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06.06.2014

11:04 Uhr

D-Day

Zeugnisse des Schreckens

VonThomas Hanke

Pause von der Ukraine-Krise: Mit einer Gedenkfeier für die zivilen Opfer in der Normandie haben die Feiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung begonnen. Die Leiden der Zivilisten stehen erstmals im Vordergrund.

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ParisIn der Normandie haben am Freitagmorgen die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten begonnen. Am Mémorial von Caen nahm Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande an einer Feier teil, in deren Mittelpunkt zum ersten Mal die Leiden der Zivilbevölkerung standen. Kurze Zeit später besuchte er gemeinsam mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama den US-Soldatenfriedhof von Colville, auf dem mehr als 9000 amerikanische Soldaten begraben sind.

Bei der Feier in Caen lasen junge Schüler die Berichte von Zeitzeugen vor, die selber die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten und die Kämpfe in der Umgebung erlebt haben. Noch nie wurden bei den Feierlichkeiten zum D-Day in allen Einzelheiten die grausamen Folgen der Bombenabwürfe auf die französischen Städte geschildert, mit denen die Amerikaner die Truppenbewegungen der Wehrmacht behindern wollten.

Die Zivilbevölkerung war kaum vorgewarnt

Bei strahlendem Sonnenschein lasen die Schüler die Zeugnisse des Schreckens vor. „Ein Nachbar war gelähmt in den Trümmern seines brennenden Hauses eingeklemmt und schrie um Hilfe. ‚Holt mich raus, aber kümmert Euch erst um die anderen‘, rief er, ohne zu wissen, dass wir nichts für ihn tun konnten. Eine halbe Stunde später war er bei lebendigem Leibe verbrannt. Etwas weiter entfernt lief der Garagist Capelet zu seinem Haus und wurde sofort von den Flammen verkohlt. Seine Frau verdankt ihr Leben den Deutschen, die ihre brennenden Kleider löschten.“

Die Alliierten hatten die Zivilbevölkerung kaum vorgewarnt. In vielen Fällen wurden Flugblätter abgeworfen, die zum Verlassen der Städte aufforderten, doch wurden die entweder vom Wind abgetrieben oder die Einwohner wussten schlicht nicht, wohin sie fliehen sollten.

Wer konnte, versteckte sich in aufgegebenen unterirdischen Steinbrüchen. Im Anschluss an die Feier sprach Hollande mit Kriegsveteranen, Résistance-Kämpfern, darunter auch Frauen, und Zivilisten, die ihm von ihren Erlebnissen berichteten. Der Präsident, der in Umfragen so unbeliebt ist, entwickelt in solchen Situationen eine überraschende Fähigkeit, sich auf den Einzelnen einzulassen, auf jeden einzugehen, Empathie zu zeigen.

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Anschließend fuhr er nach Colville, wo er mit Obama zusammentraf. Der Präsident und sein Stab flogen aus Sicherheitsgründen in fünf verschiedenen Hubschraubern. Der Soldatenfriedhof liegt auf einer Anhöhe über Omaha Beach, dem Abschnitt, an dem die Amerikaner die höchsten Verluste erlitten. Obama und Hollande hielten beide Reden auf dem mit tausenden amerikanischen und französischen Fähnchen geschmückten Gräberfeld.

Für den Mittag war das Essen der 19 Staats- und Regierungschefs im Schloss von Bénouville geplant, das in der Nähe von Pegasus Bridge liegt. Diese Brücke wurde in der Nacht zum 6. Juni von britischen Soldaten eingenommen. Nach dem Essen könnte es zu einem Gespräch von Obama mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kommen, den Angela Merkel bereits am Vormittag in Deauville getroffen hat. Auch wenn die Erinnerung an die Landung im Vordergrund steht: Das politische Thema des Tages ist die Suche nach einer diplomatischen Lösung für den Ukraine-Konflikt.

Nach dem Essen steht der Höhepunkt der Feierlichkeiten an, direkt am Strand von Ouistreham, wo am 6. Juni die Briten gelandet waren. Ihnen eingegliedert war auch eine französische Kommandoeinheit von 177 Soldaten unter Philippe Kieffer, die sich aus Franzosen zusammensetzte, die nichts mit den Kollaborateuren des Vichy-Regimes zu tun haben wollten und sich in England den Alliierten anschlossen. 

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

06.06.2014, 12:30 Uhr

Von 6 Juni bis 31 August sind es 19860 französische getötete Zivilisten.

Account gelöscht!

06.06.2014, 13:02 Uhr

.... weiß gar nicht, was da zu feiern gibt?!!!

Account gelöscht!

06.06.2014, 13:17 Uhr

70 Jahre ist dieser "Krieg" schon kalt und so wirkt es auch auf viele europäische Bürger...als "Kalter Kaffee".
In diesen 70 Jahren wurden weltweit weiter Kriege im Namen irgendeiner Ideologie geführt. Außer dem "massenhaften Abschlachten und Materialeinsatz" unterscheiden sich die beiden Weltkriege (1+2) von den seit 70 Jahren herrschenden weltweiten Kriegen in keinster Form.
Meiner Meinung nach sollte man auf diesen Gedenk-Propgandaauftritt der Alleierten verzichten und den weltweiten Kriegsopfern an einen gemeinsammen Volkstrauer-Kriegstrauer- oder auch Totentag gedenken.

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