Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2015

03:06 Uhr

Cyberkriminalität

USA vor größter Datenkatastrophe der Geschichte?

VonAxel Postinett

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit haben Hacker bei der US-Personalbehörde Daten gestohlen. Nun wird Kritik laut, die auf allzu große Sorglosigkeit und ein Versagen der Behörde schließen lässt.

Die Personalverwaltung der US-Regierung ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Opfer einer Cyberattacke geworden. Reuters

Workers arrive at the Office of Personnel Management in Washington

Die Personalverwaltung der US-Regierung ist zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Opfer einer Cyberattacke geworden.

Washington/San FranciscoWas Edward Snowden nicht geschafft hat, besorgt die US-Verwaltung jetzt selbst: Das Ausmaß des Cyberangriffs auf die Personalverwaltung des öffentlichen Dienstes in den USA ist nach Informationen der Nachrichtenagentur AP viel schlimmer als bislang zugegeben. Offenbar sind sicherheitsrelevante Daten gestohlen worden. Die Angst vor Erpressungen, Enttarnungen und gigantischen Betrugsmanövern geht um. Die Landessicherheit scheint gefährdet.
Eigentlich sorgt das Ministerium für Personalverwaltung für Sicherheit und Ordnung. Es überprüft die Lebensläufe von Millionen von Menschen die in öffentlichen Verwaltungen arbeiten wollen auf dunkle Flecken. In Dossiers werden Erkenntnisse von Informanten und Geheimdiensten gespeichert, selbst sensitive Angaben zu Familienangehörigen. Jetzt hat das Amt aber offenbar dafür gesorgt, dass die Daten aller Menschen, die einmal im öffentlichen Bereich gearbeitet haben, jetzt arbeiten oder sich beworben haben, gesammelt in die Hände von Cyberkriminellen gefallen sind. Personalgewerkschaften erheben schwerste Vorwürfe gegen das Office for Personnel Management, das bis 2013 noch nicht mal einen Beauftragen für Datensicherheit gehabt hatte. Alle Dokumente hätten unverschlüsselt im Netzwerk gelegen. Aber es kommt wohl noch schlimmer: Betroffen sind offenbar auch die Datenbanken, die Informationen über die Sicherheitsfreigaben von Mitarbeitern in sensiblen Bereichen wie Militär, Geheimdiensten oder Pentagon speichern. Das berichtet AP unter Berufung auf Informationen mehrerer hochrangiger Offizieller.


Vergangene Woche war ein Einbruch in eine andere Datenbank entdeckt worden, was zu einer Untersuchung der restlichen Systeme geführt habe, so ein Informant. Dabei sei der Einbruch in die Datenbank mit dem Formular „Standard Form 86“ entdeckt worden. Das Ministerium wollte die Berichte am Freitag nicht kommentieren. Obwohl noch keine offiziellen Anschuldigungen erhoben wurden, wird China hinter den Angriffen vermutet.
„Das verrät den Chinesen die Identität von praktisch jedermann, der eine Sicherheitsfreigabe einer US-Behörde bekommen hat“, zeigt sich Joel Brenner entsetzt. Brenner hat früher in der US-Auslandsaufklärung gearbeitet. „Das macht es für diese Menschen praktisch unmöglich“, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP, „als Agent zu arbeiten.“ Noch viel schlimmer: In der Datenbank sind auch Informationen über Kontaktpersonen im Ausland enthalten. „Das ist eine Goldgrube für die Chinesen“, so Brenner, „damit kann man Spione anwerben und enttarnen.“ Weiter kritisiert er: " Daten dieser Brisanz unverschlüsselt im Netz? Das ist peinlich, richtig peinlich. Der Alarmwecker läutet seit 20 Jahren und wir drücken immer wieder die Schlummertaste."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×