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28.02.2014

04:26 Uhr

Datensicherheit

Briten zapfen Yahoo-Videochat an

VonAxel Postinett

Die Enthüllungen durch Edward Snowden nehmen kein Ende: Der „Guardian“ vermeldet, dass Geheimdienste auch Webcam-Übertragungen mitgeschnitten haben. Betroffen sind demnach Yahoo-Nutzer.

Im Visier von NSA und GCHQ: Wenigstens Yahoo!-Nutzer wurden bei Webcam-Übertragungen ausgespäht. dpa

Im Visier von NSA und GCHQ: Wenigstens Yahoo!-Nutzer wurden bei Webcam-Übertragungen ausgespäht.

LondonDie Enthüllung schlug wie eine Bombe ein im Silicon Valley. Der britische Cyber-Geheimdienst GCHQ hat nach Informationen des "Guardian" über Jahre die Videokonferenzen von Millionen unverdächtiger Menschen mitgeschnitten. Ein Bildschirmfoto alle fünf Minuten, dazu ein Gesichtserkennungsprogramm, um die Videonutzer zu identifizieren. Das Ganze wurde dann in gigantischen Datenbanken gespeichert.

Allein innerhalb von sechs Monaten im Jahr 2008 seien 1,8 Millionen Videogespräche protokolliert worden, vor allem von Yahoo-Nutzern, berichtet der "Guardian". Die britische Sicherheitsbehörde verweigert zu dem Bericht auf Basis von Unterlagen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden eine Stellungnahme. Yahoo ist völlig fassungslos. Wenn der Bericht zutreffe, heißt es in Sunnyvale, wäre „ein völlig neuer Level in der Missachtung der Rechte unserer Nutzer erreicht“. Man habe keinerlei Ahnung von diesen Vorgängen gehabt.

Was die NSA alles kann

Informationen aus dem Internet

Die NSA kann auf verschiedene Weise Informationen aus dem Internet abgreifen. Zum einen werden mit Hilfe des britischen Partnerdienstes GCHQ Datensätze direkt aus Glasfaser-Kabeln abgefischt. Zum anderen sollen sich die Spione in den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren von Google und Yahoo eingeklinkt haben. Nach dem amerikanischen Auslandsspionagegesetz kann die NSA zudem Zugang zu Nutzerinformationen bei Internet-Konzernen beantragen.

Handy-Telefonate abhören

Die NSA kann Handy-Telefonate abhören. Die Verschlüsselung des weit verbreiteten GSM-Standards ist schon seit langem geknackt. Der US-Geheimdienst hat dies wohl auch ausgenutzt, um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu überwachen.

Daten aus Zahlungsdiensten

Die NSA sammelt Daten aus internationalen Zahlungsdiensten. Unter anderem seien die Systeme von Visa und Mastercard betroffen, schrieb der „Spiegel“.

Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren

Die NSA unterwandert die Verschlüsslung von Daten im Internet. Unter anderem wurden dafür Schwachstellen in Verschlüsselungsverfahren eingeschleust.

Aktive Online-Angriffe

Die USA führen auch aktive Online-Angriffe aus, bei denen Spionage- oder Schadsoftware auf Computer von Zielpersonen geladen wird.

Überwachungs-Implantate für Computer

Die NSA hat eine Abteilung, die Überwachungs-Implantaten für Computer, Handys oder andere Technik entwickelt. Dazu gehören zum Beispiel Monitor-Kabel, über die man das Bild von einem Bildschirm abgreifen kann, sowie Bauteile, dank denen der Geheimdienst Zugriff auf Computer ohne Internet-Anschluss bekommt.

Das jüngste Beispiel hemmungsloser Datensammelwut wirft ein Schlaglicht auf die Hilflosigkeit der Internet-Industrie insgesamt und der Unternehmen, die vorgeben, im Web für Sicherheit zu sorgen. Sie können vielleicht klassische Hacker oder Kreditkartendiebe aus den Netzen werfen. Aber Big Brother ist überall, hackt überall und das besser als je zuvor.

„Regierungen, die Viren- und Schadprogramme schreiben. Vor ein paar Jahren war das noch völlig unvorstellbar“, fasst Mikko Hypponen von F-Secure vor mehreren hundert Zuhörern im abgedunkelten Saal 15 des Metreon-Kinos in San Francisco zusammen. Das düstere Ambiente unterstreicht die Endzeitstimmung, die bei der Konferenz Trustycon zu spüren ist. Daran ändert auch das gereichte Popcorn nichts. Der Feind ist einfach übermächtig. Er hat Geld, Macht und schreibt sich die Gesetze, die dann auf seiner Seite sind.

Kommentare (3)

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28.02.2014, 09:43 Uhr

Ich denke an diesem Punkt können wir den Diensten so gut wie alles zutrauen. Insbesondere auch False Flag Operations mit ABC Waffen um einen Militärschlag zu rechtfertigen.

Account gelöscht!

28.02.2014, 10:03 Uhr

Ist YaIM (Yahoo Instant Messenger) wie Skype nicht verschlüsselt oder nutzen die Quellen-TKÜ, aosl so
etwas wie Keylogger?

Account gelöscht!

28.02.2014, 10:30 Uhr

Hab noch nie derartige Messanger benutzt; Kameras in Telefonen und Computern werden auch grundsätzlich abgeklebt bzw. derartige Geräte zukünftig nicht mehr gekauft. Da verzichtet man mittlerweile doch bald auch auf´s Smartphone.

Die Welt ist absolut krank.

Schlimmer und paranoider als die frühere DDR-Stasi.

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