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09.05.2014

10:38 Uhr

Demonstration

Tausende Regierungsgegner protestieren in Bangkok

Tausende Regierungsgegner demonstrieren in Bangkok. Die Polizei reagiert mit Tränengas. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption vor. Sie verlangen eine Übergangsregierung. Wer sie ernennen soll, ist unklar.

Die Polizei feuert mit Tränengas auf die Regierungsgegner: Ihr Anführer will die gesamte Regierung stürzen. Reuters

Die Polizei feuert mit Tränengas auf die Regierungsgegner: Ihr Anführer will die gesamte Regierung stürzen.

BangkokMit Tränengas und Wasserwerfern ist die Polizei in Bangkok am Freitag gegen Tausende Regierungsgegner vorgegangen. Die Polizei sei eingeschritten, als Demonstranten Absperrungen vor der Einsatzzentrale der Regierung niederreißen wollten, berichtete der staatliche Sender MCOT. Nach Angaben der Opposition wurden vier Menschen verletzt.

Der Anführer der Regierungsgegner, Suthep Thaugsuban, marschierte an der Spitze eines Demonstrationszuges zum Regierungssitz. Er hatte nach der Amtsenthebung von Regierungschefin Yingluck Shinawatra zur „entscheidenden Schlacht“ aufgerufen. Er will die gesamte Regierung stürzen. Wie schon öfter seit Beginn der Massendemonstrationen im November stellte er dafür ein dreitägiges Ultimatum.

Der Aufstand in Thailand

Den Teufel mit dem Belzebub austreiben…

… so erscheint die Lage in Thailand. Das gesamte politische Establishment in Thailand gilt als korrupt. Das gilt sowohl für die Shinawatra-Familie als auch den „Volkstribun“ Suthep Thaugsubahn. Als früherer Minister hatte er regierungseigenes Land, das an arme Bauern verteilt werden sollte, reichen Familien aus Phuket zugeschanzt.

Teuer bezahlen…

… müssen die Financiers die Proteste. Seit drei Monaten halten die Tausenden Regierungsgegner Straßen und Plätze rund um das Democracy Memorial nördlich des Zentrums von Bangkok besetzt. Sie sind gut organisiert, verfügen über Bühnentechnik, Videowände und Tonanlagen. Gratis verköstigt werden die Demonstranten ebenfalls. Schon jetzt hat der Protest umgerechnet an die zwei Millionen Euro gekostet.

Hinter den Kulissen…

… ziehen die Eliten die Strippen. Die in Singapur erscheinende Tageszeitung „The Straits Times“ glaubt zu wissen, wer so viel Geld ausgibt, um Regierungschefin Yingluck Shinawatra zu stürzen: Es seien vor allem die großen Getränke- und Nahrungsmittelkonzerne des Landes.

Als Land der Coups…

… gilt Thailand. In der konstitutionellen Monarchie ist es häufig zu Staatsstreichen gekommen. In den vergangenen 47 Jahren gab es acht erfolgreiche Putsche. „Am Ende hat das königstreue Militär sich stets weiter eng im Zentrum der politischen Macht unter dem Schatten des allmächtigen Palastes gehalten“, sagt Politologe Paul Chambers.

Die Gelbhemden…

… tragen Gelb, weil es die Farbe des Königs ist. Die „Gelbhemden“ repräsentieren die königstreuen, alten Eliten, die ihre Privilegien und ihren Reichtum dem Königshaus verdanken. Aber auch die meist städtische Mittelschicht, etwa Händler, Beamte und Offiziere der Armee gehören dazu. Ihr Anführer ist Suthep Thaugsuban, selbst sehr reich: Seiner Familie gehören Ölpalmenplantagen und Garnelenzuchtanlagen. Die Bewegung ist dort stark, wo das große Geld gemacht wird: in Bangkok und den Touristenhochburgen im Süden des Landes.

... gegen die Rothemden.

Die Rothemden kommen in erster Linie aus dem bevölkerungsreichen, aber armen Norden. Es sind meist Bauern, kleine Händler, aber auch Polizisten, die die Regierung von Yingluck Shinawatra unterstützen, weil sie sich von ihr eine Fortsetzung der Politik ihres Bruders Thaksin versprechen.

Der Bruder im Exil…

… Thaksin Shinawatra war von 2001 bis 2006 Regierungschef und hatte sich damals bei den ärmeren Schichten beliebt gemacht. Er investierte etwa in die ländliche Infrastruktur und ging gegen die Drogenbarone vor. Mit dem Vorwurf, er habe Amtsmissbrauch betrieben und sei korrupt gewesen, wurde Thaksin 2006 vom Militär gestürzt. Er lebt seitdem in Dubai im Exil. An dem Amnestiegesetz, das seine Schwester verabschieden wollte und das ihm vermutlich die Rückkehr nach Thailand ermöglicht hätte, entzündeten sich im November 2013 die Proteste. Für die Mittelklasse und Oberschicht ist er ein Feindbild, seine Schwester wird von den Gelbhemden als seine „Marionette“ betrachtet.

Die Rolle des Königs…

… ist keine besonders große mehr. König Bhumibol, seit 1946 im Amt und damit das am längsten regierende Staatsoberhaupt der Welt, genießt zwar noch immer hohen Respekt auf beiden Seiten, ist aber seit Jahren schwer krank und greift kaum mehr aktiv – vermittelnd – in die Politik ein. Königstreue schreiben sich vor allem die Gelbhemden auf die Fahne. Sie werfen ihren Gegnern vor, nicht königstreu (genug) zu sein. Mit Bhumibols Tod wird nach Ansicht des Politologen Paul Chambers die Macht des Palastes weiter abnehmen. „Der Druck nach politischem Pluralismus ist zu groß geworden.“

Seine Anhänger forderte er auf, Fernsehsender zu belagern. Sie sollten Druck machen, damit die Sender im Laufe des Tages eine Rede von ihm übertragen. Zudem verlangte er ein Treffen mit dem Yingluck-Nachfolger Niwatthamrong Boonsongpaisan.

Regierungschefin Yingluck war diese Woche wegen Verfassungsbruchs ihres Amtes enthoben worden. Außerdem erhob die Antikorruptionsbehörde Anklage wegen eines umstrittenen Subventionsprogramms für Reisbauern.

Oppositionsführer Suthep wirft der Regierung Korruption und Misswirtschaft vor. Er verlangt eine ungewählte Übergangsregierung. Wer sie ernennen soll, ist unklar.

Sutheps Anhänger kommen überwiegend aus wohlhabenderen Schichten und aus dem Süden des Landes. Die Regierung wird dagegen von der Landbevölkerung im Nordosten gestützt, die die Mehrheit im Land stellt.

Von

dpa

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