSA habe aber auch ein System entwickelt, dass Millionen infizierter Computer automatisch kontrollieren könne.

Im Jahr 2011 hätten die amerikanischen Geheimdienste insgesamt 231 Cyberangriffe ausgeführt, hieß es. Die Zahl stehe in einem von Snowden zugespielten Budgetentwurf. Von diesen „offensiven Operationen“ waren laut Budget fast drei Viertel gegen Ziele mit höchster Priorität gerichtet. Nach Angaben ehemaliger Beamter seien darunter Aktionen gegen Ziele in Ländern wie Iran, Russland, China und Nordkorea, schrieb die Zeitung.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Nähere Informationen über diese Angriffe gab es nicht. Die US-Geheimdienste definierten gemäß einer Präsidentendirektive von Oktober 2012 offensive Cyber-Operationen als Manipulation oder Zerstörung von Informationen in Computern oder in Computernetzwerken oder der Rechner und Netzwerke selbst. Die meisten dieser Aktionen hätten unmittelbare Auswirkungen nur auf Daten und Funktionsfähigkeit von Computern des Gegners: Die Verbindungen würden beispielsweise langsamer.

Als bekanntestes Beispiel eines staatlichen Cyberangriffs gilt der Computerwurm Stuxnet, der vor einigen Jahren das iranische Atomprogramm sabotierte. IT-Sicherheitsexperten sind sich sicher, dass hinter Stuxnet westliche Geheimdienste stecken, auch wenn dies nie offiziell bestätigt wurde.

Viel häufiger brechen die Geheimdienst-Hacker dem Bericht zufolge in Computer ein, um Daten abzuschöpfen. Die Aktionen liefen unter dem Code-Namen „Genie“ (Geist). Bis Ende dieses Jahres solle im Rahmen von „Genie“ spezielle Software auf mindestens 85.000 strategisch ausgewählten Computern weltweit platziert werden, hieß es. Diese Software könne zum Beispiel Daten mitschneiden und übermitteln.

Kommentare (14)

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Udo

31.08.2013, 11:04 Uhr

Cyberangriffe durch Veränderung der Internetstrukturen begegnen
Die Briten: Vodafone(GB) zieht sich aus den USA zurück, bekommt 130 Mrd., und will mehr in Netze auch in Europa investieren, z.B Kabel Deutschland 11 Mrd. Der Deal von Kabel BW mit Unitymedia ist geplatzt. Die Briten sind durch ihr Anzapfen von Kabeln und ihrer Zusammenarbeit mit der NSA und Vorratsdatenspeicherung bekannt. Wir sollten verhindern das die Briten vorerst keine Netze in Europa kaufen dürfen, auch wenn sie viel Geld aus dem Deal haben. Zudem sollten Internetdienstleister hier aktiv werden, Errichtung von Rechenzentren. Verstärkt sollte Open Source Software in Anwendung kommen. Verschlüsselung sollte Standard sein.
Der Aufwand für Cyberangriffe würde größer werden.

Account gelöscht!

31.08.2013, 12:00 Uhr

Das sind alles Ablenkungsmanöver vom EURO.
Die Schnüffelei ist doch in Wahrheit nicht nur bekannt gewesen, sondern leider auch völlig legal. Kann man alles nachlesen:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/30/angela-merkel-sagt-nicht-die-wahrheit-ueber-die-deutsche-souveraenitaet/

In Wahrheit wird hier ein Opfer gebracht. Man „opfert“ den unglaublichen Abhörskandal mit zahlreichen internen Haarsträubigkeiten, um in Zeiten des Wahlkampfes ein garantiert spannendes Thema zu haben.
Es soll vom EURO-Thema abgelenkt werden.
Denn wenn es den AfD gelänge, noch mehr Nicht-Wähler zu mobilisieren als bisher, dann wäre die Regierung ernsthaft in Gefahr. Das Gleiche dürfte auch für die sog. Opposition gelten. Auch sie sieht ihre Vorhaben in Gefahr (für den, der es vergessen hat: es sind im Ergebnis die gleichen Vorhaben). Selbst im Ausland beobachtet man längst mit steigendem Interesse die Sache mit der neuen, euroskeptischen Partei.

Denn es sieht so aus, als gelänge der AfD der Einzug in den Bundestag. Je nach der Stimmenverteilung platzt dann die Euro-Rettung - oder auch nicht. Jedenfalls ist es den Alt-Parteien und (mit ihnen im Verbund) den Mainstream-Medien offenbar wert, dies mit allen Mitteln zu verhindern.
Dazu gehört vermutlich auch die angeblich neu entdeckte Schnüffelei durch die USA.
Deshalb wird es bis zum 22. September immer wieder „neue“ Meldungen über die Schnüffelaffaire geben. Da beschäftigen sich dann alle brav mit Themen, die mit den Parteien (fast) nichts zu tun haben und fertig. Der Ärger wird von den Parteien weg hin zu den USA kanalisiert, sehr praktisch.

pro-D

31.08.2013, 12:31 Uhr

Vergessen Sie den ganzen Quatsch, denn wir unterliegen dem Kriegsrecht und MÜSSEN dem Ami unsere Daten gegenüber offen legen.

So doof sich das anhört, aber "eigenständig" werden wir nur durch die EU. Das mag vielen nicht gefallen, aber einen anderen Weg gibt es nicht.

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