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27.05.2016

19:07 Uhr

Debatte um Griechenlandhilfen

Es knirscht zwischen IWF und den Euro-Ländern

Lange Verhandlungen mit dem IWF über Schuldenerleichterungen und neue Hilfen für Griechenland verärgern die Euro-Finanzminister. Neu ist es nicht, dass es zwischen dem IWF und den Euro-Partnern knirscht.

Vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte seinem Ärger Luft: „Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn der geschäftsführende Direktor (Lagarde) anwesend gewesen wäre.“ AFP; Files; Francois Guillot

Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble

Vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte seinem Ärger Luft: „Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn der geschäftsführende Direktor (Lagarde) anwesend gewesen wäre.“

BrüsselEs bedurfte des Machtwortes einer Frau, um den Streit in einem Raum voller Männer zu beenden. Dabei war die Frau – IWF-Chefin Christine Lagarde – bei der Sitzung der Euro-Finanzminister und Vertretern des Internationalen Währungsfonds am Dienstag in Brüssel gar nicht anwesend, sondern weilte in Asien. Telefonisch sorgte sie dafür, dass die festgefahrenen Verhandlungen über Schuldenerleichterungen und Milliardenhilfen für Griechenland zu einem gütlichen Ende gebracht wurden.

Vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte am Tag darauf seinem Ärger Luft und ließ durchblicken, dass er die von ihm so hoch geschätzte Lagarde bei der entscheidenden Sitzung lieber an seiner Seite gehabt hätte: „Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn der geschäftsführende Direktor (Lagarde) anwesend gewesen wäre.“

Nach Angaben von Personen, die bei der Sitzung dabei waren, zogen sich die Gespräche vor allem deshalb über zehn Stunden lang hin, weil sich die Delegation von IWF-Europa-Chef Poul Thomsen untereinander nicht einig war. Erst ein etwa zehnminütiges Telefongespräch von Thomsen und Lagarde habe die Entscheidung gebracht, sagte einer der Insider.

Ein Sprecher des IWF bezeichnete es allerdings als „Unsinn“, dass Lagarde ihren Europa-Chef dabei in die Schranken gewiesen habe: „Der Rahmen unser Verhandlungsposition wird, wie immer, vorher diskutiert und abgestimmt.“

Griechenlands Schuldenkrise in Zahlen

2012: Staatsverschuldung

305,1 Milliarden Euro (160% des BIP)

2012: Haushaltsdefizit

16,9 Milliarden Euro (8,8% des BIP)

2013: Staatsverschuldung

320,5 Milliarden Euro (178% des BIP)

2013: Haushaltsdefizit

23,5 Milliarden Euro (13% des BIP)

2014: Staatsverschuldung

319,7 Milliarden Euro (180% des BIP)

2014: Haushaltsdefizit

6,5 Milliarden Euro (3,6% des BIP)

2015: Staatsverschuldung

311,5 Milliarden Euro (177% des BIP)

2015: Haushaltsdefizit

12,8 Milliarden Euro (12,8% des BIP)

Nach Angaben von Vertretern aus der Euro-Zone waren sich die Finanzminister allerdings schon am frühen Abend einig, Griechenland insgesamt 10,3 Milliarden Euro auszuzahlen und Schuldenerleichterungen in Aussicht zu stellen.

Zudem seien schon drei Tage zuvor die Eckdaten einer Vereinbarung beim G7-Finanzministertreffen in Japan zwischen Schäuble, dem französischen Ressortchef Michel Sapin, dem Vorsitzenden der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem und Lagarde vereinbart worden. Dass es dann trotzdem zu stundenlangen Verzögerungen kam, soll auch daran gelegen haben, dass Lagarde zunächst telefonisch nicht erreichbar war.

Neu ist es nicht, dass es zwischen dem IWF und den Euro-Partnern knirscht. Beide Seiten sind immer wieder aneinander geraten, seitdem sie zu Beginn der Schuldenkrise eine Allianz geschmiedet haben und in den Programmländern Griechenland, Portugal, Irland und Zypern aktiv wurden.

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