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24.01.2014

13:36 Uhr

Davos - Tag 3

Schäuble erntet Lacher

Es ist der Tag der Spitzenpolitiker: Angela Merkel kommt zwar nicht, dafür aber Finanzminister Schäuble. Der hat Respekt vor Griechenland. Englands Premier David Cameron plädierte in seiner Rede für billige Energie.

Finanzminister Wolfgang Schäuble in Davos.

Finanzminister Wolfgang Schäuble in Davos.

Tag 3 beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Rund 2500 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sprechen über die Neugestaltung der Welt. Das Handelsblatt ist mit vier Reportern vertreten: Sven Afhüppe, Michael Maisch, Wolfgang Reuter und Torsten Riecke. Wir versorgen Sie mit exklusiven Nachrichten, Berichten, Interview-Auszüge und auch der einen oder anderen Anekdote vom Rande des Forums.

+++„Frankreich ist und bleibt ein starkes Land“+++

Schäuble lobt die angekündigten Wirtschaftsreformen in Frankreich. „Ich glaube, das ist der richtige Weg“, sagte der CDU-Politiker am Freitag beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass Frankreich so weiter gestärkt wird.“ Die Bundesregierung stehe in engem Kontakt mit den Kollegen in Paris. „Ich weiß, wie die Lage in Frankreich ist und kenne die französischen Zahlen: Frankreich ist und bleibt ein starkes Land“, sagte Schäuble.

+++Schäuble erntet Lacher+++

Auf die Frage, warum Merkel eigentlich nicht gekommen ist, erntet Schäuble Lacher, als er auf ihren Skiunfall – der auch in der Schweiz passierte – anspielt.

+++Gibt’s genug überzeugte Europäer in der Union?+++

Wolfgang Schäuble bricht eine Lanze für Europa: „Wir leben in einem Europa ohne Grenzen. In Saarland sollen alle Kinder zweisprachig aufwachsen. Wir leben in einem Maße in einer globalisierten Welt, das konnte sich meine Generation nicht vorstellen. Ohne die europäische Integration wäre das nicht vorstellbar. Wir leben im Jahrhundert der Globalisierung.“

Schäuble: „Der Erfolg macht ein bisschen müde, es ist das alte Problem. Das dürfen wir aber nicht. Europa ist sehr kompliziert, sehr bürokratisch,. Wir brauchen Vertragsänderungen um das Institutionelle zu verändern.“

HB vor Ort: Das Davos der zwei Gesichter

Video: HB vor Ort: Das Davos der zwei Gesichter

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+++Respekt vor Griechenland+++

Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Man muss Respekt haben vor dem, was die Griechen ertragen müssen. Aber sie kommen voran. Die Griechen haben mehr Fortschritte gemacht, als alle gedacht haben. Die Finanzkrise hat uns was gebraucht, was wir in Deutschland gar nicht mehr für möglich gehalten hätten: der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.“

+++Lehre im Anstehen+++

Die Partystadt Davos hält für die Bosse der Weltwirtschaft auch manche Lehre über das reale Leben bereit: An den fast immer völlig überlasteten Garderoben des Grandhotel Belvédère stehen nicht selten ein halbes Dutzend Vorstandschefs von Dax-Unternehmen Schlange wie alle anderen Partygänger auch. „Da lernen die First-Class-Flieger mal, wie es sich bei Check-In für die Holzklasse anfühlt“, sagt ein Wirtschaftsstudent, der sich beim WEF als Shuttlebus-Fahrer eine schöne Summe dazuverdient. „Gerechnet an den Gehältern und Boni meiner Fahrgastgäste habe ich wohl ein paar hundert Millionen hin- und hergefahren.“

+++„Wir müssen Fracking nutzen“+++

„Wir brauchen die erneuerbaren Energien, aber wir müssen auch die Möglichkeiten des Frackings nutzen“, sagt David Cameron, britischer Premier, in seiner Rede. Cameron glaubt nicht, dass es gut wäre, wenn Schottland aus dem Verbund austreten würde. Er glaube daran, dass es allen Teilen Großbritannien besser gehe, wenn sie zusammenblieben.

Reuters

+++Matt Damon ist der Superstar+++

Der „Bourne“-Actionheld ist in diesem Jahr der unangefochtene Star in Davos. Weil er sich für die Wasserversorgung in armen Ländern engagiert, hat ihn das WEF mit seinem Ehrenpreis „Crystal Award“ ausgezeichnet. Bei der Party erweist sich der 43-Jährige als „Star zum Anfassen“, einfach nett und offenherzig. Ob er denn seinen Alpenabstecher zum Skisport nutzen wird, möchte ein junger Fan wissen. „Leider nicht“, gibt Damon bereitwillig Auskunft. „Erstens habe ich mir kürzlich das Schlüsselbein gebrochen und zweitens sind meine Frau und meine vier Töchter nicht mitgekommen - die wären ganz schön sauer, wenn ich ohne sie Skifahren würde.“
+++Da Fest der Promi-Voyeure+++

Ein Fest sind Davoser Partynächte auch für Promi-Voyeure, denn die WEF-Jahrestagung zieht stets Hollywood-Größen und Vertreter des Hochadels an. Norwegens Kronprinz Haakon tanzt einfach zu gern, als dass er auf einen Abstecher zu den Partys verzichten möchte. Auch der britische Prinz Andrew wurde gesichtet, der zweite Sohn von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip.

ap

+++Mehr Zeit für Bitcoin+++

Die US-Regierung braucht nach Aussage von Finanzminister Jacob J. Lew mehr Zeit, um das „Phänomen“ Bitcoin einzuschätzen und zu gewährleisten, dass die virtuelle Währung nicht für rechtswidrige Zwecke benutzt wird. Lew, der die Anstrengungen der Regierung unter Präsident Barack Obama im Kampf gegen illegale Finanzströme in der Welt anführt, hat nach eigenen Angaben mit Jamie Dimon, dem Chef von JPMorgan Chase & Co., über Bitcoins gesprochen. Beide teilten eine „gewisse Ungläubigkeit“, was die virtuelle Währung angehe, sagte Lew am Donnerstag im Interview mit CNBC auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Wir müssen sicherstellen, dass es nicht ein Weg zur Finanzierung illegaler Tätigkeiten oder zur Finanzierung von Aktivitäten wird, die bösartige Zwecke wie terroristische Aktionen verfolgen”, erklärte Lew. „Es ist eine anonyme Transaktionsform, und sie bietet den Menschen einen Ort, um sich zu verstecken.“

+++Knisternde Spannung+++

Bei der Burda-Party etwa, wo sich auch Ex-Vizekanzler Philipp Rösler – inzwischen Manager beim WEF – und Yahoo-Chefin Marissa Mayer reger Aufmerksamkeit erfreuten. Daneben stehen Anshu Jain und Jürgen Fitschen - die beiden Chefs der Deutsche Bank, die gerade einen Milliardenverlust vermeldete – scheinbar bestens gelaunt in einer illustren Runde. Bis ihr Vorgänger Josef Ackermann auftaucht. Dass sein Verhältnis zu Jain nicht das beste ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Man nickt sich förmlich-höflich zu. Doch die Stimmung wirkt plötzlich so kühl wie draußen der Davoser Schnee.

Die WEF-Höhepunkte am Freitag

10.30 Uhr - Großbritannien

Am Freitagvormittag wird der britische Premier David Cameron um 10.30 Uhr über die ökonomischen und politischen Aussichten Großbritanniens im Jahr 2014 sprechen. Im letztem Jahr stritt er sich noch mit Kanzlerin Merkel über die Zukunft der EU.

11 Uhr - USA
11.30 Uhr - Deutschland

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wird die Bundesregierung beim Weltwirtschaftsforum vertreten. Er spricht über die Frage, was Europa von der Großen Koalition in Berlin erwarten. Das passt gut. Schäuble kommt unmittelbar von der Regierungsklausur in Meseberg nach Davos.

14.15 Uhr - Brasilien

Als Präsidentin eines der wichtigsten aufstrebenden Ländern in Südamerika ist Dilma Rousseff eine gefragte Gesprächspartnerin in Davos. Um 14.15 Uhr wird die brasilianische Regierungschefin über die Zukunft ihres Landes sprechen.

17.15 Uhr - USA II

Für US-Außenminister John Kerry gibt es mit dem Bürgerkrieg in Syrien und dem iranischen Atomprogramm derzeit viel Arbeit. Beim Weltwirtschaftsforum wird er über beide Themen am Freitagnachmittag um 17.15 Uhr sprechen.

18 Uhr - Euro-Krise

„Der Weg aus der Krise in Stabilität“ - über dieses Thema spricht der Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, am frühen Freitagabend. Draghi ist aufgrund seiner Geldpolitik eine Schlüsselfigur in der Euro-Krise.

+++ Was heute alles wichtig wird +++

Freitag ist der Tag der Spitzenpolitiker. Der englische Premier David Cameron wird sprechen, ebenso wie Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dieses Jahr nicht in Davos vertreten, dafür hat heute Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen Auftritt, ebenso wie US-Außenminister Kerry. Der ist allerdings schon da, angereist per Hubschrauber.

Tag 2 in Davos: „Ruhanis Täuschungs-Darbietung geht weiter“

Tag 2 in Davos

„Ruhanis Täuschungs-Darbietung geht weiter“

Irans Präsident Ruhani wirbt um die Freundschaft Amerikas, doch in in seiner Rede umschifft er auch wichtige Fragen – wie die nach der Kontrolle des Atomprogramms. Israels Ministerpräsident Netanjahu verurteilt die Rede.

+++ Das waren die ersten beiden Tage +++

Weltwirtschaftsforum Davos: „Gewitter? Es scheinen keine zu drohen“

Weltwirtschaftsforum Davos

„Gewitter? Es scheinen keine zu drohen“

Die großen Themen sind heute: Euro-Krise, Digitalwelt und Japan. Ministerpräsident Abe wird seine Geldpolitik verteidigen. Zuvor diskutieren Ökonomen und CEOs über Europa und die Finanzkrise. Tag eins zum Nachlesen.

+++ Tweets aus der Schweizer Bergwelt +++

„Die Neugestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft“ lautet das aktuelle WEF-Motto. Politiker und Wirtschaftskapitäne stecken in Davos die Köpfe zusammen – und senden ihre Botschaften blitzschnell via Twitter in alle Welt. Hier die Tweets zum Hashtag #wef14.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

24.01.2014, 12:21 Uhr

Wer wissen will kann sich informieren. Es gibt genügend Studien und wissenschaftliche Nachweise zur Gefährlichkeit und Grundwassergefährdung, ja -verseuchung infolge fracking. Wer fracking gleichwohl das Wort und gar den Bedarf redet handelt unverantwortlich gegenüber seinen Mitmenschen und Nachfolgegenerationen. Er gefährdet unersetzbare Grundnahrungsquellen und gehört darob vielleicht in einen Lobbyverband zur eigennützigen Vermögensmehrung, kaum aber an eine verantwortliche Stelle der Politik mit der Möglichkeit zu lasten der Gemeinschaft unkorrigierbare Entscheidungen zu treffen.

Account gelöscht!

24.01.2014, 12:50 Uhr

Zitat : Er gefährdet unersetzbare Grundnahrungsquellen

- Fracking - Förderung ist um Faktor 3 bis 5 teurer als die konventionelle Gasförderung !

Deutschland bezieht die nächsten 200 Jahre "BILLIGERES" Gas aus Russland !

Sollen die Briten sich doch "TOT" - Fracken !

holger29

24.01.2014, 12:52 Uhr

Mir ist keine Studie, oder gar Nachweis bekannt, dass das Fracking gefährlicher ist als die Erdöl/Erdgasförderung ohne Fracking. Soweit mir bekannt sind dies Propagandastudien links-ökologischer Gruppen die moderne Technik und preiswerte Energie verabscheuen.

Soweit bekannt ist die Erdöl-/Erdgasförderung sicherlich weniger umweltbelastend als die in deutschen Medien regelmässig gepriesenen Windmühlen und Solaranlagen.

In der Bibel wird Fracking nicht erwähnt. Wenn man der Bibel folgt...Mehret Euch...Machet Euch die Erde untertan, ist Fracking im Sinne Jesu.

Die ökologische Religion ist als ein sehr destruktiver Glaube sicherlich nicht mit dem Christentum vereinbar.

Holger29

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