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27.01.2010

17:05 Uhr

Davos

Banken-Pläne der USA spalten Finanzbranche

VonDaniel Goffart, Hermann-Josef Knipper, Torsten Riecke

Der Großinvestor George Soros unterstützt den Vorstoß von US-Präsident Barack Obama, die Großbanken zu zerschlagen. Er würde sogar noch einen Schritt weitergehen, sagte der 79-jährige Milliardär zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos. Die Bankenbranche gerät in der Defensive.

Großinvestor George Soros in Davos. Reuters

Großinvestor George Soros in Davos.

DAVOS. Auch reine Investmentbanken seien immer noch ein Systemrisiko: „Investmentbanken sind immer noch too big to fail“, kritisierte Soros. Weil sich kein Staat ihr Scheitern leisten könne, sei es notwendig, ihren Kreditspielraum mit höheren Kapitalanforderungen und Sicherheiten zu begrenzen. „Das alte System hat versagt“, sagte Soros. „Deshalb brauchen wir ein neues System.“

Obama hatte angekündigt, den riskanten Eigenhandel der Institute zu verbieten. Zudem sollen die Häuser keine Hedgefonds mehr fördern oder besitzen dürfen. Die britische Regierung hingegen fordert eine einmalige Sondersteuer auf Banker-Boni über 25 000 Pfund. Die Re-Regulierung, das Zurückdrehen der Deregulierung aus den Zeiten vor der Finanzkrise, ist eines der zentralen Themen in Davos.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy unterstützt die Pläne von US-Präsident Barack Obama zur Aufspaltung der Grossbanken. "Der Bankier sollte Kreditrisiken bewerten und nicht Spekulant sein sagte Sarkozy gestern auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Ich stimme Präsident Obama zu, wenn er die Banken dazu bringen will, die Spekulation von dem Kreditgeschäft abzukoppeln".

Sarkozy forderte von der Finanzwirtschaft die Bereitschaft zur "totalen Veränderung". Überzogene Gehälter und die Trennung von Profit und Risiko würden von der Weltbevölkerung nicht mehr akzeptiert, warnte Sarkozy. "Es ist moralisch inakzeptabel, wenn Arbeitsplätze und Wohlstand zerstört werden und es für die Verantwortlichen ohne Konsequenzen bleibt." Bei Verlusten müsse es statt Boni ein Malussystem geben.

Sarkozy machte vor allem die globalen Ungleichgewichte und die falsche Bewertung einiger Währungen für die Krise verantwortlich. Wenn Frankreich 2011 den Vorsitz bei den G-8 und den G-20 habe, werde er die Reform des Weltwährungssystems auf die Tagesordnung setzen.

Zwar verteidigen Branchenvertreter wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann offiziell den Status quo, doch hinter vorgehaltener Hand sehen selbst führende Banker keine Alternative zu einem neuen Regulierungssystem. Auch die Vertreter der Zentralbanken stehen meist auf Obamas Seite.

Die Banker finden sich in Davos in der Defensive wieder. Sie führen Rückzugsgefechte und warnen vor allem vor nationalen Alleingängen. „Am Ende könnten wir alle die Verlierer sein, wenn wir keine effizienten Märkte mehr haben“, sagte Ackermann. Der Manager warnte vor einem unabgestimmten Vorgehen: „Wenn jedes Land dieser Welt eigene Vorschriften erlässt, schafft das mehr Komplexität, und die Aufsicht über Finanzinstitute wird erschwert.“

Beschränkungen des Bankgeschäfts führten in die Irre, da sie nur die Gefahr erhöhten, dass manche Anbieter in unregulierte Kapitalmärkte flüchteten. Dadurch sei am Ende die gesamte Weltwirtschaft gefährdet. Widerstand gegen Obama kam auch von Finanzprofis: „Wir mögen Großbanken, weil sie unsere Kundenwünsche erfüllen“, sagte Jonathan Nelson, Chef der Private-Equity-Firma Providence: „Großbanken sind nicht unbedingt für die systemischen Risiken verantwortlich.“ Barclays-Chef Bob Diamond kritisierte, die Vorstöße in den USA und auch in Großbritannien könnten internationale Lösungen behindern. Beide Länder schielten vor den Wahlen zu sehr auf die Innenpolitik.

Kommentare (6)

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Edwin

27.01.2010, 18:46 Uhr

Jaaaaaaaa....wir brauchen ein neues System !
Ein weltweites unter Kontrolle der Hochfinanz.
Und natürlich ein begrenztes - mit Edelmetallhintergrund !
Damit sind sie bestens eingedeckt.
Und der betrug geht weiter......

benedikt der 17.

27.01.2010, 19:56 Uhr

das neue regulierungs-system wird in der EU doch bereits ansatzweise praktiziert, nämlich die begrenzung der neuverschuldung aller mitgliedsstaaten auf maximal 3%. damit ergeben sich automatisch begrenzte kreditvolumina für die betroffenen banken und alle in dieser kette folgenden teilnehmer an der weltwirtschaft......doch leider ist diese sinnvolle regulierung nicht ausreichend kontrollierbar.....eine frage von ethik und moral.......

Manfred Harry

27.01.2010, 20:04 Uhr

Es längst überfällig; die eher negative Epoche, die der mehr als zweifelhafte Ökonom Milton Friedman nach dem 11. Sept. 1974 unter Pinochet in Chile einläutete und dann global ausbreitete und die 'Keynesianer' durch 'Chicago boys' ersetzt wurden, sollte nun bald ein Ende haben.

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