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10.04.2014

17:46 Uhr

Das Vereinigte Königreich und die Schotten

Die immerwährende Schlacht

VonMatthias Thibaut

Im September stimmen die Schotten über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich ab. Doch der Kampf der Gegner und Befürworter ist längst entbrannt – und wird immer hitziger. Teil drei unserer Separatisten-Serie.

Die Unabhängigkeit ist für die Schotten fast schon so etwas wie ein historischer Kampf. dpa

Die Unabhängigkeit ist für die Schotten fast schon so etwas wie ein historischer Kampf.

„Katalonien ist meine Heimat. Und Katalonien ist nicht Spanien.“ Pep Guardiola, der Trainer von Bayern München, ist wohl der bekannteste Spanier, der sich für die Abspaltung Katalonien von Spanien einsetzt. Er fordert per Videobotschaft für die Bürgerinitiative Assemblea Nacional Catalana (ANC) „das Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ ein. Doch die Katalanen sind nicht die einzigen, die unabhängig sein wollen: Nicht von Europa, aber von ihrem Land. Handelsblatt Online zeigt, in welchen Ländern es Separatistenbewegungen gibt und warum. Lesen Sie heute Teil drei der Serie von unserem Korrespondenten Matthias Thibaut aus London.

Der Kampf um das schottische Unabhängigkeitsreferendum am 18. September wird zunehmend gereizt. Beschimpfungen per Twitter sind die Regel – etwa auf David Bowie nach seinem Aufruf „Scotland, please stay with us“. Die Nationalisten verfügen über reichlich Geld und eine gut organisierte Armee von „Cybernats“ (Cyber Nationalisten), die im Internet für Dauerpropaganda sorgt.

Die Unabhängigkeitspartei SNP ließ die Zeitung „Scotland on Sunday“ wissen, man arbeite, „egal wie es ausgeht“, an einem „Versöhnungsprogramm“ für die Zeit nach dem Referendum – um eine dauerhafte Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Aber auch dies ist wohl Teil der großen Kampfstrategie sein, mit der Nationalistenchef Alex Salmond und seine Stellvertreterin Nicola Sturgeon seit Jahren auf den großen Tag hinarbeiten.

Schottland will unabhängig werden - warum?

Wirtschaft

Vor den Küsten Schottlands lagert der weitaus überwiegende Teil des britischen Nordseeöls. Aus Förderung und Verarbeitung entstehen Milliarden an Steuereinnahmen, die jetzt nach London fließen. Nur ein Teil davon fließt wieder nach Schottland zurück. Schon in den 1970er Jahren hatte es eine Kampagne gegeben unter dem Motto: „It's Scotlands Oil“.

Soziales

Die Schotten gewähren ihren Bürgern weitaus mehr soziale Leistungen als die Engländer. So sind Zuzahlungen im Gesundheitssystem geringer und Studiengebühren gibt es nicht für Einheimische. Innerhalb Großbritanniens stehen sie dafür als „Subventions-Junkies“ in der Kritik.

Verteidigung

Die Schotten fühlen sich von den Engländern in Sachen Verteidigung unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für viele Schotten ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch die britische Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Nationalstolz

Viele der fünf Millionen Schotten fühlen sich nicht als Briten. Sie haben eigene Nationalmannschaften, etwa im Fußball oder im Rugby. Sie haben eine eigene Flagge und spielen „Scotland the Brave“ oder „Flower of Scotland“ wie ihre Nationalhymne.

Internationale Politik

Der schottischen Regierungspartei SNP schmeckt die Haltung Großbritanniens innerhalb der EU nicht. „Wir wären ein konstruktiver Partner in Europa“, hatte Ministerpräsident Alex Salmond schon gesagt, als die Regierung in Westminster auf Konfrontationskurs zu Europa gegangen war.

Denn in den Umfragen gewinnen die Nationalisten an Boden: Je mehr Droh- und Angstszenarien die „Pro-Unionisten“ entwickeln, desto entschlossener scheinen die Schotten, das Vereinigte Königreich nach 307 Jahren zu verlassen. Eine der jüngsten Umfragen (Panelbase/Wings over Scotland) gab den Nationalisten den bisher höchsten Umfragestand von 41 Prozent. Der Anteil der unionistischen Nein-Stimmen schrumpfte von 52 auf 46 Prozent.

Hartes Geschütz fuhr der ehemalige Nato-Generalsekretär Lord George Robertson, ein Schotte, auf: Er warnte von „kataklysmischen“ Umwälzungen eines schottischen Austritts. Die „Mächte der Dunkelheit“ würden frohlocken, wenn die zweitwichtigste Militärmacht des Westens „zerschlagen und Jahre lang in eine hitzige, komplizierte, schwierige, lähmende Scheidung verwickelt wird“. Robertson warf der SNP ein Doppelspiel vor, wenn sie einerseits den Wiedereintritt eines unabhängigen Schottlands in die Nato verspreche, andererseits mit ihrer radikalen Opposition gegen die in Schottland stationierten britischen Atomwaffen-U Boote Trident „den Nachbarn unilateral entwaffne“.

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