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26.07.2014

17:18 Uhr

Der Krieg in Gaza

Bei Bombenhagel Applaus

Manchen Israelis tun die Palästinenser in Gaza aufrichtig leid. Andere zeigen offen ihre Freude über die israelischen Bombardements. Auf den Anhöhen bei Sderot ist für sie das Kampfgeschehen großes Kino.

Wie im Kino? In Sderot, mit Blick auf den Gazastreifen, schauen Israels zu, wie Raketen fliegen. AFP

Wie im Kino? In Sderot, mit Blick auf den Gazastreifen, schauen Israels zu, wie Raketen fliegen.

SderotDie Grenze zwischen Israel und dem nördlichen Gazastreifen verläuft in flachem Land. Auf israelischer Seite liegt zwei Kilometer entfernt die Stadt Sderot. Mehrere Hügel sind ihr vorgelagert. Von dort bietet sich ein Blick, der bis zu den Hochhäusern der sieben Kilometer entfernten Stadt Gaza reicht.

Auf einem der Hügel haben sich an diesem Vormittag israelische und ausländische Journalisten und ein paar israelische Schaulustige eingefunden. Die Fernsehreporter nutzen das Panorama mit dem umkämpften Gazastreifen als Kulisse für ihre in dramatischem Tremolo vorgetragenen Kriegsberichte.

Fragen und Antworten zum Gaza-Konflikt

Worum geht es der Hamas?

Die radikalislamische Hamas-Bewegung kämpft um ihr Überleben. Im Westjordanland wurde sie in den vergangenen Wochen durch Massenverhaftungen und Beschlagnahmungen fast zerschlagen, im Gazastreifen ist sie nach dem Machtwechsel in Ägypten isoliert und finanziell liegt sie am Boden - "sie hat nichts mehr zu verlieren", sagt Muchaimer Abu Saada, Politikprofessor an der Al-Aksa-Universität in Gaza. Deshalb sucht die Hamas die Unterstützung der breiten palästinensischen Bevölkerung durch schnelle Erfolge - sei es die Aufhebung der Gaza-Blockade, sei es durch einen spektakulären Angriff auf israelische Ziele. Deshalb weitete sie diese Woche Ziele und Zahl ihrer Raketenangriffe aus und startete Kommandoaktionen mit Tauchern und durch Geheimtunnel.

Was will Israel erreichen?

„Am Ende darf die Hamas keine Mittel mehr besitzen, um Raketen zu fabrizieren“, sagt Gilad Erdan, Angehöriger des Sicherheitskabinetts und in der Regierung für das Ressort Umwelt zuständig. Anders als bei der Eskalation im November 2012 will sich Israel diesmal nicht mit einer Feuerpause zufriedengeben. Die Regierung stimmt die Bevölkerung deshalb auf einen längeren Waffengang und mögliche eigene Verluste ein.

Entsendet Israel Bodentruppen nach Gaza?

Zwei unterschiedliche Bodeneinsätze werden diskutiert: Eine langanhaltende Invasion hätte zum Ziel, wie im Westjordanland alle Strukturen der Hamas zu zerschlagen. Kürzer könnte ein Einmarsch verlaufen, der sich auf die nachhaltige Schwächung der bewaffneten Gruppierungen in dem Küstengebiet konzentriert. "Die Hamas rechnet nur mit einer begrenzten Bodenoffensive Israels, da eine Wiederbesetzung des Gazastreifens praktisch unmöglich ist", sagt Abu Saada. Gegenwärtig bringt Israel 30.000 Soldaten in Stellung und rüstet sie aus. Kommt es zu tödlichen Angriffen in Israel, würde dies den Invasionsbefehl beschleunigen.

Wie lang kann die Hamas ihr Drohpotenzial aufrecht erhalten?

Israelische Militärexperten schätzen die Feuerkraft der Hamas auf rund 10.000 Raketen sehr unterschiedlicher Reichweite - wobei sie in den vergangenen Tagen damit überraschte, dass ihre Projektile Ziele in 160 Kilometern Entfernung im Norden Israels erreichten. Die mehrere hundert Raketen größerer Reichweite in ihrem Besitz wird die Hamas aber nur sehr kalkuliert einsetzen, erwarten die Experten. Amos Gilad, Strategieberater im Verteidigungsministerium, sagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die libanesische Hisbollah der Hamas durch gleichzeitigen Raketenbeschuss aus dem Südlibanon zu Hilfe kommt.

Wie kann das Ausland helfen?

Alle schauen hier zuerst nach Ägypten, das Beziehungen zu Israel und zu den Palästinensern unterhält und 2012 erfolgreich tätig wurde. „Eine Vermittlungsinitiative im eigentlichen Sinne gibt es derzeit nicht“, sagt dazu Badr Abdel Lati, Sprecher des Außenministeriums in Kairo. Entsprechende Kontakte hätten „zu keinem Ergebnis geführt“. Da die aktuelle ägyptische Regierung die Hamas als feindliche Organisation einstuft, ist sie zudem kaum bereit, deren Bedingungen für einen Waffenstillstand gegenüber Israel nachdrücklich zu vertreten. Professor Abu Saada rechnet deshalb damit, dass die Islamisten das Emirat Katar oder die Türkei als Vermittler anrufen könnten.

Andere beobachten das Geschehen. Israelische Panzer manövrieren in der Zone vor der Gaza-Ortschaft Beit Hanun, in die die Armee bei ihrer Bodenoffensive vorgerückt ist. Aus der Ferne hallen dumpf die Einschläge israelischer Granaten und Bomben. Plötzlich schießen aus dem Häusermeer von Gaza sieben oder acht Raketen hoch, erkennbar an dem orangenen Feuerschweif, den sie beim Abschuss für kurze Zeit nach sich ziehen.

„Die gehen nach Aschkelon“, sagt einer der Schaulustigen mit Blick auf die etwa 15 Kilometer entfernte Industrie- und Hafenstadt. Wenige Minuten später blitzt in Gaza ein Funke auf, ungefähr an der Stelle, an der die Raketen abgegangen sind – wahrscheinlich die israelische Antwort. Die Reporter erfahren über einen SMS-Dienst: Die israelische Raketenabwehr hat sieben Grad-Raketen über Aschkelon unschädlich gemacht.

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