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28.01.2010

09:28 Uhr

Davos

„China verhält sich wie die USA vor 20 Jahren“

VonChristoph Hardt

ExklusivDie Bill & Melinda-Gates-Stiftung fördert weltweit Gesundheits- und Bildungsprojekte. Ende September 2009 verwaltete sie ein Vermögen von rund 35 Mrd. Dollar. Anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos sprach das Handelsblatt mit dem Microsoft-Gründer – über Entwicklungshilfe in Zeiten der Krise und die schwierige Rolle Chinas dabei.

Bill Gates ist zuversichtlich, dass sich die amerikanische Wirtschaft wieder erholen wird. ap

Bill Gates ist zuversichtlich, dass sich die amerikanische Wirtschaft wieder erholen wird.

Handelsblatt: Wie sehr leidet Ihre Stiftung unter der Krise?

Bill Gates: Wir haben etwa 20 Prozent unseres Vermögens verloren, aber das haben wir in diesem Jahr wieder hereingeholt. Insofern bin ich zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft auch in Amerika erholen wird. Wir sehen sogar eine wachsende Bereitschaft zu helfen. Ich hoffe auch, dass sich das Thema Staatsverschuldung nicht auf die Entwicklungshilfe-Programme auswirken wird.

Es gibt inzwischen viele Kritiker, die sagen, Ihre Stiftung ist zu reich, hat zu großen Einfluss.

Wir reden offen über unsere Erfolge und unsere Misserfolge, aber wenn unsere erfolgreichen Projekte Unterstützung erhalten, ist das einfach gut. Insgesamt finde ich es bestechend, dass heute jährlich 21 Mrd. Dollar in Gesundheitsprogramme fließen. Das ist eine gewaltige Steigerung, vor zehn Jahren waren es nur fünf Mrd Dollar.

Wie hoch ist Ihr Anteil daran?

Wir geben etwa 1,6 Mrd. Dollar, das sind etwa acht Prozent.

Das lässt die Kritiker trotzdem nicht verstummen.

Ich bleibe dabei: An unseren Erfolgen teilzuhaben, etwa in der Malariabekämpfung, ist eine gute Sache. Natürlich gibt es Experten, die sagen, ihr müsst weniger Geld in die Aidsbekämpfung und mehr in Verhütungsprogramme stecken. Natürlich beeinflussen Regierungen und Stiftung sich gegenseitig, und selbstverständlich wirkt sich unsere Arbeit auf die Spendenpraxis der Bürger aus. So fließt inzwischen mehr Geld in Amerika in Malariaprogramme als in den Kampf gegen Aids. Und es gibt Leute, die finden das gar nicht gut. Mir geht es aber darum, die Hilfen für die Weltgesundheit insgesamt zu steigern.

Ihr Einfluss auf Regierungen?

Nehmen wir das Beispiel Norwegen. Dort war ich im Juni, habe mit Premier Stoltenberg gesprochen und den Norwegern für ihre Hilfe gedankt. Denn Norwegen ist ein sehr generöses Land. Insofern ist es natürlich Einflussnahme, wenn man Länder und Personen dafür lobt, dass sie sich für etwas einsetzen.

Afrika ist ein Schwerpunkt Ihres Engagements. Fürchten Sie den chinesischen Einfluss dort?

Das ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Nehmen wir das Beispiel Ruanda: eine schreckliche Vergangenheit, aber eine bemerkenswerte Entwicklung. Präsident Kagame hat viel erreicht, das aber auch aufgrund der Hilfsleistungen des Westens. China hingegen engagiert sich vor allem dort, wo es Bodenschätze gibt. Aber auch der Westen hat eine Kolonialgeschichte, es gibt dunkle Kapitel in den Geschäftsbeziehungen westlicher Unternehmen mit Afrika.

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