Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2011

12:53 Uhr

Cyber-Attacken

USA wollen sich notfalls mit Gewalt wehren

Nach dem chinesischen Hackerangriff auf Google-Postfächer schlägt die US-Regierung schärfere Töne an. Künftigen Cyber-Attacken will das amerikanische Verteidigungsministerium unter Umständen auch mit Gewalt begegnen.

Robert Gates: Der US-Verteidigungsminister will sein Land besser gegen Cyber-Angriffe schützen. Quelle: Reuters

Robert Gates: Der US-Verteidigungsminister will sein Land besser gegen Cyber-Angriffe schützen.

SingapurDie USA wollen Verteidigungsminister Robert Gates zufolge notfalls auch gewaltsam gegen Computer-Hacker vorgehen. „Wir nehmen die Cyber-Bedrohung sehr ernst“, sagte Gates am Samstag in Singapur. Solche Angriffe seien verschiedensten Ursprungs. Sollten sie als kriegerische Handlungen betrachtet werden, seien die USA zum Einsatz von Gewalt bereit, betonte der Verteidigungsminister bei einem Sicherheitstreffen. Schnellstmöglich müssten Regeln aufgestellt werden, um ernste internationale Spannungen zu verhindern. „Die Leute müssen wissen, welches Verhalten tatsächlich eine kriegerische Handlung darstellen könnte.“

Der mit China im Dauerkonflikt liegende US-Internetgigant Google war in den vergangenen Tagen Opfer einer Attacke geworden, bei der Google-Mail-Nutzern durch sogenanntes „Phishing“ Passwörter entlockt werden sollten. Ins Visier geraten waren auch US-Regierungsvertreter und chinesische Menschenrechtler. Laut Google kam der Angriff aus China.   

Die Techniken der Datendiebe

Trojanische Pferde

Eine der gebräuchlichsten Methoden, Daten abzufangen, ist die Einschleusung sogenannter Trojanischer Pferde, meist schlicht Trojaner genannt. Dabei wird eine schädliche Software meist per E-Mail oder über infizierte Webseiten auf dem Computer installiert, die dort Daten – etwa die Kontonummer – meist ohne Wissen des Benutzers abruft und weiterschickt. Trojaner können sich auch in Fotos, Dokumenten oder auf Speichermedien verbergen.

Phishing

Beim sogenannten Phishing versuchen Datendiebe, sich über gefälschte Webseiten Konten- oder Kreditkartennummern, TANs, PINs oder Passwörter der Opfer zu angeln. Häufig bauen sie dafür bis ins Detail den Internetauftritt von Banken, Versicherungen oder anderen Institutionen nach. Danach verschicken sie E-Mails, um Kunden per Klick auf einen enthaltenen Link auf die getürkte Seite zu führen. Dabei wird das Opfer aufgefordert, sensible Daten einzugeben, die dann zusammen mit der Identität der Opfer missbraucht werden.

Keylogger

Diese Art von Schadsoftware wandert über ähnliche Wege wie Trojaner in den Computer ein und zeichnet die Tastenanschläge des Benutzers auf, um sie an Datendiebe weiterzuleiten. Diese Tasten-Speichersysteme machen für die Täter Passwörter ersichtlich, selbst wenn die Übermittlung an die passwortgeschützte Webseite verschlüsselt erfolgt.  An öffentlich zugänglichen Computern können Datengangster auch kleine Geräte zwischen Tastatur und Rechner schalten, die dann die Eingaben des Benutzers zeigen und so Daten und Zugänge erschließen lassen.

Klassisches Hacking

Dabei versuchen die Hacker über Programmierattacken in Zentralrechner oder Netzwerke einzudringen. In offenen Netzwerken wie unverschlüsselten WLANs ist dies sehr einfach, in geschützten Bereichen gestaltet sich das schwieriger. Immer wieder hatten solche Angriffe auf Behörden wie die NASA oder das US-Verteidigungsministerium für Schlagzeilen gesorgt. Selbst Industrieanlagen können damit theoretisch lahmgelegt werden, wie die Attacke des Stuxnet-Wurms auf Urananreicherungsanlagen im Iran zeigt.

Zufall und Schlamperei

Zwischenfälle mit sensiblen Daten sind allerdings nicht nur auf professionelle Hacker-Software zurückzuführen, sondern mitunter auch den blanken Zufall oder Unaufmerksamkeit. Dazu zählen auf EC-Karten notierte Geheimzahlen, Haftnotizen mit Passwörtern am Computerbildschirm oder fehlgeleitete Informationen. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren erregte eine Panne der Landesbank Berlin Aufsehen. Zwei Kurierfahrer hatten sich über einen von der LBB verschickten Christstollen hergemacht und dann Etiketten von Päckchen vertauscht, um ihren Mundraub zu vertuschen. Prompt landeten tausende Kreditkartendaten in der Redaktion der „Frankfurter Rundschau“, für die eigentlich die Weihnachtsleckerei gedacht war.

Zwar machten weder Google noch die US-Regierung die chinesische Führung verantwortlich. Doch das Washingtoner Außenministerium forderte die Pekinger Regierung zu Ermittlungen auf. Neben Google waren zuletzt auch der US-Militärriese Lockheed Martin und der japanische Unterhaltungskonzern Sony Opfer von Hacker-Angriffen geworden.  

Gates sagte, dass der Ursprung solcher Attacken schwer zu lokalisieren sei und dass sich die militärischen Beziehungen zwischen den USA und China verbesserten. Er betonte aber auch, dass die USA hinter ihren Verbündeten in Asien stünden. Die militärische Präsenz in Asien werde nicht unter den klammen US-Haushaltskassen oder den sich in die Länge ziehenden Kriegen im Irak und in Afghanistan leiden.  

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.06.2011, 13:58 Uhr

Als der CIA und der Mossad die Atomanlagen im Iran sabotierten, war das natürlich was anderes, gell.
Was Du nicht willst, das man Dir tut, das für auch keinem andern zu.

Weltweit dürfte es keinen Diktator geben, an dessen Händen so viel Blut klebt, als an denen des CIA.
Also Amis, erst mal vor der eigenen Türe kehren und sich nicht wundern, wenn andere die selben Mittel anwenden.

Wenn die Amis schon Regeln (für andere!!) aufstellen, dann sollten sie sich auch selbst daran halten und sie nicht ausschließlich bei anderen einfordern.

Erinnert mich alles an den Sachsen-Sumpf. Dank de Maiziere wurde der Rechtsstaat außer Kraft gesetzt, um nicht seine ganzen Parteigenossen in den Knast, bzw. die Kinderf*cker in die Klapsmühle zu schicken. Und dann noch ein paar Unschuldige in den Knast schicken, u.a. auch mich, um die Rechtstaatlichkeit zu wahren.

So löst man Probleme – denken die!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×