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03.08.2013

03:27 Uhr

Datenspionage

Rösler will IT-Netz in Europa von USA abkoppeln

Enthüllungen über Schnüffelprogramme aus den USA wecken in Wirtschaftsminister Rösler den Wunsch nach einer eigenständigen IT-Struktur. Sie gewähre Datensicherheit - und wirtschaftliche Vorteile für Deutschland.

Von IT-Firmen aus den USA will Philipp Rösler (FDP) die EU unabhängig machen. dpa

Von IT-Firmen aus den USA will Philipp Rösler (FDP) die EU unabhängig machen.

BerlinBundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will als Konsequenz aus der NSA-Datenaffäre langfristig in Europa eigene Internet-Strukturen unabhängig von den USA entwickeln lassen.

"Wir brauchen ergänzend auch eigenständige deutsche und europäische Lösungen und Angebote bei der IT-Infrastruktur", sagte Rösler der "Rheinischen Post". Nur so löse man die Abhängigkeit auf und gewährleiste den sicheren Transport und die sichere Speicherung sensibler Daten.

Ziel sei es, dass Deutschland bei der Entwicklung digitaler Technologien vorne mitspielen könne. Rösler forderte außerdem stärkere Maßnahmen der Wirtschaft gegen Datenspionage. Die amerikanische Regierung habe klar gestellt, dass sie die Daten für die Terrorismusbekämpfung nutze.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

"Unabhängig davon müssen wir dafür sorgen, dass die Anfälligkeit für Wirtschaftsspionage und Datenmissbrauch weiter eingedämmt wird", so Rösler. Nicht nur Privatleute, sondern auch Unternehmen nutzten heute die Server US-amerikanischer Konzerne. Auch bei den mobilen Technologien dominierten US-Unternehmen.

"Europa droht damit die Gefahr, in Abhängigkeiten zu geraten. Hier müssen wir gegensteuern."

Von

rtr

Kommentare (31)

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kraehendienst

03.08.2013, 05:30 Uhr

"Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will als Konsequenz aus der NSA-Datenaffäre langfristig in Europa eigene Internet-Strukturen unabhängig von den USA entwickeln lassen" - Röösi bekommt wohl die youngmanager-Hosen voll dass von ihm als "Promi" zu viel in den USA landet, was er so im Netz treibt. Langfristig...wie will er denn alles abkoppeln von dem nationalen Technoriesen, von dem alles kommt, wo viele Dummies auf Facebook ihr Privatleben posten, dieses Unternehmen IN DEN USA seinen Sitz hat...wie will er denn die Google-Suchmaschine ausschalten, wo noch immer viele ihre Suchbegriffe eingeben dabei würde man mit der Suchmaschine Ecosia den Regenwäldern direkt helfen (www.ecosia.com) und WIE will das Ross denn die Bankenwelt technisch abkoppeln von der ELITE, die den Untergang des EURO ansteuert, was wir in D seit 2004 durch Hartz-VI real erleben, dank Schröder, der nun Steini als letztes Vorbild vor dessen politischem Niedergang und hoffentlich letztem Aufstieg eines regionalen Sparkassendirektors dient: "wir können nicht anders" so Schröder im Wahlkampf 2004. Wenige Jahre später wurde er für Rothschild direkt von diesen engagiert..."weil er ein tolles Netzwerk hat"....:-(
Wie will das Ross diese Vernetzungen ausschalten?? Staubiger Wahlkampf ohne Wirbel.

Account gelöscht!

03.08.2013, 05:51 Uhr

Mir scheint Rössler ist schon abgekoppelt - von der Netzrealität.

kraehendienst

03.08.2013, 06:17 Uhr

Anfügung: außerdem bauen die Amerkaner in diesen heiß-trockenen Sommerwochen ein neues Abhörzentrum ala NSA in Wiesbaden, niemand merkt und registriert es, alle wollen nur abkühlen, klappt wieder wunderbar, mit den Deutschen kann man das so machen.. - bei den "Kollegen" des Bundeskriminalamtes.

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