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08.04.2013

07:22 Uhr

David Cameron

Briten sind keine „schlechten Europäer”

Für viele Briten ist die Europäische Union ein Reizthema – deswegen pocht Premierminister Cameron auf eine Reform der EU. Er hat klare Vorstellungen von der Zukunft der Union und Vorschläge zur Euro-Stabilisierung.

Eins der wichtigsten Themen für den britischen Premier ist die Position des Landes in der EU. ap

Eins der wichtigsten Themen für den britischen Premier ist die Position des Landes in der EU.

BerlinDer britische Premierminister David Cameron hat erneut für eine Reform der Europäischen Union geworben und verlangt dazu Änderungen an den EU-Verträgen. „Ich bin absolut überzeugt davon, dass es notwendig sein wird, die Verträge zu öffnen”, sagte Cameron in einem am Montag veröffentlichten Interview der „Süddeutschen Zeitung” und vier anderen Tageszeitungen. „Wir wollen ein Europa, das aufwacht und diese moderne Welt aus Wettbewerb und Flexibilität erkennt.”

Die EU sei „reif für Reformen”, sagte der Premier, der am 23. Januar mit einer Rede zu Europa einen lange erwarteten Diskussions-Prozess über den Verbleib Großbritanniens in der EU gestartet hatte. „Wir glauben, dass sich die Europäische Union manchmal übernommen hat. Das muss sich ändern.” Zugleich machte Cameron klar, dass er Großbritanniens Platz auch weiterhin in der EU sieht. „Die beste Lösung für unser Land wäre eine Mitgliedschaft in einer reformierten EU.” Cameron will in dieser Woche in verschiedenen europäischen Staaten, auch in Deutschland, für seine Reformpläne werben.

Cameron machte deutlich, dass er neue Verträge schon allein zur Rettung der Euro-Zone für unabdingbar hält. Er betonte, dass eine „erfolgreiche Euro-Zone vor unserer Haustür” im Interesse Großbritanniens sei. Zugleich mahnte er institutionelle Reformen wie eine Bankenunion und eine aktive Zentralbank an, ohne die der Euro nicht funktionieren könne.

Zurückhaltend gab sich Cameron mit Ratschlägen an die Krisenstaaten Südeuropas, verwies allerdings auf ähnliche Probleme mit hohem Defizit und mangelnder Produktivität in Großbritannien. Er denke nicht, dass nun Zeit für einen Kurswechsel weg von der Sparpolitik sei, so Cameron. Mit Leidenschaft verteidigte der Premier die britische Rolle in der EU. Sein Land betreibe keine eigenbrötlerische Politik, sondern sei eine „wichtige europäische Macht”.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Er akzeptiere nicht die Auffassung, dass die Briten „schlechte Europäer” seien. „Wir sind immens positiv für Europa.” Großbritannien hat eine Revision der Kompetenzverteilung zwischen Brüssel und London begonnen und strengt bis 2014 eine Reform der Verträge an. Dabei könnte Cameron das wegen der Währungskrise wachsende europakritische Klima zugutekommen.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Tabu

08.04.2013, 09:06 Uhr

Sein Land sei eine „wichtige europäische Macht”.
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Thatcher zu Kohl,als diese im Schlepptau mit
Mitterand,Kohl zur Aufgabe der D-Mark zwang:
"Nun haben wir euch ein zweites mal besiegt"
Stellt sich die Frage,ob wir Ostdeutschland
wieder hergeben müssen,wenn es zurück zur Mark
geht:-)) Und wer dafür die zwei Billionen
Aufbaukosten übernimmt.
Europa jedenfalls half uns nicht.Die Briten und
Franzosen mal schon garnicht.




bananarepublican

08.04.2013, 09:12 Uhr

„Wir wollen ein Europa, das aufwacht und diese moderne Welt aus Wettbewerb und Flexibilität erkennt.”

Was für ein Gelaber: Die überwiegende numerische Mehrheit der europäischen Bürger empfindet das was der Cameron da als modern bezeichnet schlicht als einen Rückfall in mittelalterliche Zeiten, das nur dazu dient die Pfründe von einigen wenigen auf Kosten dieser Mehrheit zu sichern, zu verteidigen und überdurchschnittlich zu mehren - total entfernt von Ermöglichen von Teilhabe. Ist also einfach schlicht und ergreifend reaktionär,

Dem geht es ausschliessliche um die City sonst gar nichts ...

In dem Artikel von Währungskrise, Schuldenkrise anstatt der auslösenden und weiter anhaltenden Bankenkrise zu reden ist einfach Etikettenschwindel und Ablenkungsmanöver. Diese ist maßgeblich von Großbritanien und den USA mit ihrer Pamperung ihrer Finanzjoggels verschuldet... und hier wollen Sie wie immer den anderen die Bezahlung der Rechnung aufhalsen... und zum Weiterso blasen...

Großbritanien kann in der EU bleiben, aber soll gefälligst sich an die Verträge halten ... ODER austreten. Zum Euro soll Cameron einfach schweigen

Freidenker

08.04.2013, 09:26 Uhr

Was für ein Gelaber: Die überwiegende numerische Mehrheit der europäischen Bürger empfindet das was der Cameron da als modern bezeichnet schlicht als einen Rückfall in mittelalterliche Zeiten, das nur dazu dient die Pfründe von einigen wenigen auf Kosten dieser Mehrheit zu sichern, zu verteidigen und überdurchschnittlich zu mehren - total entfernt von Ermöglichen von Teilhabe. Ist also einfach schlicht und ergreifend reaktionär,...

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Die Installation des Mittelalters oder besser gesagt....eine Refeudalisierung der Welt durch die Reichen, ist längst beschlossene Sache!! Das Fatale daran ist, dass viele geldgierige Menschen da mitmachen.

Man lese dazu auch Krysmanski und andere Intellektuelle, die wahrlich sehr gute Analysen hervor gebracht hatten!!

Cameron will auch nur wie alle Eliten, sich die Privilegien sichern. Die Vormachtstellung in der Hochfinanz. Wir haben bereits den 3. Weltkrieg, wenn man so will.

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