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06.03.2013

06:55 Uhr

Das sagen die USA

„Gut, dass wir den Diktator los sind“

VonNils Rüdel

Der Tod Hugo Chávez war in den USA das Thema des Abends. Der venezolanische Präsident war ein scharfer Kritiker Amerikas – entsprechend harsch fielen die Reaktionen aus. Es überwiegt die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Hugo Chávez

Venezuelas Präsident tot

Hugo Chávez: Venezuelas Präsident tot

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New YorkDie Nachricht vom Tod des venezonalischen Präsidenten Hugo Chávez war erst wenige Stunden alt, da hatte die US-Politik ihren ersten kleinen Skandal. Der Abgeordnete José Serrano, ein Demokrat aus der Bronx, zog wütende Reaktionen auf sich, nachdem er Chávez bei Twitter als einen „Anführer, der die Nöte der Armen versteht“ gelobt hatte. Die Republikaner reagierten schnell: Es sei „beleidigend“, den „autoritären Herrscher zu loben“, teilte eine Parteisprecherin mit.

Mit Chávez ist am Dienstag einer der lautstärksten USA-Kritiker verstorben, die Verwünschungen des Venezolaners Richtung Washington sind legendär. Die Reaktionen amerikanischer Politiker auf dessen Tod waren entsprechend geprägt von Erleichterung und Hoffnung.

US-Präsident Barack Obama zeigte in einer ersten Reaktion Interesse an konstruktiven Beziehungen zur neuen Regierung. „Während Venezuela ein neues Kapitel in seiner Geschichte beginnt, engagieren sich die Vereinigten Staaten weiter für eine Politik, die demokratische Prinzipien, Rechtsgrundsätze und den Respekt für Menschenrechte unterstützt“, sagte Obama.

Stationen im Leben von Hugo Chavez

Februar 1992

Der noch unbekannte Oberstleutnant Hugo Chávez führt einen Putschversuch gegen den Präsidenten Carlos Andrés Pérez an. Er scheitert und kommt für zwei Jahre ins Gefängnis.

Dezember 1998

Chávez gewinnt die Präsidentenwahl mit deutlicher Mehrheit. Im Februar 1999 übernimmt er mit 44 Jahren als bisher jüngster Präsident das Amt des Staatschefs.

Juli 2000

Chávez wird als Staatspräsident mit absoluter Mehrheit bestätigt. Die Neuwahl war nach dem Inkrafttreten der neuen „Bolivarischen Verfassung“ notwendig geworden.

April 2002

Chávez wird nach blutigen Massenprotesten durch einen Putsch, der von einer militärisch-bürgerlichen Bewegung angeführt wird, gestürzt. Nur zwei Tage später erobert er die Macht zurück.

Februar 2003

Ein im Dezember 2002 begonnener Generalstreik wird nach 63 Tagen von der Oppositionsbewegung beendet, ohne den Rücktritt von Chávez erreicht zu haben.

August 2004

Internationale Wahlbeobachter bestätigen den Sieg des Präsidenten bei einer Volksabstimmung über seinen Verbleib im Amt.

Dezember 2006

Bei der von den wichtigsten Oppositionsparteien boykottierten Parlamentswahl gewinnt die Regierungskoalition alle 167 Sitze in der Nationalversammlung.

Dezember 2006

Chávez wird für eine weitere sechsjährige Amtszeit gewählt. Kritiker werfen ihm einen diktaturähnlichen Regierungsstil vor.

Februar 2009

Bei einem Referendum stimmt die Mehrheit für eine Verfassungsänderung, wodurch alle gewählten Amtsinhaber beliebig oft zur Wiederwahl antreten dürfen.

November 2009

Chávez und Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bekräftigen in Caracas ihre „strategische Allianz“.

Oktober 2012

Chávez setzt sich in der Präsidentenwahl mit gut 55 Prozent der Stimmen durch.

Dezember 2012

Der an Krebs erkrankte Staatspräsident wird am 11. Dezember zum vierten Mal innerhalb von eineinhalb Jahren in Kuba operiert. Im Juni 2011 war bei ihm ein Krebsgeschwür in der Beckengegend gefunden worden.

März 2013

Am 1. März bestätigt Vize-Präsident Nicolás Maduro, dass Chávez erneut mit Chemotherapie behandelt wird. Am 4. März berichtet Informationsminister Erneste Villegas von einen „neuen schweren (Atemwegs-) Infektion“ infolge des geschwächten Immunsystems. Hugo Chávez stirbt am Dienstag im Alter von 58 Jahren.

Es ist die Chance für diplomatisches Tauwetter, doch noch ist unklar, inwieweit eine neue Regierung des ölreichen Landes zu mehr Zusammenarbeit bereit wäre. „Es ist eine heikle Zeit“, sagte Arturo Valenzuela, Ex- Top-Diplomat im US-Außenministerium, der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich denke, dass die USA sehr geduldig sein müssen und nicht zu einem innenpolitischen Spieler werden dürfen, was sich negativ auswirken würde“. Eine allzu offene Einmischung der USA könnte der Opposition schaden.

Chávez war am Dienstagnachmittag Ortszeit einem langen Krebsleiden erlegen. Nach seinem Tod steht das Land nun vor Neuwahlen, die in 30 Tagen stattfinden sollen. Chávez hatte Vizepräsident Nicolás Maduro als Wunschnachfolger präsentiert. Es gilt als sicher, dass Maduro kandidieren will. Wen die Opposition aufstellen wird, steht dagegen noch nicht fest.

Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA sind angespannt, seitdem Chávez seine linke „Revolution“ ausrief und sich als Nachfolger von Kubas Fidel Castro zur Stimme Südamerikas gegen die USA machte. Sein Schulterschluss mit Castro und anderen in Washington wenig geliebten Herrschern wie Irans Präsident Mahmud Ahmadinendschad oder Baschar al-Assad aus Syrien taten ihr Übriges.

Kommentare (47)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 07:37 Uhr

Das große verdienst von Chavez besteht unzweifelhaft darin, die Rohstoffe seines Landes vor den US-Konzernen geschützt zu haben. Die Rohstoffe wurden verkauft, auber nicht um die Taschen den US-Amerikaner zu füllen, sondern auf Kasse der Venezuelaner!
und das ist gut so.

klaefferson

06.03.2013, 07:54 Uhr

die amerikanischen oligarchen sollten,um ihren hintern zu retten,von der konfrontativen auseinandersetzung mit der mehrheit der amerikanischen bevölkerung ablassen

viel zeit bleibt ihnen nicht mehr

Account gelöscht!

06.03.2013, 08:01 Uhr

"Während Chávez den USA imperialistisches Gehabe vorwarf, galt der Venezolaner in Washington vielen als Tyrann, der Wahlen fälscht, die Meinungsfreiheit unterdrückt und billiges Öl dazu benutzt, seine Revolution in andere Länder zu tragen."

Chavez war volksnah, sehr sozial eingestellt und hat viel für sein Land und Leute getan.Darum war er auch so beliebt. Für die USA und "Freunde" passt das natürlich absolut nicht ins Schema. Wer ein Diktator ist bestimmt die USA bzw. der Westen; das geht doch schob seit Jahrzehnten so ... alles ist verdreht; die Guten werden zu den Bösen; Krieg wird uns als Friedensmission verkauft.
Schade, dass es nur so wenige Chavez auf der Welt gibt.

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