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15.02.2016

19:04 Uhr

Demonstration in Brüssel

Stahlarbeiter protestieren gegen Billigimporte

Weil sie billige Konkurrenzprodukte aus China fürchten, sind am Montag Tausende Stahlarbeiter aus ganz Europa in Brüssel auf die Straße gegangen. Sie fordern Maßnahmen von der EU, die Billigimporte zu stoppen.

Stahlarbeiter auf der Straße. Ihr Anliegen: Der zu Dumpingpreisen auf den EU-Markt gedrückte Stahl vernichte in Europa Arbeitsplätze und gefährde die Umwelt. dpa

Demonstration in Brüssel

Stahlarbeiter auf der Straße. Ihr Anliegen: Der zu Dumpingpreisen auf den EU-Markt gedrückte Stahl vernichte in Europa Arbeitsplätze und gefährde die Umwelt.

BrüsselTausende Stahlarbeiter aus mehreren europäischen Ländern haben am Montag mit einem Demonstrationszug in Brüssel von der Europäischen Union (EU) Maßnahmen gegen Billigimporte aus China verlangt. Der zu Dumpingpreisen auf den EU-Markt gedrückte Stahl vernichte in Europa Arbeitsplätze und gefährde die Umwelt.

Die EU-Kommission soll im Laufe des Jahres entscheiden, ob China als Marktwirtschaft anerkannt wird. Die Regierung in Peking besteht darauf, 15 Jahre nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) diesen Status zu erhalten. Nach Ansicht von Kritikern würde dies den chinesischen Unternehmen ermöglichen, Produkte zu unfair niedrigen Preisen auf den EU-Markt zu bringen. 3,5 Millionen Jobs wären dadurch gefährdet. Die EU-Kommission sieht für maximal 211.000 Arbeitsplätze ein Risiko.

Stahl: ein vielseitiger Werkstoff

Produktion

Es ist nicht so, dass man sich um den Wirkstoff Stahl wirklich Sorgen machen muss: Noch nie wurde so viel von dem vielseitigen Werkstoff hergestellt wie 2014 – genau 1,665 Milliarden Tonnen. Aber die weltweiten Gewichte von Produktion und Verbrauch haben sich verschoben. Inzwischen ist China mit über 800 Millionen Tonnen der mit Abstand führende Stahlproduzent. Japan als Nummer zwei stellt dagegen bescheidene 110 Millionen Tonnen her, Deutschland auf Rang sieben der weltgrößten Hersteller gerade noch 42 Millionen.

Forschung

Inzwischen ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Europa auf 280 Kilo Stahl pro Jahr gesunken (China: 477 Kilo). Um nicht weiter Boden gegen die Konkurrenten Aluminium und Kunststoff zu verlieren, steckt die Stahlbranche viel Geld in die Forschung, um das Material fester und leichter zu machen und damit für neue Anwendungen zu öffnen. Das gilt nicht nur für den Autobau. So werden derzeit Stahlträger und Fassaden für Wolkenkratzer entwickelt, auf die sich Solarzellen per Anstrich aufbringen lassen und das Gebäude mit Strom versorgen.

Die Stahlunternehmen verweisen zudem darauf, dass die chinesischen Importe den Bemühungen zum Klimaschutz zuwiderlaufen, da der Stahl dort vor allem in kohlebeheizten Anlagen hergestellt werde. „Wir exportieren langfristig unsere Jobs und importieren CO2“, sagte Karl-Ulrich Köhler, Chef von Tata Steel Europe.

Am Freitag hatte die EU-Kommission angekündigt, dass auf bestimmte Einfuhren aus China und Russland Anti-Dumping-Zölle erhoben werden sollen. Sie brachte zudem drei neue Anti-Dumping-Untersuchungen gegen Stahllieferungen aus der Volksrepublik auf den Weg. EU-Handelskommissarin Cecilia Malström betonte, sie werde alles unternehmen, um Waffengleichheit unter den Produzenten zu erreichen.

Die EU belegt bei der globalen Stahlproduktion den zweiten Rang hinter China. Die Preise sind zuletzt massiv gefallen – auch wegen Überkapazitäten. Die europäischen Stahlkocher haben nach Verbandsangaben seit 2008 rund 85.000 Stellen abgebaut, mehr als 20 Prozent aller Beschäftigten.

Von

rtr

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