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17.11.2012

16:15 Uhr

Demo gegen Flughafen

Asterix gegen Cäsar in der Bretagne

VonThomas Hanke

Frankreich empört sich. Zumindest ein Teil. In der Bretagne soll ein neuer Großflughafen entstehen – die Anwohner wollen den aber gar nicht. Eine Großdemonstration am Samstag erinnerte daher nicht umsonst an Asterix.

Großdemo in der Bretagne: Anwohner wollen den Großflughafen verhindern. Reuters

Großdemo in der Bretagne: Anwohner wollen den Großflughafen verhindern.

ParisRund mehrere Tausend Menschen haben am Samstag  gegen den Bau eines neuen Großflughafens nördlich von Nantes in der Bretagne demonstriert. Von 13.500 sprach die Präfektur, die Veranstalter dagegen zählten mehr als 20.000. Aus ganz Frankreich reisten Gegner des vom Baukonzern Vinci getragenen Vorhabens an. „Veni, vidi et pas Vinci“ – ich kam, sah, und siegte nicht – war der beliebteste Slogan. Eine Anspielung nicht nur auf den Namen des Infrastruktur-Riesen, sondern auch auf die „Operation Cäsar“, mit der die Polizei vor kurzem ein Hüttendorf der Flughafengegner zerstört hatte. Die Vertreibung hatte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen geführt. „Operation Asterix“ schrieben die demonstrierenden Bauern im Gegenzug auf ihre Traktoren.

Der Airport ist eines der ältesten Infrastrukturprojekte Frankreichs, die Planungen gehen auf die 60er-Jahre zurück. Genauso lange dauert schon der Widerstand vor allem der Landwirte, die ihre Bauernhöfe nicht aufgeben wollen. In der Umgebung gibt es zahlreiche Feuchtgebiete mit geschützten Pflanzen- und Tierarten. Notre-Dame-des-Landes oder kurz „NDDL“ hat in Frankreich dieselbe Bedeutung wie Stuttgart 21 oder der Streit um den Ausbau des Frankfurter Flughafens in Deutschland. Politisch ist das Projekt vielleicht noch bedeutsamer: Es wird von Premier Jean-Marc Ayrault energisch vorangetrieben, der bis vor kurzem Bürgermeister von Nantes war. Die an der Regierung beteiligten Grünen dagegen lehnen den Flughafen, ironisch auch „Ayraultport“ genannt, ab und zählen zu den wichtigsten finanziellen Unterstützern des Widerstands. Auch am Samstag reisten viele Spitzenpolitiker der Grünen an, genauso wie die Führer der Front de Gauche (Linksfront).

Tausende Menschen gingen in Frankreich auf die Straße. Reuters

Tausende Menschen gingen in Frankreich auf die Straße.

Nicht allen ortsansässigen Flughafengegnern gefällt das: „Rollt eure Fahnen wieder an, das ist hier kein Schaulaufen für die Medien und keine Bühne für Berufspolitiker“, rief ein erboster lokaler Airport-Gegner bei seiner Rede zum Auftakt der Kundgebung. Im Dorf hingen große Transparente: „Demonstranten willkommen, politische Profiteure – verschwindet!“ Doch einige Widerständler schätzen die Unterstützung der Parteien, vor allem der Grünen: „Sie tun viel dafür, unseren Widerstand außerhalb der Region zu unterstützen. Ob sie an der Regierung beteiligt sein sollten oder nicht haben wir nicht zu entscheiden“, sagte Michel Taren, Bauer aus der Gegend, dem Handelsblatt. Taren zählt zu den ältesten Airport-Gegnern - und kennt Ayrault seit Jahrzehnten. „In unserer Jugend haben wir zusammengearbeitet, aber seit 17 Jahren habe ich nicht mehr mit ihm gesprochen.“

Taren hofft noch, dass sich der Bau verhindern lässt, obwohl er von allen politischen Instanzen abgesegnet wurde und in einem Jahr die Planierraupen rollen sollen: „Noch sind viele Gerichtsverfahren gegen die Entscheidung anhängig, mit der der Flughafen als gemeinnützig erklärt wurde.“ Wenn es hart auf hart kommt, setzt der alte Milchbauer mit gepflegtem weißem Bart auf direkten Widerstand: „So ein Ding zu planen ist eine Sache, es gegen die Menschen hier gewaltsam durchzusetzen, die sich an ihre Höfe klammern, das wäre etwas ganz anderes.“ Mittlerweile haben allerdings rund 80 Prozent der Betroffenen ihre Flächen an den Staat verkauft, der Rest steht unmittelbar vor der Enteignung. Die Räumungen sollten bereits beginnen, wurden aber soeben noch einmal aufgeschoben.

Der harte Kern der Gegner begann heute mit dem Wiederaufbau eines provisorischen Dorfes aus Holzlatten und Paletten, wie das, das vor zwei Wochen von den Ordnungskräften geräumt wurde. Polizisten waren anfangs bei der ganzen Demonstration nicht zu sehen, hielten sich aber in der Umgebung des Baugeländes auf. Vereinzelte jugendliche Demonstranten mit Sturmhauben, Masken und schwerem Werkzeug machten deutlich, dass sie sich nicht so leicht aufhalten lassen würden. Sie gingen allerdings in der bunten Mischung von örtlichen Bauern mit ihren Traktoren, Menschen aus der Umgebung und von weither  angereisten Paaren mit kleinen Kindern völlig unter. Die Taktik der Polizei zielt darauf ab, am Wochenende jede Eskalation zu vermeiden und das möglicherweise neu entstehende Hüttendorf später zu zerstören.

Die Bevölkerung des Département Loire-Atlantique wächst doppelt so schnell wie der Durchschnitt der französischen Bevölkerung. Bis 2030 soll sie um 270.000 auf fast 1,5 Millionen Menschen anwachsen. Aus diesem Grunde reiche der bestehende, 5 Kilometer von Nantes entfernt liegende Flughafen nicht mehr aus, argumentieren die Behörden. Sie wollen ihn auch deshalb schließen, weil Nantes neue Baugrundstücke braucht. Dabei gibt es allerdings ein nicht unerhebliches Problem: Airbus betreibt direkt am bestehenden Flughafen ein Werk, für das es auf den Weiterbetrieb des alten Flughafens angewiesen ist.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

17.11.2012, 18:27 Uhr

Das riecht schon ein bisschen an Steuerverschwendung.

Paul

17.11.2012, 19:03 Uhr

Kenavo Asterix! Va casser leurs grandes geuls - c'est n'importe quoi!

staatsbankrott

18.11.2012, 09:23 Uhr

Immerhin würde so ein Projekt Arbeitsplätze schaffen, Steuergelder würden dafür wohl nicht benötigt werden, denn das nötige Geld wird von der EZB bereit gestellt und durch so ein Projekt dann in die Wirtschaft gewaschen werden.Von solchen Projekten wird man künftig wohl öfter hören ansonsten wird die Wirtschaft sich garnicht mehr erholen. Es wurden ja mittlerweile ja auch schon etliche Euros abverkauft und die EZB sitzt nun auf diesen nutzlosen Zetteln. Die wieder in die Wirtschaft zu pumpen ist die einzige Lösung für die Brüssler EU Nazis den Euro und die Wirtschaft zu retten.

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