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06.03.2006

16:22 Uhr

Den Haag

Ex-Serbenführer bringt sich in UN-Haft um

Der frühere Anführer der kroatischen Serben, Milan Babic, hat in der Haftanstalt des UN-Tribunals in Den Haag Selbstmord begangen. Er war von den Richtern zu einer 13 Jahre langen Haftstrafe verurteilt worden.

Milan Babic im November 2003. Foto: dpa dpa

Milan Babic im November 2003. Foto: dpa

HB DEN HAAG. Der 50-jährige sei am Sonntagabend tot in seiner Zelle im Gefangenentrakt des UN-Tribunals in Den Haag aufgefunden worden, teilte das Gericht am Montag mit. Unklar war zunächst, wie sich Babic das Leben nahm. Er verbüßte seine Haftstrafe an einem geheim gehaltenen Ort, war aber im vergangenen Monat nach Den Haag gebracht worden, wo er im Prozess gegen den kroatischen Serben Milan Martic aussagen sollte.

Babic war Präsident der selbst erklärten Autonomen Serben-Republik Krajina, die sich von Kroatien nach der Unabhängigkeit von Jugoslawien 1991 abspaltete. Er ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, darunter Mord, Vertreibung und widerrechtliche Inhaftierung nicht-serbischer Zivilisten.

Das Kriegsverbrecher-Tribunal der Vereinten Nationen (UN) leitete eine interne Untersuchung zu dem Vorfall ein. UN-Ermittler betrachteten Babic als einen der wichtigsten Verbündeten des ebenfalls von dem Tribunal angeklagten jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic. Im Prozess gegen Milosevic im Jahr 2002 sagte Babic jedoch gegen diesem aus. „Er ist einer der kritischsten hochrangigen Insider, den die Strafverfolgung aufzubieten hat“, sagte Edgar Chen von der Koalition für Internationale Justiz, die das UN-Tribunal überwacht. „Er hat bereits entscheidende Informationen über die Verwicklungen der Belgrader Regierung in der Krajina geliefert.“ Der Tod Babic' werde für weitere Prozesse, in denen er als Zeuge geladen worden wäre, schwere Folgen haben.

Babic hatte sich im Jahr 2003 gestellt und ein Jahr später schuldig bekannt, an einem Plan zur Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerung aus dem Osten Kroatiens mitgewirkt zu haben. Vor Gericht bedauerte der ausgebildete Zahnarzt seine Taten und erklärte, er empfinde „tiefen Scham und Reue“. Bei der Festsetzung seines Strafmaßes wirkten sich sein Schuldeingeständnis und seine Kooperation mit den Ermittlungsbehörden mildernd aus.

Nachdem die Berufungskammer des UN-Tribunals das Urteil gegen Babic im vergangenen Jahr bestätigt hatte, war er zur Verbüßung der Haft ins Ausland gebracht worden. Damit wurde Babic' Sorge Rechnung getragen, dass seine Aussage gegen Milosevic Racheakte auslösen könne. Im Milosevic-Prozess war Babic zunächst nur als Zeuge C-061 bekannt, der sich für die Öffentlichkeit nicht sichtbar hinter einer Trennwand äußerte. Später wurde dieser Zeugenschutz aber auf Wunsch von Babic aufgehoben. „Herr Milosevic, Sie haben einen schrecklichen Krieg entbrannt“, richtete Babic im Gerichtssaal das Wort an den früheren Präsidenten. „Sie haben dem serbischen Volk Schande gebracht.“

Martic, gegen den Babic ebenfalls aussagen sollte, war auch ein hochrangiger Vertreter der Krajina, die im Jahr 1995 in der Offensive „Operation Sturm“ von den Kroaten zurückerobert wurde. Auch Martic werden Verbrechen an der nicht-serbischen Bevölkerung der Krajina zur Last gelegt.

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