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05.01.2005

10:33 Uhr

Der aussichtsreichste Kandidat lehnt die Gewalt seit langem ab

Abbas gilt als Mann des Ausgleichs

Der amtierende PLO-Chef Mahmoud Abbas (69) setzt sich seit Jahren für eine friedliche Lösung des Konflikts mit Israel ein. Für Israel und die internationale Gemeinschaft ist der Favorit bei der Präsidentschaftswahl daher ein klarer Wunschkandidat. Mit seiner Politik des Ausgleichs ist er jedoch während seiner Amtszeit als erster palästinensischer Ministerpräsident im Machtkampf mit Jassir Arafat im Jahre 2003 schon einmal intern gescheitert.

HB RAMALLAH. Auf internationalen Druck wurde Abbas damals von Arafat zum Regierungschef ernannt. Die Falken um Arafat sowie die Mehrheit der Bevölkerung lehnten seine moderate Linie jedoch ab. Im Wahlkampf schlug Abbas jetzt härtere Töne gegen Israel an, um sich auch die Unterstützung militanter Palästinenser zu sichern.

Anders als früher Arafat trägt Abbas stets Anzug. Der weißhaarige Politiker gilt nicht als Mann fürs Grobe. Er kritisierte immer wieder den Einsatz von Gewalt im Aufstand gegen Israel, der den Palästinensern international viele Sympathien verspielt hat.

Der 1935 in Safed (heute Israel) geborene Abbas, dessen genaues Geburtsdatum unbekannt ist, floh 1948 im ersten Nahostkrieg mit seiner Familie nach Damaskus. Er war Mitbegründer der PLO und der Fatah-Bewegung und jahrzehntelanger Wegbegleiter des am 11. November gestorbenen Arafat.

„Abu Masen“ gehörte zur Spitze der Palästinenserführung im Exil und wurde 1980 Arafats Vize. Als Geschäftsmann verdiente er in Katar ein Vermögen. 1993 handelte er die Oslo-Verträge mit Israel aus. Abbas, der in Moskau über israelische Politik promoviert hat, gilt als hervorragender Kenner Israels und seiner Geschichte. Scharfe Kritik löste jedoch in der Vergangenheit ein Buch des Politikers über den Zionismus aus, in dem er behauptete, der Holocaust habe unter den Juden erheblich weniger Opfer gefordert, als allgemein angenommen. Diese umstrittenen Äußerungen revidierte er jedoch später.

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