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27.01.2010

19:27 Uhr

Davos

Es schlägt die Stunde der Mahner

VonDaniel Goffart, Torsten Riecke , Hermann Knipper

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos dominiert der Pessimismus. Ökonomen und Unternehmer warnen davor, die Wirtschaftskrise als beendet zu betrachten. Ein erneuter Einbruch? Nicht ausgeschlossen. Indes forderte Frankreichs Präsident Sarkozy in seiner Eröffnungsrede von der Finanzwirtschaft die Bereitschaft zur "totalen Veränderung".

Frankreichs Präsident Sarkozy hat mit seiner Rede das Weltwirtschaftsforum in Davos eröffnet. Reuters

Frankreichs Präsident Sarkozy hat mit seiner Rede das Weltwirtschaftsforum in Davos eröffnet.

DAVOS. Die Euphorie, die der Internationale Währungsfonds (IWF) Anfang der Woche verbreitete, als er die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 3,1 auf 3,9 Prozent erhöhte, stößt bei etlichen Ökonomen und Topmanagern auf Skepsis. So warnte Bundesbankchef Axel Weber die versammelte Wirtschaftselite: "Wir sind nicht im Jahr eins nach der Krise, sondern noch im dritten Krisenjahr." Man könne bestenfalls von einer "moderaten und graduellen Erholung" ausgehen. Auch der US-Investor George Soros mahnte: "Wir sind noch nicht über den Berg."

Das Treffen in Davos wurde am Montag von Nicolas Sarkozy eröffnet. Sarkozy forderte von der Finanzwirtschaft die Bereitschaft zur "totalen Veränderung". Überzogene Gehälter und die Trennung von Profit und Risiko würden von der Weltbevölkerung nicht mehr akzeptiert, warnte Sarkozy. "Es ist moralisch inakzeptabel, wenn Arbeitsplätze und Wohlstand zerstört werden und es für die Verantwortlichen ohne Konsequenzen bleibt." Bei Verlusten müsse es statt Boni ein Malussystem geben.

Sarkozy machte vor allem die globalen Ungleichgewichte und die falsche Bewertung einiger Währungen für die Krise verantwortlich. Wenn Frankreich 2011 den Vorsitz bei den G-8 und den G-20 habe, werde er die Reform des Weltwährungssystems auf die Tagesordnung setzen.

Noch bis zum Wochenende treffen sich in Davos rund 2 500 Topmanager, Ökonomen und Spitzenpolitiker aus aller Welt, um die anhaltende Krise zu analysieren und Lösungen zu suchen. Aus Deutschland nehmen unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, RWE-Chef Jürgen Großmann und Außenminister Guido Westerwelle teil.

Eine drastische Abfuhr erteilt der optimistischen IWF-Prognose auch der amerikanische Starökonom Nouriel Roubini. Zwar würden die Konjunkturprogramme in der ersten Hälfte dieses Jahres noch wirken. Für die zweite Jahreshälfte erwartet er aber eine Abkühlung in den USA, Europa und Japan. "Wachsende Arbeitslosigkeit, hohe Staatsschulden und ein schwacher Konsum prägen dort die Entwicklung", sagte der Ökonom. Risiken bestünden vor allem "für die Peripherie der Euro-Zone", fügte er mit Blick auf die Entwicklung in Griechenland an. Die Gefahr eines "double dip", also eines erneuten krisenhaften Wachstumseinbruchs im nächsten Jahr, sei nicht gebannt.

Insbesondere die hohe Verschuldung kann nach Ansicht der Experten für zahlreiche Länder zum Stolperstein für den Aufschwung werden. "Auf Finanzkrisen folgt meist eine Schuldenkrise", sagte der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Viele Regierungen müssten jetzt den Gürtel enger schnallen, die Bevölkerung sei jedoch nicht auf einen harten Sparkurs vorbereitet. "Das kann uns direkt in eine politische Krise führen", unkte Rogoff.

Als Gewinner der Krise sehen Ökonomen und Investoren dagegen die großen Schwellenländer. "Wachsende Märkte wie Brasilien, Indien oder die Türkei sind heute die besten Plätze für Investoren", sagte David Rubenstein, Mitbegründer der Carlyle Group in Davos. Die Chancen auf Wachstum und Nachfrage seien dort immer noch sehr hoch. Außerdem habe die Finanzkrise auf diesen Märkten viel geringeren Schaden angerichtet. Auch Dennis Nally, Chef von Pricewaterhouse-Coopers, billigt den Schwellenländern deutlich mehr Potenzial zu. Die Investoren würden dort die "günstigen Einstiegspreise nach der Krise" nutzen. Arif Naqvi, CEO der Investorengruppe Abraaj-Capital, sieht vor allem die sehr junge und schnell wachsende Bevölkerung in den Schwellenländern als Chance. Allein der hohe Bedarf an Infrastruktur und der Wunsch nach mehr Konsumgütern seien bedeutende Wachstumstreiber.

Kommentare (3)

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realien

27.01.2010, 22:10 Uhr

Eine endgültige bilanz des iWF, mit allgemeingültiger behandlung der Wirtschaftskrise steht noch aus. Wenn aber die Auswirkungen auf die Allgemeinheit, insbesondere auf Arbeitnehmer und Anleger/investoren, den interessen der Finanzindustrie nachgeornet und als weniger wichtig betrachtet werden.. hat Davos keinen beitrag zur Vermeidung von Fehlleistungen geleistet. Noch prägen wachsende Arbeitslosigkeit, hohe Staatsschulden und schwacher Konsum Volkswirtschaften.

Ob die Teilnehmer am iWF gewillt sind dies - gemäß dem Verursacherprinzip - als ihre Fehlleistung mit Wiedergutmachung anerkennen... so hätte Davos ein erwähnenswertes Resultat aufzuweisen.

BERNARDO CAYETANO SCHROEDER

28.01.2010, 02:09 Uhr

Unabhaengig von DavosZeugnis wussten wir in Argentinien , bzw. Lateinamerika schon vor 7 Jahren wie die Weltwirtschaft aus den Schienen hopste- sprich entgleistung-. ich sehe eine sehr gute Chance in Lateinamerika zu unvestieren. brasilien- Aregentinien, Uruguay, Chule , Paraguay. bolivien und Peru haben sich enger verbunden und somit ist es einfacher auf einem gemeinsamen Nenner die staatlichen interessen mit den privaten investoren- alle zusammen- zu vereinigen und optimale investmentschutzgesetze herauszubringen.Unbedingt muss der Mercosur mit der EU vereinigt werden. Wirtschafts und Kulturbedingt.

rainer repke

28.01.2010, 06:29 Uhr

die hat schon lange geschlagen. Ohne Finanzspritzen laeuft der Markt nicht. Also, auf sich selbst gestellt ist der Markt ohne Milch. Das ist nichts Neues.

Um das Festzustellen, braucht man kein Davos.

Strategie bei Aktien: bei Einbruechen beste Werte kaufen und liegenlassen. 5 Jahre plus.

Euer
Rainer

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