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26.09.2012

11:43 Uhr

Damaskus

Assad-Gegner setzen Armeezentrale in Brand

Die syrischen Rebellen haben gezeigt, dass sie auch im Zentrum der Macht Unterstützer haben. Denn ohne die Hilfe eines Insiders wäre der Sprengstoffanschlag auf das Militärkommando nicht möglich gewesen.

Zwei Explosionen waren im Zentrum von Damaskus am Mittwoch zu hören. AFP

Zwei Explosionen waren im Zentrum von Damaskus am Mittwoch zu hören.

Damaskus/IstanbulVor der Kommandozentrale der syrischen Streitkräfte in Damaskus sind am Mittwoch kurz hintereinander zwei Bomben explodiert. Das Gebäude geriet in Brand. Die staatlichen Medien beharrten darauf, dass kein Offizier verletzt worden sei.

Die Explosionen waren noch in weit entfernten Vierteln zu hören. Augenzeugen berichteten, zwischen den beiden Detonationen seien etwa 15 Minuten vergangen. Anschließend waren Schusswechsel zu hören, was zu Gerüchten über einen möglichen Putschversuch innerhalb des Militärs führte. Mehrere Hauptverkehrsstraßen wurden gesperrt.

Das Gebäude des Militärkommandos liegt neben dem Ummajaden-Platz im Stadtzentrum. Selbst in Friedenszeiten wird der Komplex stets von mehreren Soldaten bewacht.

Sanktionen gegen Syrien

Schwarze Liste für Auslandsreisen

Die EU hat eine schwarze Liste mit Personen und Unternehmen, die das syrische Regime unterstützen und die Gewalt im Land fördern. Wer darauf steht, darf nicht mehr in die EU reisen; außerdem wird seine Vermögen in der EU eingefroren. Für ein Unternehmen bedeutet ein Listenplatz, dass es keine Geschäfte mehr mit der EU machen darf. Am Montag kamen 26 Personen - nach Angaben von Diplomaten handelt es sich dabei um Mitglieder des Militärs oder der syrischen Geheimdienste - und drei neue Unternehmen dazu. Die gesamte Strafliste umfasst damit jetzt 155 Personen und 52 Organisationen oder Unternehmen.

Waffen-Exportverbot

Schon seit Mai 2011 dürfen die Mitgliedstaaten der EU keine Waffen mehr nach Syrien exportieren. Am Montag verschärften die EU-Außenminister das bestehende Waffenembargo. Flugzeuge und Schiffe mit Lieferungen an Syrien müssen jetzt speziell auf Waffenlieferungen kontrolliert werden. Anfang des Jahres war auf Zypern ein Schiff aufgehalten worden, das Munition von Russland nach Syrien bringen sollte.

Beschränktes Handelsembargo

Um die Wirtschaft des Landes zu schwächen, verhängte die EU verschiedene Handelsembargos: So dürfen EU-Staaten zum Beispiel kein Rohöl aus Syrien importieren oder in die Ölindustrie investieren. Auch andere Branchen wollen die Mitgliedstaaten finanziell und technologisch aushungern - wie die Bereiche Telekommunikation, Metalle und Edelsteine, Versicherungen und Banken

Luftverkehr

Nach Angaben des luxemburgischen Außenministers Jean Asselborn hat die EU auch die syrische Fluglinie Syrian Arab Airlines auf die Liste gesetzt. Ein Diplomat erklärte, die Flugzeuge dürften die EU noch überfliegen, dort aber allenfalls eine Notlandung machen.

Luxusartikel

Mit einem Beschluss aus dem April 2012 versuchte die EU dem syrischen Diktator Assad auch das Privatleben schwer zu machen: Sie verhängte eine Art Luxus-Sanktion. Für sich und seine Familie darf er seitdem in der EU unter anderem keine Trüffel, teuren Schuhe, Uhren oder Autos kaufen.

Am Vortag hatten Rebellen bereits einen Anschlag auf eine angebliche Milizen-Zentrale in einem Schulkomplex unweit des Flughafens von Damaskus verübt. Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter wurden am Dienstag landesweit 240 Menschen getötet.

Die Revolutionskomitees berichteten, Regierungstruppen und die Schabiha-Miliz hätten im Damaszener Viertel Al-Asali am Mittwoch mehrere Häuser mutmaßlicher Regimegegner angezündet. Im Viertel Al-Birse seien 16 Angehörige einer Familie von den Regierungstruppen massakriert worden. Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad gehen davon aus, dass seit Beginn ihres Aufstandes im März vergangenen Jahres 30 000 Menschen getötet wurden.

Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, hatte am Dienstag vor der UN-Vollversammlung ein militärisches Eingreifen der arabischen Staaten in Syrien gefordert. Welche Staaten die Soldaten dafür stellen sollten, ließ er offen. Das Golfemirat Katar hat nur eine sehr kleine Armee. Der französische Präsident François Hollande plädierte vor der UN-Vollversammlung für einen Regimewechsel in Syrien. „Das alte Regime hat seinen Platz in der Völkerfamilie für immer verloren. Und es wird nie wieder unter uns sein können. Deshalb würde Frankreich eine provisorische Regierung, die ein neues, freies Syrien repräsentiert, sofort anerkennen, wenn sie sich denn bildet.“

Dramatische Lage in Syrien

Video: Dramatische Lage in Syrien

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Von

dpa

Kommentare (1)

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ulrich1947

26.09.2012, 12:31 Uhr

die welt hatte gestern einen bericht ueber die regulaere syrische armee ,sollte man lesen.wundere mich das so etwas bei der anderen deutschen medien landschaft einschliesslich handels blatt nicht moeglich ist.sollen wir weiterhin verarscht werden?danke!!

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