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25.08.2013

20:28 Uhr

Damaskus verspricht Zugang

UN-Experten dürfen Gasangriff untersuchen

Die syrische Regierung hat den Vereinten Nationen eine „sofortige“ Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes erlaubt. Die Sicherheitslage in dem Gebiet gilt als sehr schlecht.

Die syrische Regierung will UN-Chemiewaffenkontrolleuren Zugang zu den Dörfern gewähren, die am vergangenen Mittwoch mit Giftgas bombardiert worden sein sollen. dpa

Die syrische Regierung will UN-Chemiewaffenkontrolleuren Zugang zu den Dörfern gewähren, die am vergangenen Mittwoch mit Giftgas bombardiert worden sein sollen.

BeirutDie syrische Regierung hat den Vereinten Nationen eine „sofortige“ Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes in der Nähe von Damaskus erlaubt. Eine entsprechende Vereinbarung habe die syrische Regierung am Sonntag während des Besuchs der deutschen UN-Abrüstungsbeauftragten Angela Kane mit der UNO erzielt, erklärte das syrische Außenministerium. Das von dem Schweden Ake Sellström geleitete UN-Inspektorenteam dürfe die Vorwürfe eines Chemiewaffeneinsatzes in der Provinz Damaskus prüfen. Schon am Montag könnte es soweit sein.

Kane war am Samstag in Syrien eingetroffen, um bei der Regierung auf einen freien Zugang der UN-Experten zu dem mutmaßlichen Einsatzort von Chemiewaffen bei Damaskus zu dringen. Das Team um Sellström hält sich bereits seit einigen Tagen in Syrien auf, um den Chemiewaffeneinsatz an anderen Orten im Land zu untersuchen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon habe den Leiter der Gruppe, den schwedischen Professor Åke Sellström, angewiesen, dem Vorfall höchste Priorität zu geben, hieß es in New York. Ban bestätigte, dass Syriens Regierung die „nötige Zusammenarbeit“ zugesagt habe. Dazu gehöre die „Einstellung der Feindseligkeiten an der Stelle des Vorfalls“. Die Opposition hatte zuvor bereits erklärt, sie könne im Rebellengebiet die Sicherheit der Experten gewährleisten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einer wichtigen Vereinbarung in einer dramatischen Lage. „Ich begrüße, dass die Untersuchung jetzt unverzüglich erfolgen soll“, erklärte der FDP-Minister am Sonntag nach einem Telefonat mit Kane.

Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg

23. Juli 2012

Die syrische Regierung bestätigt erstmals, über Chemiewaffen zu verfügen. Sie werde diese nur im Falle einer Militärintervention aus dem Ausland einsetzen, niemals aber gegen Syrer.

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama warnt, der Einsatz von Chemiewaffen in Syrien – oder auch schon Vorbereitungen dafür – bedeuteten das Überschreiten einer „roten Linie“.

3. Dezember 2012

Die NATO und die Vereinigten Staaten drohen mit „einer unmittelbaren internationalen Antwort“, sollten diese Waffen eingesetzt werden. Ein US-Regierungsvertreter spricht von Erkenntnissen, dass die syrische Regierung alle Komponenten bereithält, um das hochtoxische Nervengas Sarin militärisch einzusetzen. Damaskus erklärt: „Sollten wir über solche Waffen verfügen, werden wir diese nicht gegen unser Volk einsetzen.“

19. März 2013

Regierung und Rebellen in Syrien beschuldigen sich gegenseitig, Chemiewaffen genutzt zu haben.

April/Mai 2013

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verkündet am 8. April, Inspekteure stünden bereit, um überall in Syrien den Einsatz geächteter Waffen zu untersuchen. Damaskus will die Inspektion geografisch begrenzen. Am 29. Mai informiert Großbritannien die UNO über neue Verdachtsfälle von Chemiewaffeneinsatz.

Juni 2013

„Das Laborergebnis ist eindeutig: Sarin-Gas wurde gefunden“, berichtet der französische Außenminister Laurent Fabius am 4. Juni, nachdem Proben untersucht wurden, die Zeitungsreporter von „Le Monde“ und eine weitere Quelle aus Syrien mitgebracht hatten. Das Weiße Haus beschuldigt die syrische Regierung neun Tage später, Chemiewaffen, darunter Sarin, eingesetzt zu haben, "eine rote Linie" sei damit überschritten. Moskau findet die Beschuldigungen „wenig überzeugend“ und Damaskus nennt sie „Lügen“.

30. Juni 2013

Die israelische Luftwaffe bombardiert laut Angaben aus US-Regierungskreisen eine Stellung mit Boden-Luft-Raketen und eine militärische Anlage nahe Damaskus. Hintergrund sei die israelische Befürchtung, hochentwickelte Waffen sollten an die libanesische Hisbollah geliefert werden, die auf Seiten der Regierung in Syrien kämpft. Die „New York Times“ berichtet, bei dem Angriff sei das wichtigste Forschungszentrum für biologische und chemische Waffen getroffen worden.

Juli 2013

Der russische UNO-Botschafter berichtet am 9. Juli über Beweise, dass die oppositionellen Rebellen das Nervengas Sarin eingesetzt hätten. Washington kommentiert, „noch keinen Beweis zu kennen, der diese Behauptung stützt“. Die Vereinten Nationen wurden am 23. Juli nach eigenen Angaben über 13 mutmaßliche Angriffe mit Chemiewaffen unterrichtet. UN-Chefinspektor Ake Sellström und die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane erzielen in Damaskus eine Einigung über das weitere Vorgehen: Die Inspektoren sollen sich demnach auf drei Orte konzentrieren, an denen gemäß früheren Anschuldigungen Chemiewaffen eingesetzt worden seien.

August 2013

Die UNO informiert, dass „die syrische Regierung die grundlegenden Modalitäten akzeptiert“ habe, um die Sicherheit und Effizienz der Inspektion zu gewährleisten. Am 19. August beginnen die am Vorabend in Damaskus eingetroffenen UNO-Experten unter größter Geheimhaltung ihre Suche nach Beweisen für den erfolgten Einsatz von chemischen Waffen. Am 21. August werden nach Oppositionsangaben in von Rebellen beherrschten Ortschaften bei Damaskus bis zu 1300 Zivilisten durch Gaseinsätze getötet. Westliche Regierungen fordern, die UNO-Inspektoren im Lande sollten sofort diesen Fall untersuchen.

Bei dem Angriff am Mittwoch sollen nach Behauptung der Rebellen mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen sein. Eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht. Die syrische Regierung weist den Einsatz chemischer Kampfstoffe zurück und beschuldigt stattdessen die Rebellen, Giftgas eingesetzt zu haben. Ärzte ohne Grenzen erklärte, dass in von der Organisation betreuten syrischen Krankenhäusern 3600 Menschen mit Symptomen von Nervengift behandelt worden seien. 355 von ihnen seien gestorben.

Die Regierung hatte es zunächst abgelehnt, eine Fahrt der Inspekteure in den Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija zu erlauben. Daraufhin hatten die USA, Frankreich und Großbritannien den Druck auf das Regime in Damaskus erhöht. Die US-Marine verstärkte ihre Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer. Diplomaten aus den Staaten der sogenannten Kontaktgruppe der Freunde Syriens berieten am Wochenende intensiv über mögliche weitere, auch militärische, Schritte.

UN-Experten in Syrien

Spurensuche nach Giftgas-Angriff

UN-Experten in Syrien: Spurensuche nach Giftgas-Angriff

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Ursprünglich hatte das Regime von Präsident Baschar al-Assad den Inspekteuren, die sich seit einer Woche in Syrien aufhalten, nur die Untersuchung von drei mutmaßlichen Giftgas-Einsätzen in den Provinzen Damaskus-Land, Homs und Aleppo erlaubt. Alle drei Vorfälle liegen schon Monate zurück. Am Sonntag trafen nach Angaben von Aktivisten Hunderte Vertriebene in dem Lager Bab al-Salama an der Grenze zur Türkei ein. Sie sagten, sie hätten ihre Häuser aus Angst vor weiteren Giftgas-Angriffen verlassen.

Die staatlichen syrischen Medien verbreiteten unterdessen Fotos und Erklärungen des Militärs, die belegen sollen, dass die Rebellen im Osten von Damaskus Giftgas eingesetzt hätten und nicht das Regime. Aus dem Außenministerium hieß es nach dem Gespräch Al-Muallims mit Kane: „Al-Muallim hat erklärt, dass Syrien bereit ist, bei dieser Untersuchung mit den Inspekteuren zusammenzuarbeiten, um die Vorwürfe der Terroristen, die Regierungstruppen hätten in Al-Ghuta Al-Scharkija chemische Kampfstoffe benutzt, als Lügen zu entlarven.“

Kommentare (5)

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Steinweg

25.08.2013, 20:42 Uhr

Eine glaubwuerdige Aussage wuerde lauten: Bevor wir den Leuten helfen konnten, mussten wir sie erst unter aufwendigen Sicherheitsmassnahmen dekontaminieren. Denn sonst sind die Helfer selber tot.

Hammer

25.08.2013, 23:02 Uhr

Nach Angaben Russlands sind die Chemiewaffen von den Aufständischen auf die eigenen Bevölkerung abgefeuert worden, um die Weltöffentlichkeit zum Angriff auf Syrien zu ermuntern. Eine solche Taktik wäre nicht das erste mal. Schließlich ist ja bekannt , dass die sog. syrische Opposition Zugang zu Chemiewaffen besitzt. In Lybien lagerten Chemiewaffen, Im Irak wurden /werden sie hergestellt. In der Türkei sind sie auch schon gefunden worden. Und die Bundesregierung liefert Gasmasken! Und was liefert eine deutsch-katarische und eine Saudi-Firma?
Sind wir nicht schon längst im Krieg mit Syrien und verbergen unsere Kriegstreiberei indem wir schamvoll Bürgerkriegsflüchtlinge aufnehmen
Warum veröffentlichen die USA nicht ihre Satellitenbilder, die auf 30cm genau sein sollen? Die Russen haben es getan

schneeflocke

26.08.2013, 02:44 Uhr

@Hammer
Nicht wir sind im Krieg gegen Syrien. Nein es ist eine tollwütige westliche Allianz von Politikern (Kriegstreibern) die mit aller Gewalt einen Krieg gegen Syrien anzetteln wollen. Dieser ist natürlich nur der Auftakt gegen den Iran, um den Herr Netanjahu ja schon seit über zwei Jahren bettelt.
Was wir hier sehen ist nichts anderes wie die Balkanisierung des Mittleren Ostens.
Dabei ist den Politikern die Gefahr eines dritten Weltkriegs wohl bewußt.
Ich denke es ist nichts anderes wie eine Ablenkung von den riesigen Problemen, die Amerika und Europa im Moment mit ihren Finanzen haben.
So ein Krieg wäre doch den Verantwortlichen recht willkommen wenn sie dafür nicht selbst zur Verantwortung gezogen würden. Schließlich sollen wir doch die Banken retten.
Ein wichtiger Punkt ist hier eine Zahl. Diese Zahl ist 2,82%. Das sind die Zinsen die Amerika mittlerweile auf 10jährige Staatsanleihen zahlen muß. Bei dem Schuldenberg den Amerika hat ist dieser Zinsatz eine einzige Katastrophe.
Nach dem Motto "Wenn wir schon pleite sind, dann laßt uns noch schnell unser Haus abbrennen, ach ja und wenn wir schon dabei sind am besten auch gleich noch die ganze Stadt.

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