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01.02.2010

07:21 Uhr

Davos-Lehren

Was die Weltenlenker auseinander treibt

VonTorsten Riecke

Banker gegen Staatschefs, Europäer gegen Amerikaner, Industriestaaten gegen Schwellenländer: Nie zuvor waren die Diskussionen in Davos so unversöhnlich. Die große Krise hatte die globale Elite zusammengeschweißt. Die Lehren treiben sie nun wieder auseinander.

Bankchefs wie Josef Ackermann hatten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen schweren Stand. Quelle: ap

Bankchefs wie Josef Ackermann hatten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen schweren Stand.

DAVOS. Es ist mucksmäuschenstill in Davos. Seit einer halben Stunde redet der wichtigste politische Besucher des "World Economic Forum" bereits. Doch in der vollbesetzten Kongresshalle regt sich keine Hand zum Applaus. Nicolas Sarkozy beugt den Oberkörper gegen das Rednerpult und lässt die Hände fliegen wie ein Prediger, als er einen pervertierten Kapitalismus geißelt. Frankreichs Präsident erinnert die Finanzprofis im Saal daran, dass sie nur Diener der Gesellschaft sind und nicht die Herren des Universums.

Als Sarkozy geendet hat, ist der Saal geteilt wie durch eine Mauer. Die eine Hälfte der Zuhörer erhebt sich zu Ovationen für Sarkozys Kampfansage an die Wirtschaftsbosse. Die andere Hälfte, die Attackierten, schweigt - und kocht vor Wut. Ein deutscher Chemiemanager, sonst eher von zurückhaltender Natur, findet den Auftritt Sarkozys "unmöglich". Eine "Ohrfeige" sei das gewesen. "So geht es nun wirklich nicht."

Konfliktreich ging es los in Davos, und so ging es auch weiter. Der kooperative Geist, den WEF-Gründer Klaus Schwab in seiner Eröffnungsrede noch einmal beschworen hat, scheint verflogen. Nicht die Gemeinsamkeiten, sondern die Gegensätze dominierten das diesjährige Treffen der globalen Elite.

Die Welt, durch die Krise zusammengeschweißt, droht wieder auseinanderzufallen. Politiker gegen Banker, Europäer gegen Angelsachsen, Schwellenländer gegen Industrienationen, Amerika gegen China: Zahlreiche Konfliktlinien zogen sich durch die mehr als 200 Diskussionsrunden in Davos. Nie zuvor waren die Diskussionen hier in den Schweizer Alpen von so viel Unversöhnlichkeit geprägt. Statt "Einer für alle und alle für einen" heißt es nun "Jeder gegen jeden".

Der Streit erzeugt neue Unsicherheit. Und das ist das Letzte, was der wacklige Aufschwung der Weltwirtschaft derzeit gebrauchen kann.

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