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31.12.2016

08:58 Uhr

Cyber-Konflikt zwischen USA und Russland

Trump und der russische Schlaumeier

VonAxel Postinett

Russland antwortet mit Friedenstauben auf die Ausweisung seiner Diplomaten aus den USA. Damit hat jetzt vor allem einer ein Problem: Donald Trump. Aus der Umarmung des Kreml kann er sich nicht einfach heraus twittern.

Mit provokanten Twitterpostings aus der Hüfte mischt sich Trump immer wieder in die offizielle Außenpolitik ein und düpiert Freunde und Feinde. dpa

Twitter-Account von Donald Trump

Mit provokanten Twitterpostings aus der Hüfte mischt sich Trump immer wieder in die offizielle Außenpolitik ein und düpiert Freunde und Feinde.

San FranciscoEine Massenausweisung von russischen Diplomaten und Geschäftsleuten, Sanktionen gegen Russland wegen angeblicher Cyberattacken zur Beeinflussung der US-Wahlen zugunsten von Donald Trump: Die USA und Russland steuern drei Wochen vor der Machtübergabe an Trump auf den schwersten politischen Konflikt seit Ende der Kuba-Krise im Jahr 1962 zu – könnte man meinen.

Doch Russland antwortet auf die beispiellose Aktion mit einer überraschenden Einladung an amerikanische Diplomatenkinder zur Neujahrsfeier im Kreml. Eine mögliche Ausweisung von US-Diplomaten ist plötzlich kein Thema mehr. Die Botschaft von Wladimir Putin ist klar: Wer ist schon Barack Obama? Wir freuen uns auf Donald Trump.

Obama hätte die Strafaktion gegen Russland auch seinem Nachfolger überlassen können. Doch blieb ihm keine andere Wahl, um Trump daran zu erinnern, was es bedeutet, Präsident der USA zu sein: Nämlich von der ersten bis zur letzten Minute Verantwortung zu tragen. Noch heißt der Präsident Barack Obama – und noch fällt er die Entscheidungen.

Was Trump sich leisten konnte, ohne zu stürzen

Sexistische Aussagen

Trump fällt seit Jahren mit frauenverachtenden Sprüchen auf wie „dicke Schweine“ oder „Schlampen“. Eine Miss Universe verunglimpfte er als „Miss Piggy“, die ordentlich Gewicht zugelegt habe. Nach kritischen Fragen der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly deutete Trump an, sie habe Menstruationsprobleme gehabt.

Der Video-Skandal

In einem Video aus dem Jahr 2005 ist zu hören, wie Trump vulgär über Frauen herzieht. Nur wenige Monate nach seiner Hochzeit mit Ehefrau Melania brüstet er sich mit sexuellen Übergriffen.

Verbal-Angriff auf Familie eines toten Soldaten

Trumps Hetze gegen andere Ethnien scheint kaum Grenzen zu kennen. Ende Juli legte er sich mit den pakistanstämmigen Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten an.

Unklarheiten um Steuererklärung

Seit Monaten weigert sich Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen, obwohl das bei Präsidentschaftskandidaten überparteilicher Usus ist. Auch Hillary Clinton legte ihre Daten offen. Die „New York Times“ berichtete, dass der Geschäftsmann Trump 1995 einen Verlust von 916 Millionen US-Dollar (824 Mio. Euro) ausgewiesen habe. Steuerexperten kamen daraufhin zu dem Schluss, dass Trump auf diese Weise über zwei Jahrzehnte keine Steuern abführen musste.

Drohungen mit Waffengewalt

Mit einer zweideutigen Aussage, die sich als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton verstehen lässt, löste Trump einen Sturm der Entrüstung aus. Bei einem Wahlkampfauftritt deutete er an, dass nur Waffenfreunde Clinton aufhalten könnten.

Was Trump sich noch leistete

Trump verwechselt 9/11 mit 7/11 - Trump macht Anspielung auf die Größe seines Penis - Trump behauptet seit längerem, US-Präsident Barack Obama sei nicht in den USA zur Welt gekommen, sondern in Kenia.

Es war bisher eine ungeschriebene Tradition in den USA, dass sich der kommende Präsident in der kurzen Übergangsfrist bis zu seiner Vereidigung nicht in die Politik des Landes – weder im Inneren noch im Äußeren – einmischt. Er nutzt die Zeit, um seinen Regierungsapparat aufzubauen und für einen reibungslosen Übergang der Macht zu sorgen.

Im Gegenzug versucht der scheidende Präsident, allzu massive Aktionen möglichst zu vermeiden. Ob Bill Clinton oder George W. Bush, Ronald Reagan oder Jimmy Carter – alle hatten es so praktiziert. Denn der Welt sollte klar sein: Amerika spricht mit einer Stimme. Doch seit November 2016 gilt das nicht mehr.

Streit um Hackerangriffe: Putin unterbindet die Liebesgrüße aus Moskau

Streit um Hackerangriffe

Putin unterbindet die Liebesgrüße aus Moskau

Wie du mir, so ich dir: Russlands Außenminister Lawrow wollte die US-Sanktionen wegen der Hackerangriffe mit den gleichen Maßnahmen vergelten. Doch sofort rief ihn sein Chef zurück. Putin setzt auf die Zukunft mit Trump.

Trump hat bislang nicht nur alle anderen Regeln der US-Politik missachtet, sondern auch diese. Mit provokanten bis sinnfreien Twitterpostings aus der Hüfte mischt er sich immer wieder in die offizielle Außenpolitik ein, düpiert Freunde und Feinde, bringt das Verhältnis zu China an den Rand des Gefrierpunktes, setzt sich bei der UN für Israel ein, droht der Weltvereinigung dann unverhohlen, wenn ihm ein Ergebnis nicht passt.

Er postet verklausuliert den Eintritt in ein neues atomares Wettrüsten mit Russland. Eine Beteiligung des Kremls an Cyberattacken weist er dagegen als absurd zurück und verhöhnt die eigenen Geheimdienste, die das behaupten. Sie seien ja schließlich auch diejenigen gewesen, die damals „Massenvernichtungswaffen“ im Irak entdeckt hatten. Die Unterstützung Obamas durch hochrangige Republikaner wie Senator John McCain, die ebenfalls eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe der Cyberspionage fordern, ignoriert er.

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