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26.03.2013

07:21 Uhr

David Folkerts-Landau

„Die Gläubiger müssen herangezogen werden“

ExklusivDer Deutsche-Bank-Chefvolkswirt lobt das Zypern-Rettungspaket. Bevor der europäische Steuerzahler einspringt, müssten die Gläubiger von Banken und Staaten herhalten. Die Politik der EZB lehnt Folkerts-Landau dagegen ab.

David Folkerts-Landau ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Reuters

David Folkerts-Landau ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

FrankfurtDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, hat dafür plädiert, bei der Euro-Rettung Gläubiger von Banken und Staaten stärker einzubinden. „Man sollte jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um Marktdisziplin wieder herzustellen“, sagte er dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Die Gläubiger von Banken und Staaten müssen herangezogen werden, bevor der europäische Steuerzahler zu Hilfe gerufen wird“, forderte er.

Dass im Falle Zyperns zunächst Kleinsparer involviert werden sollten, kritisierte Folkerts-Landau deutlich: „Sparer mit Einlagen unter 100.000 Euro hätte man von Anfang an schonen sollen. Das war ein gravierender Fehler, entstanden im Nebel der nächtlichen Verhandlungen.“ Es sollte kein Zweifel daran entstehen, dass garantierte Einlagen sicher und die nationalen Einlagensicherungssysteme in der EU solide sind.

Ausdrücklich lobte Folkerts-Landau die Rolle von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in der Krise. Weidmann sei „eine Stimme der Vernunft“ in einer Zeit, die durch eine noch nie dagewesene monetäre Expansion der Notenbanken der USA, Englands und nun auch Japans geprägt werde. „Wir befinden uns inmitten eines historisch einmaligen geldpolitischen Experiments – und jetzt kommen auch noch stetig lauter werdende Rufe nach fiskalischer Expansion dazu“, sagte Folkerts-Landau. Das sei ein „riskantes Spiel mit dem Wohlstand zukünftiger Generationen“.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), der Sicherung des Euros Vorrang vor der Preisstabilität zu geben, sei „eine legitime politische Entscheidung von demokratisch gewählten Regierungen“, sagte Folkerts-Landau. „Dies respektiere ich zwar, stimme dem aber nicht zu“, sagte er. Diese Entscheidung habe die Anreize für die politischen Entscheidungsträger in den südlichen Krisenländern, die für ein erfolgreiches Bestehen in einer globalisierten Weltwirtschaft notwendigen Reformen durchzusetzen, „entscheidend geschwächt“. Der Reformdruck sei stark gesunken. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ohne den Druck der Finanzmärkte, der durch die EZB neutralisiert worden sei, die unbedingt notwendigen strukturellen Reformen unternommen würden. „Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone wird daher weit unter seinem Potenzial bleiben.“

Kommentare (23)

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Rene

26.03.2013, 07:48 Uhr

Eigentlich sollten die Eigentümer der Banken haften, nicht der Sparer. Oma Lieschen kann doch nicht einschätzen, ob 4% Guthabenszinsen zu viel oder zu wenig sind. Mit dem gleichen Argument kann man in Deutschland enteigenen: Was? 0,5% Guthabenszins. Hättet ihr wissen können, dass das zu hoch ist...Rückblickend ist man immer schlauer...

Account gelöscht!

26.03.2013, 08:18 Uhr

Vergleichen kann man schon. So ist oma Lieschen aus ru ssland ja auch da hingekommen.

pro_Marktwirtschaft

26.03.2013, 08:22 Uhr

100% Zustimmung zu sämtlichen Punkten des Artikels.

Hoffentlich reift auch bei den selbsternannten "Euro-Rettern" irgendwann diese Erkenntnis...

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