Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2013

17:59 Uhr

Demonstrationen

Anhänger und Gegner von Mursi sammeln sich in Kairo

Tausende Menschen strömen derzeit nach Kairo und sammeln sich für neue Demonstrationen. Sowohl Anhänger als auch Gegner des geschassten Staatschefs Mursi wollen auf die Straße gehen. Die Angst vor der Gewalt nimmt zu.

Anhänger von Mursi: Die Angst vor neuen Gewaltausbrüchen geht mit auf die Straße. dpa

Anhänger von Mursi: Die Angst vor neuen Gewaltausbrüchen geht mit auf die Straße.

KairoIn Kairo haben sich am Freitag Anhänger und Gegner des vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi zu Tausenden für neue Demonstrationen versammelt. Die Gefolgsleute des entmachteten Islamisten wollen mit ihren Protesten, zu denen sie Millionen Ägypter aufgerufen haben, die Freilassung und Wiedereinsetzung des früheren Staatschefs erreichen. Ihre Gegner von der Tamarud-Jugendbewegung luden zu einer Kundgebung anlässlich des Fastenmonats Ramadan auf dem Tahrir-Platz ein. Neue Zusammenstöße der verfeindeten Gruppen oder mit den Sicherheitskräften wurden nicht ausgeschlossen. In den vergangenen Tagen waren bei Gewaltakten mehr als 90 Menschen getötet worden.

Der am Mittwoch vor einer Woche abgesetzte Mursi wird offiziellen Angaben zufolge noch immer in der Kaserne der Republikanischen Garde festgehalten, vor der Soldaten am Montag Dutzende Demonstranten erschossen hatten. Die Muslimbrüder werfen dem Militär vor, auf friedliche und betende Menschen geschossen zu haben. Die Streitkräfte erklärten dagegen, sie hätten nach Angriffen das Feuer erwidert. In Justizkreisen hieß es, Mursi werde wahrscheinlich der Prozess gemacht.

Erschreckende Bilder aus Ägypten: Ein Fotograf filmt, wie er erschossen wird

Erschreckende Bilder aus Ägypten

Ein Fotograf filmt, wie er erschossen wird

Der Journalist Ahmed Samir Assem wollte die Gewalt des ägyptischen Militärs gegenüber Kindern und Frauen beweisen. Als er einen Mann filmt, der auf Demonstranten schießt, legt dieser plötzlich auf ihn an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die Freilassung Mursis. Jede Form der politischen Verfolgung sei für die Zukunft Ägyptens außerordentlich schädlich, sagte Westerwelles Sprecher am Freitag in Berlin. „Wir fordern deshalb auch ein Ende der aufenthaltsbeschränkenden Maßnahmen für Herrn Mursi.“

Das US-Außenministerium hatte Mitte der Woche Unterstützung für die neuen Machthaber signalisiert und Mursis Herrschaftssystem als nicht demokratisch beschrieben. Ägypten bekommt von den USA jährlich 1,5 Milliarden Dollar, deren Löwenanteil an das Militär geht. Die USA haben die Entmachtung Mursis nicht als Putsch eingestuft, was ein Ende der Hilfe für den bevölkerungsreichsten Staat im Nahen Osten bedeutet hätte.

Derweil lässt die Bildung einer neuen Regierung auf sich warten. Der geschäftsführende Ministerpräsident Hasem al-Beblawi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er werde am Sonntag mit den Gesprächen zur Bildung eines Kabinetts beginnen. Er gehe davon aus, dass es bis Ende kommender Woche vereidigt werden könne. Am Mittwoch hatte Beblawi gesagt, er hoffe, die Bildung der neuen Regierung bereits Anfang kommender Woche abzuschließen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×