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11.02.2014

12:54 Uhr

Der Bart ist ab

Sarkozy zurück auf politischer Bühne

VonThomas Hanke

Nicolas und Nathalie: Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy unterstützt die konservative Kandidatin Kosciusko-Morizet beim Kampf um das Bürgermeisteramt in Paris. Dabei bekommt er die meiste Aufmerksamkeit für sich.

Das Bad in der Menge: Jetzt, da nur noch Stoppeln Sarkozys Gesicht zieren, feiert er sein Comeback. dpa

Das Bad in der Menge: Jetzt, da nur noch Stoppeln Sarkozys Gesicht zieren, feiert er sein Comeback.

ParisFrankeichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy liebt es, seine politische Zukunft zum Rätsel und sich selbst zum Orakel zu machen. Seit Monaten beantwortete er, der sich einen Bart stehen ließ, die Frage nach einem politischen Comeback so: „Sollte ich meinen Bart irgendwann abnehmen wisst ihr: Es ist soweit.“ Gestern ging der Orakel-Spruch fast in Erfüllung: Sarkozy tauchte mit deutlich gestutzter Gesichtsbehaarung beim offiziellen Wahlkampf-Auftakt seiner Parteifreundin Nathalie Kosciusko-Morizet auf, die Bürgermeisterin von Paris werden will. Bart ab oder nicht: Mit dem Besuch dieses Meetings ist Sarkozy eindeutig zurück in der politischen Arena.

Durch seine öffentliche Unterstützung für „NKM“, wie die Großenkelin eines weißrussischen Exilanten einerseits, eines Gründers der französischen Kommunistischen Partei andererseits, genannt wird, geht er ein gewisses Risiko ein. Denn gegenwärtig spricht alles dafür, dass die 40-jährige, deutlich jünger aussehende Politikerin, die unter Sarkozy Umweltministerin war und später Sprecherin seiner Wahlkampagne, bei der Wahl im März gegen die Sozialistin Anne Hidalgo verliert. Hidalgo hat seit Jahren mit Bertrand Delanoë zusammen gearbeitet, dem Sozialisten, der vor 13 Jahren der Rechten Paris abnahm.

Sollte es Kosciusko-Morizet nicht gelingen, bei dieser Wahl die Mairie von Paris zurück zu erobern, hätte das auch nationale Auswirkungen: Die von allen erwartete Niederlage der Sozialisten und damit Hollandes bei den Kommunalwahlen würde nur halb so hart ausfallen, die Konservativen als zahnlose Tiger dastehen. Mit diesem Misserfolg assoziiert zu werden, das wäre für Sarkozy ein schlechter Start zum eigenen Comeback.

Doch am Montagabend wird er daran kaum gedacht haben. Es war ein bisschen wie früher, allerdings von XXL auf S geschrumpft: ein voller Saal, der aber nur eine frühere Markthalle im 12. Pariser Arrondissement war und keine Riesenarena der Pariser Messe; der Sall füllte sich auch erst nach zwei Stunden; doch es gab Anhänger, die sich die Lunge aus dem Hals schrien: „Nicolas – président, Nicolas – président“ und Kamerateams, die den klein gewachsenen Politiker so dicht umdrängten, dass er nicht einmal auf der Leinwand-Vergrößerung zu erkennen war. Doch eine große Enttäuschung bereitete Sarko seinen Fans: Die erwartete Rede hielt er nicht. Den Knüller behält er sich noch vor. Der gestrige Abend gehörte der Pariser Spitzenkandidatin.

Die zeigte sich sehr gerührt: „Ich bin so dankbar und froh, dass ich diese Freundschaft mit Nicolas heute mit euch allen teilen kann. Ich weiß, was das bedeutet.“ Hauchte sie ins Mikrophon. Unterstützung hat die gut aussehende, Sarkozy um fast zwei Köpfe überragende NKM bitter nötig. In allen Umfragen liegt ihre Gegnerin Hidalgo weit vorne.

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