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11.03.2013

14:15 Uhr

Dank Klimawandel

Grönland wählt und träumt vom Wohlstand

Andere Länder - andere Wahlkampfthemen: Die Grönlander haben vor allem ihr immer schneller schmelzendes Eis im Blick. Der Klimawandel könnte für Wohlstand sorgen - durch die Ausbeutung riesiger Bodenschätze.

Ein Eisberg schmilzt in Kulusuk Bay, im östlichen Grönland. Der Klimawandel schreitet schneller voran als befürchtet. ap

Ein Eisberg schmilzt in Kulusuk Bay, im östlichen Grönland. Der Klimawandel schreitet schneller voran als befürchtet.

Kopenhagen/NuukDas große Wahlkampfthema auf Grönland klingt bizarr: Wie umgehen mit der Aussicht auf mehr Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit dank des Klimawandels? Die Stimmberechtigten unter den 57 000 Bürgern der riesigen Polarinsel entscheiden an diesem Dienstag (12. März) über das neue Parlament in Nuuk. Sie stellen dabei auch die Weichen für den Umgang mit Grönlands gigantischen Bodenschätzen, deren Ausbeutung wegen des Abschmelzens des Eises immer näher rückt.

Kuupik Kleist (54), seit vier Jahren Regierungschef seiner teilautonom zu Dänemark gehörenden Heimat, hat den Weg freigemacht für Tausende von Billigarbeitskräften aus China für ein Erzbergwerk 175 Kilometer nördlich von Nuuk. „Die werden so weit ab von unseren eigenen Siedlungen leben müssen, dass Sie kaum mit ihnen in Berührung kommen können“, beruhigte Kleist in Kopenhagen bange Frager.

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Der Linkssozialist kam 2009 bei einer Protestwahl gegen die alte Politikergarde auf Grönland an die Spitze, die als korrupt verrufen war. Jetzt kann der Ex-Sängerpoet („Grönlands Leonard Cohen“) zwar mit einem ähnlich starken Ergebnis wie den zuletzt 43 Prozent für seine Partei Inuit Ataqatigiit rechnen. Aber die sozialdemokratische Herausforderin Alequa Hammond von Grönlands traditionell führender Partei Siumut lag bei der einzigen überhaupt veröffentlichten Umfrage nur hauchdünn dahinter.

Noch haben die Politiker nur die Hoffnung auf vollere Staatskassen zu bieten. „Es gibt bisher keinen einzigen Investor“, sagte Gram Hossie von der mit chinesischem Kapital operierenden Gesellschaft London Mining der Nachrichtenagentur Ritzau. Knapp zwei Milliarden Euro muss London Mining auftreiben. Gelingt das, sollen 3000 Arbeiter aus China in der Arktiswüste schuften.

Fast täglich kommen aus Kopenhagen mahnende Stimmen, die Grönlander als Nationenwinzling würden sich von den Chinesen überrollen lassen. Auf der Insel unter dem Nordpol kommt das teils als Ausdruck altkolonialer Arroganz an, vor allem aber als schlecht kaschierter Versuch, einen möglichst großen Teil des möglichen Reibachs auf Grönland in dänische Taschen zu lenken.

Noch allerdings steuert Kopenhagen pro Jahr 3,2 Milliarden Kronen (430 Millionen Euro) zum Haushalt bei. „So wie es jetzt ist, könnten wir ohne dieses Geld unseren Lebensstandard bei weitem nicht halten“, gibt auch Kuupik Kleist unumwunden zu.

Von

dpa

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