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25.02.2014

11:23 Uhr

„Dein Geld ist im Tresor“

Telefon-Mitschnitte bringen Erdogan in Bedrängnis

Ein abgehörtes Telefonat soll belegen, dass der türkische Regierungschef Erdogan Millionen in Sicherheit bringen wollte. Der krisengeplagte Politiker schlägt nun zurück – und spricht von einem „dreckigen Komplott“.

Erdogan in der Kritik

Türkei: Ein Weg ohne Rückkehr?

Erdogan in der Kritik: Türkei:  Ein Weg ohne Rückkehr?

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IstanbulDer Streit um angebliche Korruptionsfälle in der türkischen Regierung spitzt sich zu. Die Opposition in Ankara fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wie verschiedene Zeitungen am Dienstag berichteten. Anlass sind angebliche Mitschnitte von Telefonaten Erdogans mit seinem Sohn Bilal, die am Montagabend im Internet auftauchten. Die Mitschnitte legen laut Opposition nahe, dass die beiden große Geldsummen verschwinden ließen, um sie vor staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Sicherheit zu bringen. Das Ministerpräsidentenamt wies die Vorwürfe zurück.

Erdogans Regierung steht seit Mitte Dezember wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. Mehrere Söhne früherer Minister sitzen in Untersuchungshaft. Erdogans Büro bezeichnet die Vorwürfe am Dienstag als „dreckiges Komplott“ und als Machenschaften von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, denen er vorwirft, sie wollten die Regierung stürzen. In den vergangenen Tagen waren mehrere Mitschnitte angeblich abgehörter Telefonate aufgetaucht, die Korruptionsvorwürfen an die Adresse der Regierung neuen Auftrieb gaben.

Türkischer Premier Erdogan kämpft an mehreren Fronten

Korruptionsaffäre

Die Türkei wird seit Mitte Dezember 2013 von einem Korruptionsskandal erschüttert. Die Ermittlungen erstreckten sich auch auf die Familien von Ministern. Es folgte eine „Säuberungswelle“ in Polizei und Justiz, bei der Hunderte Beamte zwangsversetzt wurden.

Proteste

Die Protestbewegung gegen die Regierung dauert im Sommer 2013 wochenlang an. Im Mai räumen Polizisten mit einem brutalen Einsatz ein Protestcamp im Istanbuler Gezi-Park. Es folgen weitere Zusammenstöße auch in anderen Städten. Es gibt Festnahmen und Tote.

Ergenekon-Prozess

Ein Geheimbund namens „Ergenekon“ soll versucht haben, die islamisch-konservative Regierung zu stürzen. Viele der mehr als 270 Beschuldigten müssen für Jahrzehnte ins Gefängnis - darunter Militärs, Politiker, Journalisten und Akademiker.

Alkoholgesetz

Ein umstrittenes Alkoholgesetz tritt im September 2013 in Kraft. Unter anderem ist der Verkauf von Alkohol nach 22.00 Uhr verboten. Die Regierung beschränkt zudem die Werbung für Alkohol. Der Widerstand gegen das Gesetz kommt von Türken, die Erdogan eine Islamisierung des Landes vorwerfen.

Wohnen

Erdogans Kritik an gemeinsamen Studentenheimen für Frauen und Männer löst Ende 2013 Kritik aus. Regierungspolitiker kündigen laut Medienberichten an, gegen gemischte Häuser vorzugehen. Oppositionelle kritisieren eine Einmischung in Privatangelegenheiten.

Auf Youtube waren zuvor Audio-Mitschnitte von Telefonaten veröffentlicht worden, die vor allem am 17. Dezember 2013 stattgefunden haben sollen. An dem Tag wurden Dutzende Verdächtige aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP unter Korruptionsverdacht festgenommen. Auf den Aufnahmen weist angeblich Erdogan seinen Sohn an, Geld wegzubringen, das er in seinem Haus aufbewahrt hatte.

„Bringe alles weg, was in Deinem Haus ist“, sagt die Stimme des älteren Gesprächsteilnehmers in einem Telefonat, dessen Zeitpunkt mit 8.02 Uhr morgens angegeben wird. „Dein Geld ist im Tresor“, antwortet die jüngere Stimme. In einem Gespräch, dessen Zeit mit 23.15 Uhr angegeben wird, sagt die jüngere Stimme, 30 Millionen Euro hätten noch nicht „aufgelöst“ werden können. Sie fragt dann: „Soll etwas Geld bei Dir verbleiben?“ In einem fünften und letzten Telefonat warnt die ältere Stimme: „Sohn, Du wirst abgehört.“ Das Youtube-Video wurde bis Dienstagmorgen mehr als 1,2 Millionen Mal angeklickt.

Die Republikanische Volkspartei (CHP), die größte Oppositionspartei im Land, warf Erdogan vor, er habe jede Legitimation verloren und müsse zurücktreten. Die Mitschnitte seien echt. Die zweitgrößte Oppositionspartei im Parlament, die nationalistische MHP, kündigte für Dienstag eine Stellungnahme an.

Kommentare (9)

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PeterKock

25.02.2014, 11:34 Uhr

Wie bei uns in Deutschland.: Wie der Herr so´s Gescherr !

Ossi

25.02.2014, 12:30 Uhr

Der "Große Meister" bereitet seinen EU-Beitritt vor. Seine Fahnenschwenker in Deutschland hat er unlängst wieder eingeschworen, sich stärker politisch zu engagieren, damit die Beliebigkeits-Kanzlerin durch entsprechenden politischen Druck dem Beitritt bald zustimmt. Und das "rückgratlose" deutsche Volk ist, wie immer, desinteressiert.

fly_erdogan_air

25.02.2014, 13:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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